Medienmitteilung vom 06.03.2006
MedienmitteilungGedächtnis-Gene: Was Menschen und Schnecken gemeinsam haben
Gene, die bei Schnecken einfache Formen von Gedächtnis steuern, spielen auch beim menschlichen Gedächtnis eine wichtige Rolle. Dies berichten zwei Wissenschaftler der Universität Zürich am Dienstag in der Online-Ausgabe der Zeitschrift «Proceedings of the National Academy of Science».
Jahrzehntelange Forschung an Meeresschnecken, Fliegen und Mäusen
hatte zur Entdeckung einer Vielzahl von gedächtnisrelevanten Genen
in diesen Organismen geführt. Bei der Schnecke beispielsweise
steuern diese Gene einfache Formen von Lernen und Gedächtnis.
Dominique de Quervain und Andreas Papassotiropoulos, beide
Professoren des Schweizerischen Nationalfonds an der Universität
Zürich, konnten nun nachweisen, dass ähnliche Gene auch beim
Menschen eine wichtige Rolle bei Gedächtnisprozessen spielen. Zudem
zeigten die Forscher, dass diese Gene die Hirnaktivität in solchen
Hirnregionen steuern, die wichtig für das Gedächtnis sind. Die
untersuchten Gene sind für die Herstellung von Signalmolekülen in
Nervenzellen verantwortlich. «Obwohl der Mensch dank seines weit
entwickelten Gehirns natürlich viel komplexere Gedächtnisfunktionen
als eine Schnecke hat, deuten unsere Befunde darauf hin, dass die
grundlegenden molekularen Mechanismen der Gedächtnisbildung sehr
ähnlich funktionieren», sagt Dominique de Quervain.
«Die modernen genetischen Verfahren haben es uns ermöglicht,
erstmals beim Menschen ein Netzwerk von Genen mit
gedächtnisrelevanten Funktionen zu beschreiben. Noch vor zehn
Jahren wäre diese Forschung nicht möglich gewesen», sagt Andreas
Papassotiropoulos.
Die beiden Forscher hoffen, dass ihre Befunde zu einem
besseren Verständnis der Funktionsweise des Gedächtnisses beim
Menschen beitragen und dass dadurch neue Wege zur Behandlung von
Gedächtnisstörungen ermöglicht werden.
