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Prof. Pierre-Alain Clavien
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Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie
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Medienmitteilung vom 14.03.2006

Medienmitteilung

Neue Entdeckung: Altbekanntes Medikament schützt transplantierte Leber

Dank dem Einsatz eines altbekannten Medikamentes sollte es in Zukunft möglich sein, bei einer Lebertransplantation kleinere Leberfragmente als bisher zu transplantieren. Dadurch minimiert sich bei Leberlebendspenden das Risiko für den Spender. Die entsprechende Studie eines Forschungsteams der Universität Zürich ist in der neuesten Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift PNAS publiziert worden.

Chronische Lebererkrankungen im Endstadium, wie zum Beispiel Hepatitis, Zirrhose oder Tumore, erfordern vielfach einen chirurgischen Eingriff, um das geschädigte Gewebe mittels einer Resektion zu entfernen. Bei besonders schweren Fällen oder bei ausbleibendem Erfolg einer Teilresektion der Leber, muss sogar eine Lebertransplantation in Betracht gezogen werden.

Angesichts des kontinuierlich steigenden Bedarfs an Spenderorganen hat in letzter Zeit die Leberlebendspende zunehmend an Bedeutung gewonnen. Die Regenerationsfähigkeit der Leber erlaubt es, zum Beispiel den rechten Leberlappen eines Spenders zu transplantieren, welcher sich innerhalb kurzer Zeit im Empfänger wieder zur vollen Grösse entwickelt. Aus chirurgischer Sicht wäre es jedoch wünschenswert, den linken Leberlappen zu transplantieren, da die Entnahme für den Spender ein geringeres Risiko darstellt. Die Grösse des linken Leberlappens unterschreitet jedoch das minimale Lebervolumen, welches für eine erfolgreiche Transplantation erforderlich ist. Ein zu kleines Lebertransplantat kann zu einem Organversagen führen, was auch als «small-for-size» Syndrom bezeichnet wird. Eine transplantierte Leber ist verschiedensten negativen Einflüssen ausgesetzt, wie zum Beispiel der unterbrochenen Blutzufuhr nach Organentnahme, der Erwärmungsphase und der Wiederaufnahme der Blutzirkulation nach der Implantation. Als Folge werden entzündliche Faktoren ausgeschüttet, welche die Lebergefässe schädigen – insbesondere auch der so genannte Tumor Nekrosis Faktor-alpha (TNF-alpha).

Der Mikrochirurge Dr. Yinghua Tian aus der Arbeitsgruppe von Prof. Pierre-Alain Clavien an der Universität Zürich hat sich dieser Thematik angenommen und untersuchte an einem Mausmodell die Bedeutung von TNF-alpha für die Entstehung des «small-for-size» Syndroms. Hierzu transplantierte er bei Mäusen eine marginale Leber (30%) und unterdrückte in der Empfängermaus gleichzeitig die TNF-alpha Signalkette. Während bei Mäusen ohne Unterdrückung der TNF-alpha Signalkette ein «small-for-size» Syndrom auftrat, war bei behandelten Mäusen eine deutlich verbesserte Organdurchblutung und eine Verringerung der entzündlichen Reaktionen feststellbar. Zudem wurde die Leberregenerationsfähigkeit wiederhergestellt. Die besten Resultate wurden durch die Gabe von Pentoxifyllin erzielt, ein altbekanntes Medikament, das zur Behandlung von Durchblutungsstörungen eingesetzt wird. Pentoxifyllin unterdrückte nicht nur die Produktion von TNF-alpha, sondern verbesserte auch die Mikrozirkulation und stimulierte die Produktion von Interleukin-6 und Interleukin-11. Diesen beiden Botenstoffen wird eine wachstumsfördernde und entzündungshemmende Wirkung attestiert.

Diese Beobachtungen sind bedeutungsvoll für die Leberchirurgie, insbesondere für die Leberlebendspende. Durch solche oder ähnliche pharmakologische Strategien sollte es in Zukunft möglich sein, kleinere Leberfragmente als bisher zu transplantieren, wodurch sich das Risiko für den Spender minimiert. Auch wird sich bei Todspenden durch Transplantation von geteilten Lebern die Zahl der Empfänger pro Organspende erhöhen, was dringend erforderlich ist angesichts der wachsenden Zahl von Patienten auf der Warteliste für eine Lebertransplantation.

Yinghua TIAN et al: Kupffer cell-dependent TNF-alpha signaling mediates injury in the arterialized small-for-size liver transplantation in the mouse

PNAS published March 13, 2006, open access article (Medical Sciences)