Medienmitteilung vom 07.12.2006
MedienmitteilungImpfung gegen Vogelgrippe mit guten Resultaten
Die im Dezember 2005 durchgeführte Impfung gegen Vogelgrippe in den wissenschaftlich-geführten Zoos Basel, Bern, Goldau und Zürich scheint erfolgreich zu sein. Die meisten der 365 Vögel hatten die Impfung gut überstanden und ein Grossteil scheint zumindest teilweise geschützt. Die Impfung wurde im Rahmen eines Forschungsprojektes vom Bundesamt für Veterinärwesen bewilligt. Das Forschungsprojekt unter der Leitung der Abteilung für Zoo-, Heim- und Wildtiere sowie der Untersuchungsstelle für Geflügel und Kaninchenkrankheiten der Universität Zürich wird nun weitergeführt.
Nachdem die Vogelgrippe (H5N1) im Herbst 2005 in die
Schwarzmeerregion vorgedrungen war, beantragten die zoologischen
Gärten Basel, Bern, Goldau und Zürich beim Bundesamt für
Veterinärwesen eine Impfbewilligung für ihre Vögel. Die Impfung
gegen Vogelgrippe ist in der Schweiz grundsätzlich verboten aus
gutem Grund: Geimpfte Hühner werden bei einer Ansteckung zwar nicht
krank, können den Erreger aber unter Umständen dennoch weitergeben.
Weil der Geflügelhalter so eine Ansteckung nicht bemerken würde,
ist eine Impfung unter normalen Umständen riskant.
Die Situation der vier Zoos ist jedoch speziell: Viele ihrer
Vögel sind äusserst wertvoll und einige gehören gar zu bedrohten
Arten. Zudem kommen Zoovögel üblicherweise nicht mit Hausgeflügel
in Kontakt. Da die erhältlichen Impfstoffe bei exotischen
Vogelarten nicht geprüft sind, beantragten die Zoos die Impfung im
Rahmen einer Forschungsstudie, um die Schutzwirkung bei exotischen
Vögeln zu testen.
Nach Bewilligung des Projektes wurden Ende 2005 365 Vögel im
Abstand von 5 Wochen zweimal geimpft. Anhand von Blutproben nach 10
und 26 Wochen wurde die Schutzwirkung geprüft: Bei über 80 Prozent
der Vögel aus 11 verschiedenen Ordnungen wurden Abwehrstoffe
(Antikörper) in Mengen gemessen, die beim Huhn als schützend
gelten. Ob die geimpften Tiere bei einem Ausbruch tatsächlich
geschützt wären, kann jedoch nicht mit Bestimmtheit gesagt werden.
Die Menge der Abwehrstoffe nahm bei den Vögeln rasch ab und
sank etwa bei Humboltpinguinen und beim Europäischen Uhu nach 26
Wochen auf null. Dies zeigt, dass die Impfung auf jeden Fall
jährlich wiederholt werden muss.
Die Verträglichkeit der Impfung war gut. Bei keinem der Vögel
wurden nennenswerte negative Reaktionen festgestellt. Bei den über
1000 Impfungen und Blutentnahmen kam es lediglich zu drei
Zwischenfällen (zwei starben, einer entflog). Die Studie soll
diesen Winter weitergeführt werden. Von besonderem Interesse ist
die weitergehende Messung der Antikörperwerte nach 12 Monaten,
sowie die Datenerhebung bei zusätzlichen Vogelarten. Die Schweiz
steht mit der Impfung von Zoovögeln nicht alleine da: Mehrere
hundert Zoos in Europa haben ihre Tiere ebenfalls geimpft.
Folgende Institutionen haben das Projekt finanziell unterstützt:
Bundesamt für Veterinärwesen, Zoo Basel, Tierpark Dählhölzli
Bern, Tierpark Goldau, Zoo Zürich, Veterinaria AG,
Untersuchungsstelle für Geflügel- und Kaninchenkrankheiten
Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich, Abteilung für Zoo-, Heim-
und Wildtiere Vetsuisse-Fakultät Universität Zürich
