Medienmitteilung vom 22.11.2006
MedienmitteilungEinem Peptid bei der Arbeit zugesehen
Forscher der Universität Zürich und der Universität Bochum konnten erstmals die äusserst schnelle Veränderung eines Peptids sichtbar machen. Mit einer neuen Methode, der sogenannten zweidimensionalen Infrarotspektroskopie, ist es ihnen gelungen, die Bewegungen von wenigen Pikosekunden zu beobachten. Die Forschungsarbeit von Prof. Peter Hamm und seinem Team erscheint am Donnerstag, 23. November 2006, in der neusten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift «Nature» (Vol. 444, issue 7118).
Proteine sind die Bausteine des Lebens. Meist weisen sie eine
wohldefinierte dreidimensionale Struktur auf, die jedoch alles
andere als statisch ist. Proteine ändern fortwährend ihre Struktur,
binden an andere Stoffe und transportieren diese zu ihrem
Bestimmungsort, oder sie steigern die Effizienz ganz bestimmter
chemischer Reaktionen. Proteine sind hochdynamische Objekte, die
ihre Arbeit als «molekulare Maschine» verrichten.
Gäbe es ein Mikroskop, mit dem man ein Protein sichtbar
machen könnte, so würde man feststellen, dass einzelne Atome oder
Molekülgruppen innerhalb des Proteins die «Zahnräder» der
molekularen Maschine sich auf einer unvorstellbar kurzen
Zeitskala von wenigen Pikosekunden (1012 s = 0.000 000 000 001 s)
bewegen. Licht, das die Strecke von der Erde zum Mond innerhalb
einer Sekunde zurücklegen kann, schafft es in dieser kurzen Zeit
von einer Pikosekunde gerade einmal 0,3 Millimeter weit; das
entspricht in etwa der Dicke von drei Blatt Papier. Man glaubt sehr
viel über diese schnelle Dynamik aus theoretischen Berechnungen zu
wissen; deren experimentelle Beobachtung und Verifizierung erweist
sich jedoch als extrem schwierig.
Prof. Peter Hamm vom Physikalisch-Chemischen Institut der
Universität Zürich ist es in einer Kollaboration mit der
Universität Bochum erstmals gelungen, die superschnelle Veränderung
eines kleinen Peptids einem Teil eines Proteins sichtbar zu
machen; sie «filmten» buchstäblich das Peptid, während es sich von
einer Struktur in eine andere umwandelte. Verwendung fand hierbei
nicht das oben erwähnte Mikroskop, sondern eine neuartige
spektroskopischen Methode, die so genannte zweidimensionale
Infrarotspektroskopie. Diese ermöglicht es zu bestimmen, ob zwei
molekulare Gruppen im Peptid zu einem bestimmten Zeitpunkt räumlich
benachbart sind oder nicht. Diese Technik eröffnet ein neues,
bisher unzugängliches Zeitfenster für die Beobachtung der
Strukturdynamik von Biomolekülen und erlaubt deshalb eine sehr
direkte experimentelle Verifizierung theoretischer Modelle.
