Medienmitteilung vom 28.03.2006
MedienmitteilungNeue Perspektiven in der Schlaganfalltherapie
Forscher der Universität Zürich haben herausgefunden, weshalb die meisten Medikamente bei Schlaganfällen nicht wirken. Wie sie in der Online-Ausgabe der Zeitschrift «Nature Neuroscience» berichten, entfernt ein Transporter-Eiweiss die verabreichten Neuroprotektiva aus dem Gehirn.
Der Schlaganfall ist eine weit verbreitete Volkserkrankung. In
der Schweiz sind davon jährlich mehr als 12'000 Menschen betroffen.
Wie ein Blitz aus heiterem Himmel trifft der Schlaganfall einen
Menschen unerwartet. Mit dramatischen Folgen: Rund 20-30 Prozent
der Betroffenen verstirbt. Jenen, die überleben, steht oft eine
lange Zeit schwerwiegender Invalidität bevor.
Ursache des Schlaganfalls ist meist eine plötzliche
Durchblutungsstörung des Gehirns. Diese entsteht, wenn ein
Blutgerinnsel eines der Gefässe verschliesst, die das Gehirn mit
Blut versorgen. Als Folge erhalten die Nervenzellen zu wenig
Sauerstoff und Nährstoffe. Sie werden dadurch oft dauerhaft
geschädigt.
In den vergangenen 15 Jahren haben Wissenschaftler vergeblich
versucht, die minderdurchbluteten Nervenzellen durch
überlebensfördernde Medikamente (sog. Neuroprotektiva) zu schützen.
Leider verliefen alle bislang durchgeführten klinischen Studien mit
den bisher eingesetzten Substanzen erfolglos.
Medikamente wegtransportiert
Die Arbeitsgruppe des Neurologen Dirk M. Hermann von der
Universität Zürich hat nun in einer Arbeit, die in der Zeitschrift
«Nature Neuroscience» erscheint, nachgewiesen, dass verabreichte
überlebensfördernde Medikamente in hohem Masse aktiv aus der
geschädigten Hirnregion zurück in die Blutbahn transportiert
werden.
Die Forscher der Neurologischen Poliklinik (Leiter: Prof. C.
Bassetti) konnten im Tierversuch nachweisen, dass das
Transporter-Eiweiss Mdr-1 innerhalb weniger Stunden nach einem
Schlaganfall im minderdurchbluteten Hirngewebe verstärkt gebildet
wird. Mdr-1 ist in der Lage, die verabreichten Medikamente aktiv in
die Blutbahn zurückzutransportieren, und verhindert damit, dass
sich diese im geschädigten Hirngewebe anreichern. Indem die
Wissenschaftler das Transporter-Eiweiss Mdr-1 hemmten, konnten sie
die Konzentration verschiedener überlebensfördernder Substanzen bis
zum Zehnfachen steigern, was die Wirksamkeit der Medikamente
deutlich verbessert.
Aufgrund ihrer Beobachtungen sind die Wissenschaftler der
Universität Zürich überzeugt, dass Mdr-1 mit dafür verantwortlich
ist, dass zahlreiche Neuroprotektiva in der Schlaganfalltherapie
versagt haben. Dies eröffnet wichtige neue Perspektiven für die
Schlaganfalltherapie.
Inzwischen verfügt die Pharmaindustrie über nebenwirkungsarme
Medikamente, die Mdr-1 sehr selektiv hemmen. Diese Medikamente
befinden sich bereits in der klinischen Entwicklungsphase. Durch
ihren Einsatz in der Schlaganfalltherapie sollte es gelingen,
neuroprotektive Medikamente deutlich effizienter als bisher in das
Hirngewebe einzuschleusen und die Erholung des minderdurchbluteten
Gewebes dauerhaft sicherzustellen.
