Medienmitteilung vom 19.10.2006
MedienmitteilungDurchbruch in der Gedächtnisforschung
Auf der Suche nach den genetischen Grundlagen des menschlichen Gedächtnisses sind Wissenschaftler der Universität Zürich auf ein neues Gen gestossen, das die Hirnaktivität in gedächtnisrelevanten Regionen des Gehirns steuert. Die Ergebnisse ihrer Studie sind für die Behandlung von Gedächtnisstörungen von grosser Bedeutung und erscheinen in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift Science.
Erst seit wenigen Jahren beginnen Wissenschaftler zu verstehen,
welche Gene die Funktion des menschlichen Gedächtnisses steuern. In
diesem noch jungen Forschungsgebiet haben die beiden Professoren
der Abteilung für Psychiatrische Forschung, Andreas
Papassotiropoulos und Dominique de Quervain, deren Forschung vom
Schweizerischen Nationalfonds finanziert wird, Pionierarbeit
geleistet. Unter anderem entdeckten sie, dass Gene, welche einfache
Formen von Gedächtnis bei Tieren steuern, auch beim menschlichen
Gedächtnis eine wichtige Rolle spielen.
Um gedächtnisrelevante Gene beim Menschen zu finden, haben
Papassotiropoulos und de Quervain einen neuen Weg eingeschlagen:
Statt sich auf tierexperimentelle Daten zu stützen, untersuchten
sie das gesamte menschliche Genom, in der Hoffnung, bisher
unbekannte Gene und Mechanismen zu entdecken. So sind sie auf das
Gen KIBRA gestossen, dem die beiden Forscher nun eine wichtige
Rolle für die intakte Funktion des menschlichen Gedächtnisses
zuschreiben.
«Dank unserer engen Zusammenarbeit mit Dr. Dietrich Stephan
vom Translational Genomics Research Institute (USA) waren wir in
der Lage, mehr als eine halbe Million Stellen des menschlichen
Genoms zu untersuchen. Diese hohe Auflösung ermöglicht es uns, neue
genetische Mechanismen des menschlichen Gedächtnisses zu entdecken,
wie im Fall von KIBRA», sagt Andreas Papassotiropoulos.
«Mit Hilfe funktioneller Bildgebung konnten wir zeigen, dass
das neu entdeckte Gen die Hirnaktivität in gedächtnisrelevanten
Regionen des Gehirns steuert. Nun planen wir Studien, um mehr über
dieses Gen und dessen Rolle in der Informationsspeicherung
herauszufinden. Zudem möchten wir in künftigen Studien weitere für
das menschliche Gedächtnis wichtige Gene identifizieren», sagt
Dominique de Quervain.
Die Forscher sind davon überzeugt, dass die Entdeckung neuer
genetischer Mechanismen unser Verständnis über die Funktion des
menschlichen Gedächtnisses substantiell verbessern wird und dass
damit neue Wege zur Behandlung von Gedächtnisstörungen eröffnet
werden könnten.



