Medienmitteilung vom 10.01.2006
MedienmitteilungDie Wahrnehmung von Gesichtern wird durch sexuelle Präferenz beeinflusst
Forscherinnen der Universität Zürich haben herausgefunden, dass sexuelle Vorlieben die Gesichtswahrnehmung modulieren. Damit haben sie erstmals den neuronalen Nachweis für die Rolle der Gesichter bei der Partnerwahl erbracht. Die Studie ist am 10. Januar 2006 in der Zeitschrift «Current Biology» (Volume 16, Issue 1, 2006) veröffentlicht worden.
Die Wahrnehmung von Gesichtern aktiviert im menschlichen Gehirn
ein Netzwerk verschiedener Regionen. Wie aus früheren Studien
bekannt ist, modulieren Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Emotionen
die neuronale Antwort auf Gesichter. So lösen beispielsweise
glückliche, ängstliche oder wütende Gesichter grössere Aktivitäten
im Gehirn aus als neutrale Gesichter. Die Einflüsse von Geschlecht
und sexueller Neigung hingegen waren bisher noch unbekannt.
Prof. Alumit Ishai und Felicitas Kranz vom Institut für
Neuroradiologie der Universität Zürich haben jetzt untersucht, ob
hetero- und homosexuelle Versuchspersonen eine stärkere
Gehirn-Reaktion auf Gesichter des von ihnen bevorzugten Geschlechts
zeigen würden. Sie verwendeten funktionelle Magnetresonanz (fMRI),
eine nichtinvasive Technik, mit der höhere Gehirnfunktionen wie das
Gedächtnis oder die visuelle Wahrnehmung aufgezeichnet und in den
Gehirnregionen lokalisiert werden können. Die Forscherinnen zeigten
40 hetero- und homosexuellen Männern und Frauen, die im MRI-Scanner
lagen, Fotos von unbekannten und berühmten Gesichtern, liessen sie
die Gesichter als attraktiv, neutral oder unattraktiv bewerten und
massen dabei die Gehirnaktivität verschiedener Hirnregionen.
Belohnungssystem reagiert unterschiedlich
Unabhängig von Geschlecht und sexueller Neigung beurteilten
alle Versuchspersonen die Attraktivität der Gesichter ähnlich.
Ebenfalls zeigten sie in einem Netzwerk visueller, limbischer und
präfrontaler Hirnregionen eine ähnliche neuronale Antwort auf
männliche und weibliche Gesichter. Hingegen fanden die
Forscherinnen übereinstimmend mit ihrer Hypothese eine Interaktion
zwischen dem Geschlecht des betrachteten Gesichts und der sexuellen
Präferenz der Versuchsperson, die das Gesicht betrachtet, im
medialen orbitofrontalen Kortex, wo das Belohnungssystem des
Gehirns lokalisiert ist: Heterosexuelle Frauen und homosexuelle
Männer zeigten eine stärkere neuronale Antwort auf männliche
Gesichter, wohingegen heterosexuelle Männer und homosexuelle Frauen
stärker auf weibliche Gesichter reagierten. Die Ergebnisse der
Studie deuten darauf hin, dass sexuelle Präferenzen die Reaktion
auf Gesichtswahrnehmung im Belohnungssystem modulieren.
