Medienmitteilung vom 14.12.2006
Hängt der Blutdruck mit dem Transport von Aminosäuren in der Niere zusammen?
Die Aktivierung des Hormons Angiotensin spielt eine zentrale Rolle in der Kontrolle des Blutdrucks. Hemmer des «angiotensin converting enzyme» (ACE Inhibitoren) sind sehr effektive Medikamente zur Behandlung des Bluthochdrucks. Überraschenderweise spielt ein neu entdecktes Protein, das mit einem ACE nahe verwandt ist, eine unerwartet andere Rolle. Das Protein Collectrin ist essentiell für die Rückgewinnung von Aminosäuren aus dem Urin in der Niere.
Wie in der neusten Ausgabe von «Nature» publiziert, schaltete
die Gruppe von Josef Penninger am Institut für Molekulare
Biotechnologie (IMBA) in Wien in Mäusen das Collectrin aus. Die
Laboratien von Prof. Carsten Wagner und Prof. François Verrey am
Physiologischen Institut der Universität Zürich haben diese Maus im
Rahmen der «Core facility for rodent Physiology» des Zürcher
Zentrums für Integrative Physiologie (ZIHP) im Detail untersucht.
Sie konnten feststellen, dass Mäuse ohne Collectrin fast alle
Aminosäuren komplett in den Urin verlieren. Weitere Experimente
konnten zeigen, dass Collectrin normalerweise die
Aminosäurentransporterproteine an die Zellmembran der
Nierenröhrchen begleitet und dort stabilisiert. Fehlt Collectrin,
werden die Aminosäurentransporterproteine zwar gebildet, aber in
den Zellen der Niere sofort wieder abgebaut.
Dieser Befund ist nicht nur aus zellbiologischer Sicht
spannend, sondern er beleuchtet eine völlig neue Verbindung
zwischen einerseits der Eiweissernährung und dem
Eiweissstoffwechsel und andererseits der Blutdruckregulierung.
Weitere Untersuchungen werden nun zeigen, inwiefern dieser
zellbiologische Zusammenhang funktionelle Konsequenzen hat
bezüglich Blutdruckregulierung und der Behandlung von
Blutdruckstörungen.
