Medienmitteilung vom 23.02.2006
MedienmitteilungDrei neue Lemurenarten entdeckt
Ein Team von Wissenschaftlern aus Deutschland, Frankreich, Madagaskar, USA und der Universität Zürich hat drei neue Lemurenarten in Madagaskar identifiziert. Dies berichten sie in der Ausgabe der Fachzeitschrift «BMC Evolutionary Biology» vom Donnerstag, 23.2.2006.
Die drei neu entdeckten Wieselmaki-Arten gehören zu den Lemuren,
die nur in Madagaskar vorkommen. Dem Wissenschafts-Team mit dem
Zürcher Anhropologen Urs Thalmann gelang die Identifizierung dank
aufwändiger Feldarbeit und Laboranalysen. Die Forscherinnen und
Forscher untersuchten die Chromosomen von fast 100 Tieren und die
mitochondriale Erbsubstanz von etwa 70 Tieren.
Fellfärbung kaum zu unterscheiden
Nachtaktive Lemurenarten zeigen oft unauffällige
Fellfärbungen, die zusätzlich recht variabel sind, weil optische
Signale im Dunkel der Nacht weniger bedeutend sind als bei Tage.
Deshalb sind diese Arten bisher nicht erkannt und bei anderen
Wieselmaki-Arten eingeordnet worden. Erst die genetischen Analysen
zeigten, dass es sich bei zwei bisher bekannten Arten eigentlich um
fünf Arten handelt. Die neuen Arten leben in unterschiedlichen
Gebieten Madagaskars und sind durch Flüsse voneinander getrennt.
Wieselmakis sind etwa 0.5 - 1 Kilogramm schwere nachtaktive
Lemuren, die sich hauptsächlich von Blättern ernähren. Obwohl sie
recht flink sein können, machen sie nachts viele und ausgedehnte
Pausen, um die qualitativ eher schlechte Nahrung zu verdauen und
Energie zu sparen. Tatsächlich haben sie für ihre Grösse einen
aussergewöhnlich niedrigen Energieumsatz. Erst seit kurzer Zeit ist
bekannt, dass einige Wieselmaki-Arten in Paaren zusammen leben.
Nachts gehen Weibchen und Männchen getrennt auf Futtersuche,
verständigen sich aber mit lauten Rufen, die eigentliche Duette
bilden. Tagsüber schlafen Wieselmakis in bevorzugten Baumhöhlen,
schauen aber bisweilen neugierig heraus. Das wird ihnen immer
öfters zum Verhängnis, weil sie leicht aus den Höhlen gefangen
werden können und im Kochtopf landen. Ganze Wälder sind
mittlerweile leergefangen. Die Identifizierung der neuen Arten sind
deshalb wichtig, um geeignete Schutzmassnahmen für die bedrohten
Lemuren in verschiedenen Gebieten zu planen und umzusetzen.



