Medienmitteilung vom 27.03.2006
MedienmitteilungLaozi flankt, Konfuzius dribbelt
Der Ball ist rund diese Fussballweisheit gilt nach wie vor. Neu ist hingegen, dass bereits vor 2000 Jahren Fussball gespielt wurde. Prof. Helmut Brinker von der Universität Zürich beschreibt in seinem neusten Buch die Anfänge des Fussballs, der in China und nicht wie meist angenommen in England erfunden wurde.
Als Erfinder des Fussballs in China gilt Huangdi, der legendäre
Gelbe Kaiser. Er soll befohlen haben, den Magen eines getöteten
Widersachers auszustopfen und zu einem Fussball zu verarbeiten, den
man mit Füssen treten konnte. Wie Helmut Brinker, Professor für
Kunstgeschichte Ostasiens, in seinem Buch darlegt, war Fussball in
China schon früh ein echter Volkssport. Darstellungen aus der
Han-Zeit (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) und literarische Texte
bezeugen, dass es Arenen, Wettkämpfe, Mannschaften und auch Regeln
gab und die Begeisterung für diesen Sport unter den Herrschern und
dem Volk immer grösser wurde. «Fussball war von Anbeginn hoffähig
und einige Kaiser waren begeisterte Fans», sagt Brinker.
Im Alten China bestanden die Mannschaften aus je sechs
Spielern, die den Ball in Tore oder Torräume kickten. Im 9.
Jahrhundert entwickelte sich der Fussball im Reich der Mitte in
zwei Richtungen: Zum einen wurde Fussball wettkampfmässig als
Mannschaftssportart gespielt mit klaren Regeln, Toren, Eckpfosten
und ähnlichen Markierungen. Zum anderen traf man sich zum
Alternativ-Fussball, vergleichbar dem heutigen «hacky sack», bei
dem man den Ball jongliert. Beliebt war auch das Spiel auf ein
Fussballtor in der Mitte des Feldes, eine Mischung aus
Rugby-Malstangen und ZDF-Torwand. Die beiden Aussenpfosten waren
rund zehn Meter hoch und standen etwas über drei Meter weit
auseinander. Ein Tor erzielte, wer das kleine Loch im obersten
Drittel traf.
Auch Frauen und Mädchen vergnügten sich beim Fussballspiel,
wie literarische und bildliche Dokumente belegen, die der
Kunsthistoriker Brinker für sein Buch zusammengetragen hat. Eine
Darstellung beispielsweise zeigt Hofdamen, die sich unter einem
Pflaumenbaum im Palastgarten den Ball zuspielen.
Das Buch «Laozi flankt, Konfuzius dribbelt. China scheinbar
abseits: Vom Fussball und seiner heimlichen Wiege» von Helmut
Brinker erscheint im Verlag Peter Lang, Bern. (54 SFR)
Aus dem Inhalt:
- Mythische Anfänge des Fussballs in China und archäologische
Evidenz
- Fussballnotizen des Sima Qian (ca. 145-86 v.Chr.) im
Shijiund andere frühe Quellen
- Fussball zur Ertüchtigung des Militärs
- Erfindung des mit Luft gefüllten Balls um 700
- Fussballbegeisterung an den Kaiserhöfen
- Ligen und Vereine in der Song-Zeit (960-1279)
- Fussball als Freizeitvergnügen


