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Prof. Daniel Brandeis, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich
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Medienmitteilung vom 22.09.2006

Medienmitteilung

Forscher der Universität Zürich fahnden nach Ursachen der Leseschwäche

Mit dem Projekt NeuroDys hat die grösste europäische Zusammenarbeit zur Klärung der biologischen Grundlagen von Dyslexie begonnen. Dyslexie oder Legasthenie ist eine häufige, schwere Lese- und Rechtschreibschwäche mit starkem biologischem Anteil. Mindestens 5 Prozent der Schulkinder sind davon betroffen. In NeuroDys kooperieren 15 europäische Gruppen und Kliniken, darunter auch die Universität Zürich.

Die Universität Zürich konzentriert sich in diesem Projekt auf Bildgebung des Lesens mittels Magnetresonanz und Elektroenzephalografie (EEG). «Mit diesen Methoden können wir untersuchen, wo und wann im Gehirn Schrift und Wörter verarbeitet werden, und wie gut die beteiligten Gebiete im Gehirn ausgebildet und vernetzt sind», erklärt Prof. Daniel Brandeis vom Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich. Damit lässt sich auch erfassen, welche der zahlreichen Verarbeitungsschritte beim Lesen den Kindern mit Dyslexie besondere Probleme machen. Die entsprechende Forschung am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie hat schon begonnen. Noch suchen die Forschenden weitere Kinder mit und ohne Dyslexie.

Als Zürcher Besonderheit wird mittels Bildgebung auch die Entwicklung von Schulkindern untersucht, die schon kurz vor der Einschulung und gleich nach dem Lesenlernen an einer Verlaufsstudie teilgenommen hatten, sowie Kindergartenkinder, die an einer Trainingsstudie teilnehmen. «Damit werden einzigartige Aussagen zum individuellen Lesenlernen bei Kindern aus Familien mit und ohne Dyslexie möglich, was für Früherkennung und Frühförderung entscheidend ist», sagt Prof. Daniel Brandeis. Schliesslich nutzt man in Zürich auch Erfahrungen aus dem parallel laufenden Forschungsschwerpunkt zur Aufmerksamkeits- und Hyperaktivitätsstörung (ADHS), um spezifische Leseprobleme besser von Aufmerksamkeitsproblemen zu unterscheiden.

2,5 Millionen Schulkinder mit Dyslexie
NeuroDys verbindet die Spitzenforschung von 15 europäischen Gruppen und Kliniken. Damit deckt das Projekt die häufigsten Sprachen der 2,5 Millionen Schulkinder mit Dyslexie in Europa ab. Das Projekt bringt durch seine innovativen Ansätze Leseprobleme sowohl mit der Genetik, als auch mit der Umgebung, und mit der Struktur und Funktion des Gehirns in Beziehung. Fast 4000 Kinder werden im Rahmen dieser koordinierten Anstrengung untersucht; oft in enger Verbindung mit entsprechenden nationalen Projekten. Die EU fördert das Projekt mit insgesamt 3 Millionen Euro.

Die Schaffung der weltweit grössten biologischen Datenbank zur Dyslexie soll Europa in knapp drei Jahren an die Spitze der Dyslexieforschung bringen. Die Integration von Befunden zu Molekulargenetik, Umwelt, Gehirn und Verhalten ermöglicht ein vertieftes Verständnis von universellen und kulturspezifischen Aspekten der Schreib-Lese-Schwäche. Dies bildet auch die wissenschaftliche Basis für eine gezieltere und wirksamere Behandlung.