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Erdmännchen in einer Konfliktsituation

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Erdmännchen in einer Konfliktsituation (Bild: Andrew Young, University of Cambridge)

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(Bild: Andrew Young, University of Cambridge)

Kontakt

Prof. Marta Manser, Zoologisches Institut der Universität Zürich
Tel. 044 635 52 82
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Medienmitteilung vom 20.12.2006

Medienmitteilung

Innergeschlechtliche Konkurrenz und sexuelle Selektion bei Säugern

Bei den meisten Tierarten investieren die Männchen weniger in die Aufzucht der Nachkommen und konkurrieren aggressiver um Fortpflanzungspartner. Bei einigen Säugern wie den Erdmännchen oder Tüpfelhyänen hingegen konkurrieren die Weibchen stärker untereinander als die Männchen. Dieser Wettbewerb zwischen Weibchen um Fortpflanzungsmöglichkeiten wirkt auf die Evolution von Geschlechtsunterschieden und die sexuelle Selektion, wie die Studie eines Forschungsteams mit Prof. Marta Manser von der Universität Zürich zeigt. Die Resultate der Studie werden am 21.12.2006 in der neusten Ausgabe von «Nature» publiziert.

Sexuelle Selektion ist üblicherweise definiert als Selektion durch innergeschlechtliche Konkurrenz um Paarungspartner oder Paarungsmöglichkeiten. Bei den meisten Tierarten werden diejenigen Individuen eines Geschlechtes zur begrenzten Ressource als Paarungspartner, die am meisten elterliche Investitionen leisten. Häufig sind dies die Weibchen. Diejenigen Individuen, die weniger in ihre Nachkommen investieren, konkurrieren folglich stärker um den Zugang zum Fortpflanzungspartner und entwickeln oft auch ausgeprägte sekundäre Geschlechtsmerkmale. Bei einigen Säugerarten hingegen konkurrieren die Weibchen stärker untereinander als die Männchen – obwohl sich vorwiegend die Weibchen um die Jungen kümmern.

Innergeschlechtliche Konkurrenz zwischen Weibchen ist besonders bei Arten mit kooperativer Jungenaufzucht zu erwarten. Bei dieser Aufzucht monopolisiert ein einzelnes Weibchen in einer Gruppe die Fortpflanzung, und andere erwachsene Gruppenmitglieder helfen bei der Aufzucht mit. In ihrem in «Nature» publizierten Artikel präsentieren die Forscherinnen und Forscher der Universitäten Cambridge, Pretoria, Uppsala, Sheffield, Stellenbosch und Zürich Daten einer zwölfjährigen Studie an wildlebenden Erdmännchen (Suricata suricatta). Am Beispiel der kooperativen Erdmännchen zeigen sie einerseits, dass die Weibchen begrenzteren Fortpflanzungsmöglichkeiten ausgesetzt sind als die Männchen. Andererseits weisen die Forschenden auf die Folgen für die innergeschlechtliche Konkurrenz und die sexuelle Selektion hin. Wie Prof. Marta Manser erklärt, haben die Weibchen einen grösseren Nutzen vom Erlangen des höchsten sozialen Ranges in der Gruppe als Männchen. «Dominante Weibchen bringen nicht nur viel mehr Nachkommen als andere erwachsene Weibchen hervor, sie sind auch erfolgreicher.» Bei Männchen hingegen ist der Fortpflanzungserfolg viel weniger abhängig vom sozialen Rang. Dominante Weibchen entwickeln zudem eine Reihe von morphologischen und physiologischen Merkmalen sowie Verhaltensweisen, um andere Gruppenmitglieder zu kontrollieren. «Entsprechende Entwicklungen finden wir auch bei den kooperativen Nacktmullen, bei denen ein dominantes Weibchen Kolonien bis zu 300 Mitgliedern kontrolliert», sagt die Verhaltensbiologin Manser.

Innergeschlechtliche Konkurrenz auch bei nicht kooperativen Tieren
Eine starke innergeschlechtliche Konkurrenz um den Zugang zu spärlichen Ressourcen, kombiniert mit ausgeprägter Entwicklung der sekundären Geschlechtsmerkmale bei Weibchen, fanden die Forschenden auch bei nicht kooperativen Wirbeltieren. So sind die Weibchen der Tüpfelhyänen grösser und aggressiver als die Männchen. Sie konkurrieren zudem mehr um den sozialen Status, der den Zugang zu Ressourcen und die Überlebenschance ihrer Nachkommen beeinflusst. Die um Brutplätze kämpfenden Weibchen der Clownfische und Edel-Papageien wiederum sind grösser oder auffälliger gefärbt und aggressiver als die Männchen. «Im Gegensatz zu den Männchen konkurrieren die Weibchen um Ressourcen, die ihnen eine Jungenaufzucht ermöglichen, und nicht um Partner als Keimzellen-Lieferanten des anderen Geschlechtes», erläutert Prof. Manser.

Geschlechtsunterschiede bei den elterlichen Investitionen sind somit nicht allein ausschlaggebend für die Evolution von Geschlechtsunterschieden und den Vorgang der sexuellen Selektion. Ebenso wichtig sind die Folgen der vielen Formen der Konkurrenz um Fortpflanzungsmöglichkeiten zwischen Weibchen. In der geläufigen Definition von sexueller Selektion, reduziert auf die innergeschlechtliche Konkurrenz um Paarungspartner oder Paarungsmöglichkeiten, werden diese jedoch ausgeschlossen.