Medienmitteilung vom 29.04.2006
MedienmitteilungDies academicus 2006 der Universität Zürich
Die Universität Zürich ernennt an ihrer 173. Stiftungsfeier neun Ehrendoktoren, verleiht fünf Jahrespreise, den UBS-Habilitationspreis der Philosophischen Fakultät sowie den Habilitationspreis und das Forschungsstipendium der Walter und Gertrud Siegenthaler-Stiftung. Zu den Geehrten zählen u.a. der Schlafforscher Prof. Giulio Tononi und der Fernseh-Journalist Andreas Moser.
In seiner Rede zum Dies academicus thematisierte Rektor Hans
Weder das Verhältnis von Wissenschaft und Religion. Insbesondere
zum Gegensatz von Evolutionsbiologie und Schöpfungsglaube nahm
Weder Stellung. Er warnte vor Theoriekonzepten wie dem so genannten
«Intelligent Design», in dem religiöse und wissenschaftliche
Perspektiven vermischt werden, und hob die fundamentalen
Unterschiede hervor, die zwischen Glaube und Wissen bestünden.
«Religion», sagte er, «hat nicht die Aufgabe, bestehendem Wissen
ein besseres Wissen entgegenzusetzen. Ihre Sache wäre es vielmehr,
einen sinnvollen Umgang mit dem Wissen zu pflegen.»
Prof. Hans Caspar von der Crone ging im Bericht des
Prorektors auf die Studienreform «Bologna» ein. Alle Fakultäten der
Universität Zürich werden auf das Wintersemester 2006/2007 hin die
Bachelorstudiengänge eingeführt haben. Masterstudiengänge werden
zum Teil bereits angeboten, weitere sind in Planung. Wie Prorektor
von der Crone ausführte, beginnt der zweite Teil des Projektes
Bologna ab dem Jahr 2008. Dabei werden spezialisierte
Masterstudiengänge entwickelt, die Doktoratsstufe wird ausgebaut
und die Betreuungsverhältnisse in stark nachgefragten Fächern
werden weiter verbessert. «Bologna lässt sich nur erfolgreich
umsetzen», so von der Crone an der Feier, «wenn die Studierenden
eine adäquate Betreuung erfahren und die Interaktivität erhöht
wird.»
Gian Autenrieth, Präsident des Studierendenrates (StuRa) wies
in seiner Rede auf die fehlende Rechtskörperschaft hin. Damit die
Studierendenschaft eine handlungsfähige juristische Person mit
einer breiten Mitgliederbasis sei, bedürfe sie einer
öffentlich-rechtlichen Körperschaft. Eine solche dauerhafte
Struktur bilde die Voraussetzung für eine leistungsfähige und
schöpferische Arbeit einer Studierendenschaft.
Neun Ehrendoktoren
Am diesjährigen Dies academicus sind neun Personen mit dem
Ehrendoktortitel ausgezeichnet worden. Die Theologische Fakultät
verleiht die Würde eines Doktors ehrenhalber an
Prof. Albert de Puryin Anerkennung seiner grossen Verdienste
um die Erforschung der Literaturgeschichte des Alten Testaments,
seiner religionsgeschichtlichen Hintergründe und seiner
theologischen Bedeutung. Albert de Pury ist gegenwärtig Mitglied
des Vorstands der Schweizerischen Akademie der
Geisteswissenschaften.
Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät ehrt
Prof. Timothy Besleyfür seine grossen Verdienste in der
Forschung der öffentlichen Wirtschaft (Public Economics), der
modernen Politischen Ökonomie sowie der
Entwicklungsländerforschung. Prof. Besley lehrt an der London
School of Economics.
Die Medizinische Fakultät verleiht die Würde eines
Ehrendoktors an
Prof. Giulio Tononifür seine herausragenden
wissenschaftlichen Leistungen, seine fundamentalen Beiträge zum
Verständnis der Funktion und der Regulation des Schlafes. Tononi
ist Professor für Psychiatrie an der Universität von Wisconsin in
Madison, USA.
Prof. Donald L. Resnick, University of California in San
Diego, erhält den Ehrendoktor der Medizinischen Fakultät für seine
herausragenden wissenschaftlichen Leistungen im Bereich der
modernen Bildgebung der Radiologie des Bewegungsapparates.
Die Vetsuisse-Fakultät zeichnet
Andreas Moser, SF Schweizer Fernsehen, in Anerkennung seiner
grossen Verdienste um die Darstellung von Tieren und ihrer
Vernetzung mit ihrem Lebensraum aus.
Die Vetsuisse-Fakultät verleiht einen zweiten
Ehrendoktortitel an
Alexander Wandelerin Anerkennung seiner grossen Verdienste
um die Bekämpfung der Tollwut in der Schweiz. Alexander Wandeler
ist Leiter des «Centre of Expertise for Rabies» der «Canadian Food
Inspection Agency».
Die Philosophische Fakultät ehrt
Andres Brinermit dem Ehrendoktortitel für seine grossen
Verdienste um die Musikforschung und deren Vermittlung in eine
breite Öffentlichkeit. Als Wissenschaftler und NZZ-Journalist hat
Andres Briner die Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts
begleitet, gefördert sowie in kritischer Unabhängigkeit nachhaltig
geprägt.
Postum würdigt die Philosophische Fakultät
Harald Szeemannin Anerkennung seiner jahrzehntelangen
Verdienste in der Dokumentation und Erforschung moderner Kunst und
alternativer Kulturen sowie als Begründer einer neuen Konzeption
von Kunstmuseum und Kunstausstellung im Dienste des
transkulturellen Dialogs.
Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät zeichnet
Prof. Martin Karplus, Harvard University, aus für seine
fundamentalen Beiträge zur Entwicklung der
Moleküldynamik-Computersimulation, die eine wichtige Grundlage der
computergestützten Chemie und Strukturbiologie bildet.
Fünf Jahrespreise
Die Jahrespreise der Universität Zürich 2006 gehen an Karin
Scheiber, Theologische Fakultät, Karsten Gaede,
Rechtswissenschaftliche Fakultät, Manuel Oechslin,
Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät, Julia Buchholz,
Vetsuisse-Fakultät, und Daniela Saxer, Philosophische Fakultät.
Der mit 10000 Franken dotierte UBS-Habilitationspreis der
Philosophischen Fakultät erhält PD Sibylle Kurt. Mit dem
Habilitationspreis der Walter und Gertrud Siegenthaler-Stiftung
(10'000 Franken) wird PD Frank Heppner ausgezeichnet. Das
Forschungsstipendium der Walter und Gertrud Siegenthaler-Stiftung
in der Höhe von 40'000 US Dollars erhält Alain Rudiger. Mit dem
Preis für Theologie der Scheuchzer-Stiftung (5000 Franken) wird PD
Peter Opitz ausgezeichnet.

