Medienmitteilung vom 21.12.2006
MedienmitteilungForscher der UZH entschlüsseln Signalübermittlung für Immunrezeptoren
Pflanzen besitzen ähnlich wie Säugetiere ein Immunsystem. Bei Pflanzen sind es zwei Typen von Rezeptoren, dank denen die Schaderreger entdeckt werden. Forscher aus Köln haben zusammen mit Teams der Universitäten Zürich und Jena jetzt entschlüsselt, wie ein spezieller Rezeptor die Immunabwehr auslöst. Die Resultate ihrer Studie werden am 21.12.2006 in «Science» publiziert.
Das Immunsystem von Pflanzen funktioniert ganz anders als
dasjenige von Säugetieren. Pflanzen weisen beispielsweise keinen
geschlossenen Kreislauf auf und spezialisierte Abwehrzellen fehlen.
Alle Zellen scheinen gleichermassen befähigt, potentielle
Schaderreger zu erkennen und zu bekämpfen. Die Erkennung von
solchen Pathogenen beruht dabei auf zwei Rezeptortypen, die durch
«fremde« Erregerbestandteile aktiviert werden. Einerseits gibt es
die so genannten PAMP-Rezeptoren, die in allen Mikroorganismen
vorkommende Moleküle erkennen können. Andererseits existieren die
NBS-LRR-Immunrezeptoren, die Virulenzfaktoren erkennen. Dies sind
Moleküle, die nur in Pathogenen vorkommen und die Pflanze im Sinne
des Pathogens beeinflussen, z.B. eine effiziente Immunabwehr
verhindern.
Einem Team aus drei Forschungsgruppen vom Max-Planck Institut
für Züchtungsforschung in Köln, der Universität Jena und der
Universität Zürich mit Prof. Beat Keller ist ein Durchbruch im
Verständnis der molekularen Wirkung eines NBS-LRR-Immunrezeptors in
Pflanzen gelungen. Dabei geht es um den MLA-Rezeptor aus Gerste,
der Resistenz gegen den Schadpilz Gerstenmehltau vermittelt. Sie
haben entdeckt, dass MLA nur im aktivierten Zustand direkt mit
einer bestimmten Gruppe von so genannten WRKY-Proteinen interagiert
und so vermutlich deren Funktion blockiert. Diese WRKY-Proteine
sind negative Regulatoren (Dämpfer) der durch die PAMP-Rezeptoren
aktivierten Immunantwort.
Durch die Entdeckung kann nun folgendes Modell entwickelt
werden: Bei einer Besiedlung von Gerste mit dem Mehltaupilz werden
zunächst PAMP-Rezeptoren aktiviert. Diese induzieren eine schwache
Immunantwort, da die WRKY-Proteine aktiv sind. Eine gedämpfte
Antwort ist in diesem Infektionsstadium für die Pflanze vernünftig,
da die PAMP-Rezeptoren Schadpilze nicht von harmlosen Pilzen
unterscheiden können. Im weiteren Verlauf der Infektion werden die
pilzlichen Virulenzfaktoren in die Pflanzenzelle eingeschleust und
durch MLA erkannt. Erst jetzt weiss die Pflanze mit Sicherheit,
dass sie von einem Pathogen angegriffen wird. Die WRKY-Regulatoren
werden nun durch MLA inaktiviert und somit die Immunantwort voll
entfacht.
Der neue Befund erklärt unter anderem, warum trotz
langjährigen, und sehr breit angelegten, genetischen Versuchen
keine eindeutigen Komponenten der Signalübermittlung für NBS-LRR
Immunrezeptoren gefunden werden konnten: die entdeckte Signalkette
hat im Gegensatz zu PAMP-Rezeptoren keine Zwischenglieder. Es
scheint, dass die erstaunlich kurze Signalübermittlung von
NBS-LRR-Immunrezeptoren darauf optimiert worden ist, Pathogenen und
deren Virulenzfaktoren möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten.
Ein besseres Verständnis der Resistenzantwort von Pflanzen
ist sowohl aus wirtschaftlicher wie auch wissenschaftlicher Seite
sehr bedeutend. Die neuen Erkenntnisse bilden die Grundlagen für
das molekulare Verständnis der pflanzlichen Abwehr gegen Pathogene.
Das angewandte Ziel dieser Forschungsrichtung besteht darin
Pflanzen zu züchten, die eine dauerhafte und breite Abwehr gegen
vielerlei Pathogenarten haben.
