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«An den Grenzen des Wissens»
Prof. Dr. Peter Walde
Departement Materialwissenschaft
ETH Zürich
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Dr. Franta Kraus
Institut für Automatik
ETH Zürich
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«Zeichen und Sprachen in den Wissenschaften»
Prof. Dr. Peter Schulthess
Philosophisches Seminar
Universität Zürich
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«Spurensuche – Spurenlese»
PD Dr. Kurt Schärer
Häldelistr.10
8712 Stäfa
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Medienmitteilung vom 20.10.2006

Medienmitteilung

Öffentliche Ringvorlesungen der Universität Zürich und der ETH Zürich

Auch im Wintersemester 2006/07 veranstalten die Universität Zürich und die ETH Zürich gemeinsame öffentliche Ringvorlesungen. Die Kommission für Interdisziplinäre Veranstaltungen (KIV) bietet diesmal eine Vorlesungsreihe zum Thema «An den Grenzen des Wissens» an. Das Wissenschaftshistorische Kolloquium setzt den Akzent auf das Thema «Zeichen und Sprachen in den Wissenschaften», und die Privatdozierenden präsentieren eine vielfältige Auswahl zum Thema «Spurensuche – Spurenlese».

«An den Grenzen des Wissens»

Die Vortragsreihe beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten der Frage nach den Grenzen des Wissens. An konkreten Beispielen wird einerseits aufgezeigt, was wir heute auf einem bestimmten Gebiet wissen und in welche Richtung die Forschung weiter vorstossen wird. Andererseits wird der Frage nachgegangen, ob unserem Wissen natürliche Schranken gesetzt sind: Gibt es Grenzen, die scheinbar unüberwindbar sind? Können gewisse Grenzen nicht überschritten werden, weil unsere Vorstellungen, welche auf Erfahrungen aus einer vierdimensionalen Raum-Zeit-Welt basieren, unzureichend sind?

Die Veranstaltungsreihe findet im Wintersemester 2006/07 jeweils donnerstags von 18.15 bis 20.00 Uhr im Hauptgebäude der Universität Zürich im Hörsaal F-180 (Eingang Karl Schmid-Str. 4) statt; der Eintritt ist frei.

«Zeichen und Sprachen in den Wissenschaften»

Wissenschaft artikuliert sich in Sprache und ist damit ein deduktiv geordnetes System von Sätzen. – Zwingt uns diese Erkenntnis zum Schluss, dass Wissenschaft immer relativ zu Sprache ist? Und welche Bedeutung kommt dabei der Sprache für die Wissenschaft zu?
Wissenschaft möchte objektiv sein, d.h. unabhängig vom Subjekt, ja von Subjekten überhaupt und damit auch unabhängig von Gesellschaften, Kulturen und natürlich auch von Sprachen. Deshalb schafft und schuf man Verkehrssprachen, insbesondere auch Wissenschaftssprachen, wie die arabische, lateinische oder gegenwärtig die englische Sprache. Als besonders einleuchtendes Beispiel gilt dasjenige der Mathematiker, die sich in aller Welt mit ihrer Sprache verständigen können. Sie brauchen dazu lediglich Papier und ihre Zeichen(systeme). Auch sie gebrauchen Sprache, eben Kunstsprache.
Die Konstruktion solcher Wissenschafts- oder Kunstsprachen enthält konventionale Elemente wie die Definition der Zeichen und den syntaktisch-semantischen Aufbau. Diese Tatsache führt zu einer Reihe von Fragen: Führen Wissenschafts- oder Kunstsprachen gegenüber der wissenschaftlich zu erkennenden oder beschreibenden Sache ein willkürliches und damit verfälschendes Moment ein? Prägen also Sprache und ihre Zeichen auf diese Weise immer Wissenschaft? Ist es ein Ausweg aus dieser Schwierigkeit, wenn Wissenschaft sich auf reine Beobachtung abstützt, oder, wie es im sogenannten Iconic turn geschieht, die zu erforschenden Sachen in Bildern präsentieren will? Ist nicht auch Beobachtung von Sprache durchsetzt? Und sind nicht auch Bilder Zeichen?
Die sieben Vorträge des Wissenschaftshistorischen Kolloquiums diskutieren in historischer und gegenwärtiger Perspektive die Problematik der Sprache der Wissenschaft in erkenntnis- bzw. wissenschaftstheoretischer wie auch in politischer Hinsicht, etwa im Vortrag von Prof. Altermatt mit dem Titel: Englisch - «lingua franca» in der Wissenschaft?

Die Veranstaltungsreihe findet im Wintersemester 2006/07 jeweils mittwochs von 17.15 bis 19.00 Uhr im Hauptgebäude der Universität Zürich im Hörsaal F-101 (Eingang Rämistrasse 71) statt; der Eintritt ist frei.

«Spurensuche – Spurenlese»

Unsere Welten, die materielle wie die geistige, sind von Spuren durchzogen. Diese zeugen von Naturereignissen jeglicher Art und jeglichen Ausmasses, aber auch von Lebewesen jeder Art und jeder Grösse. Und wo der Mensch aktiv wird, aufbauend oder zerstörend, vervielfachen sich die Spuren: in der Aussenwelt, im Atelier, im Büro und im Labor, in der Erinnerung und im Seelenleben der Nächsten, aber auch im Reagenzglas und im mikroskopischen Bereich der Teilchenphysik. Überall in und um uns finden sich Spuren von Vorgängen, Tätigkeiten, Erlebnissen und Erfahrungen, Krankheit und Unfällen, Glück und Elend. Und es ist zumindest beunruhigend, ja geradezu widernatürlich, wenn ein Ereignis keine Spuren hinterlässt oder wenn Dinge und Menschen spurlos verschwinden.

Ob sichtbar oder im Unterbewussten vergraben, ob bloss erahnt oder klar erfasst, bilden Spuren ein Gegenwärtiges, das von etwas Vergangenem zeugt und zugleich auf etwas Zukünftiges verweisen kann. Sie werden jedoch erst bedeutsam, wenn jemand sie beachtet, liest und interpretiert. Und das ist eine der wesentlichen Tätigkeiten des Menschen. Was er auch anstrebt, sucht, unternimmt, wissen will, er kommt nicht darum herum, Spuren zu deuten, sie zu verfolgen. Und sollte er sie verloren haben, wird er alles daran setzen, sie wieder aufzunehmen.

Medizin in erster Linie und Psychiatrie, aber auch Ethnologie, Kunst- und Literaturwissenschaft, Philosophie der Sprache und der Wissenschaften, Politologie als Entwicklungshilfe: Vertreter der verschiedensten Disziplinen suchen nach Spuren, lesen Spuren und erörtern deren Wesen, Funktion und Bedeutung.

Die Veranstaltungsreihe findet im WS 06/07 an der Universität Zürich, jeweils mittwochs von 18.15 bis 19.30 Uhr im Hörsaal F-104 statt; der Eintritt ist frei.