Medienmitteilung vom 06.06.2006
MedienmitteilungKurzfristige UMTS-Mobilfunkstrahlung stört Wohlbefinden nicht
Ein Schweizer Forschungskonsortium hat keinen negativen Einfluss der Strahlung einer UMTS-Mobilfunkbasisstation auf das Wohlbefinden und die kognitiven Fähigkeiten nachweisen können. Die Forschenden können damit die Befunde einer holländischen Studie aus dem Jahr 2003, die gesundheitliche Folgen der Mobilfunkstrahlung festgestellt hatte, nicht bestätigen. Die Schweizer Studie zu Auswirkungen von UMTS-Strahlung erscheint heute in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift «Environmental Health Perspectives».
Die Schweizer Studie untersuchte den Einfluss von
elektromagnetischer Strahlung vom Typ einer
UMTS-Mobilfunkbasisstation auf das Wohlbefinden und die kognitiven
Fähigkeiten (Aufmerksamkeit und Arbeitsgedächtnis). Es wurden 33
elektrosensible und 84 nicht-elektrosensible Personen im Alter
zwischen 20 und 60 Jahren untersucht. Um eine allfällige
Dosis-Wirkungs-Beziehung festzustellen, wurden Feldstärken von 1
V/m und 10 V/m gewählt, sowie eine Kontrollbedingung ohne
Strahlung. Weder die Versuchspersonen noch die Versuchsleitung
wussten, zu welchem Zeitpunkt eine Person einer Strahlung
ausgesetzt wurde. Wie die Schweizer Forscher herausfanden, führte
nach 45 Minuten und verglichen mit der Kontrollbedingung keine der
beiden Feldstärken zu einer Veränderung des Wohlbefindens. Auch
konnte kein konsistenter Einfluss auf die kognitiven Leistungen
nachgewiesen werden. Die Versuchspersonen waren zudem nicht in der
Lage, die UMTS-Strahlung wahrzunehmen.
«Unsere Ergebnisse können die Befunde einer holländischen
Studie aus dem Jahr 2003 nicht bestätigen», fasst Studienleiter
Peter Achermann von der Universität Zürich die Resultate zusammen,
die heute in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift «Environmental
Health Perspectives» vorgestellt werden
(/www.ehponline.org/docs/2006/8934/abstract.html). Die holländische
Studie hatte einen Zusammenhang zwischen der Exposition mit
UMTS-ähnlicher Strahlung und einer Verminderung des Wohlbefindens
sowohl bei elektrosensiblen als auch nicht-elektrosensiblen
Versuchspersonen gefunden, sowie einer Verbesserung der Leistungen
in einzelnen kognitiven Tests. Verschiedene Wissenschaftler und
Wissenschaftlerinnen bemängelten aber Schwächen im Studien-Design,
in der Methodik und in der Auswertung.
In der neuen Schweizer Studie, die von der Forschungsstiftung
Mobilkommunikation koordiniert und von PD Dr. Peter Achermann
(Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universität Zürich),
Prof. Niels Kuster (ITIS und ETH Zürich) und Dr. Martin Röösli
(Institut für Sozial- und Präventivmedizin, Universität Bern)
entworfen wurde, stand die Überprüfung dieser Resultate mit einer
verbesserten Methodik im Vordergrund. So
untersuchten die Schweizer Forscher beispielsweise 117
Personen, deutlich mehr als in der holländischen Studie (48
Personen), wodurch die statistische Aussagekraft der Resultate
erhöht wurde. Zusätzlich zur zweiten Feldbedingung wurde der
Expositionsaufbau verbessert und validierte Fragebögen zur Erhebung
des Wohlbefindens eingesetzt, deren Messgenauigkeit nachgewiesen
ist.
Die Forscher weisen aber darauf hin, dass die Resultate nur
eine Aussage über den Zusammenhang zwischen einer kurzfristigen
Exposition mit UMTS-Strahlung und der unmittelbaren
Beeinträchtigung des Wohlbefindens oder der kognitiven Fähigkeiten
zulassen. «Wir können keine Rückschlüsse auf andere kurzfristige
Effekte oder einen Zusammenhang zwischen einer langfristigen,
chronischen Bestrahlung durch UMTS-Basisstationen und einem
allfälligen Gesundheitsrisiko ziehen», betont Peter Achermann. Zur
abschliessenden Beurteilung dieser Frage müssen weitere, zurzeit
laufende oder anstehende Untersuchungen abgewartet werden. So wird
sich auch das neue nationale Forschungsprogramm «NFP 57
Nicht-ionisierende Strahlung und Umwelt» in den nächsten Jahren
umfassend mit der Thematik elektromagnetischer Felder und
Gesundheit befassen.
UMTS:
Universal Mobile Telecommunications System. Standard der 3.
Generation von
Mobilfunknetzen, die zusätzlich zu den konventionellen
Sprach-, Fax- und Datendiensten der 2. Generation (GSM),
Multimediadienste wie Internet oder Videotelefonie erlauben.
UMTS-Systeme arbeiten im 2 GHz-Frequenzband (1900 2200 MHz).
Schweizer Grenzwerte:
Zum Schutz der Bevölkerung vor Elektrosmog hat der Bundesrat
in der Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung
(NISV) international angewendete Grenzwerte als so genannte
Immissionsgrenzwerte übernommen. Für UMTS beträgt der
Immissionsgrenzwert 61 V/m. Dort, wo sich Menschen längere Zeit
aufhalten (z.B. in Wohnungen, Schulen, Spitälern, Büros, auf
Kinderspielplätzen u.a.) gelten die rund 10-mal strengeren
Anlagegrenzwerte (UMTS: 6 V/m).
Finanzierung:
An der Finanzierung der Studie (723000 Franken) beteiligten
sich die öffentliche Hand mit 60 Prozent und die Industrie mit 40
Prozent.
Öffentliche Hand:
Bundesamt für Gesundheit (BAG)
Bundesamt für Kommunikation (BAKOM)
Eidgenössische Kommunikationskommission (ComCom)
Bundesamt für Umwelt (BAFU)
Ministerium für Wirtschaft, NL (EZ)
Ministerium für Gesundheit, NL (VWS)
Ministerium für Planung, NL (VROM)
Ministerium für Soziales, NL (SZW)
Industrie:
Swisscom Mobile AG
Orange Communications SA
TDC Switzerland AG
Koordination:
Der Vertrag wurde zwischen den Forschenden und der
Forschungsstiftung Mobilkommunikation abgeschlossen, welche die
Mittel organisiert und koordiniert hat
(http://www.mobile-research.ethz.ch/).
