Medienmitteilung vom 20.10.2006
MedienmitteilungÖffentliche Ringvorlesungen der Universität Zürich und der ETH Zürich
Auch im Wintersemester 2006/07 veranstalten die Universität Zürich und die ETH Zürich gemeinsame öffentliche Ringvorlesungen. Die Kommission für Interdisziplinäre Veranstaltungen (KIV) bietet diesmal eine Vorlesungsreihe zum Thema «An den Grenzen des Wissens» an. Das Wissenschaftshistorische Kolloquium setzt den Akzent auf das Thema «Zeichen und Sprachen in den Wissenschaften», und die Privatdozierenden präsentieren eine vielfältige Auswahl zum Thema «Spurensuche Spurenlese».
«An den Grenzen des Wissens»
Die Vortragsreihe beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten
der Frage nach den Grenzen des Wissens. An konkreten Beispielen
wird einerseits aufgezeigt, was wir heute auf einem bestimmten
Gebiet wissen und in welche Richtung die Forschung weiter
vorstossen wird. Andererseits wird der Frage nachgegangen, ob
unserem Wissen natürliche Schranken gesetzt sind: Gibt es Grenzen,
die scheinbar unüberwindbar sind? Können gewisse Grenzen nicht
überschritten werden, weil unsere Vorstellungen, welche auf
Erfahrungen aus einer vierdimensionalen Raum-Zeit-Welt basieren,
unzureichend sind?
Die Veranstaltungsreihe findet im Wintersemester 2006/07
jeweils donnerstags von 18.15 bis 20.00 Uhr im Hauptgebäude der
Universität Zürich im Hörsaal F-180 (Eingang Karl Schmid-Str. 4)
statt; der Eintritt ist frei.
«Zeichen und Sprachen in den Wissenschaften»
Wissenschaft artikuliert sich in Sprache und ist damit ein
deduktiv geordnetes System von Sätzen. Zwingt uns diese
Erkenntnis zum Schluss, dass Wissenschaft immer relativ zu Sprache
ist? Und welche Bedeutung kommt dabei der Sprache für die
Wissenschaft zu?
Wissenschaft möchte objektiv sein, d.h. unabhängig vom
Subjekt, ja von Subjekten überhaupt und damit auch unabhängig von
Gesellschaften, Kulturen und natürlich auch von Sprachen. Deshalb
schafft und schuf man Verkehrssprachen, insbesondere auch
Wissenschaftssprachen, wie die arabische, lateinische oder
gegenwärtig die englische Sprache. Als besonders einleuchtendes
Beispiel gilt dasjenige der Mathematiker, die sich in aller Welt
mit ihrer Sprache verständigen können. Sie brauchen dazu lediglich
Papier und ihre Zeichen(systeme). Auch sie gebrauchen Sprache, eben
Kunstsprache.
Die Konstruktion solcher Wissenschafts- oder Kunstsprachen
enthält konventionale Elemente wie die Definition der Zeichen und
den syntaktisch-semantischen Aufbau. Diese Tatsache führt zu einer
Reihe von Fragen: Führen Wissenschafts- oder Kunstsprachen
gegenüber der wissenschaftlich zu erkennenden oder beschreibenden
Sache ein willkürliches und damit verfälschendes Moment ein? Prägen
also Sprache und ihre Zeichen auf diese Weise immer Wissenschaft?
Ist es ein Ausweg aus dieser Schwierigkeit, wenn Wissenschaft sich
auf reine Beobachtung abstützt, oder, wie es im sogenannten Iconic
turn geschieht, die zu erforschenden Sachen in Bildern präsentieren
will? Ist nicht auch Beobachtung von Sprache durchsetzt? Und sind
nicht auch Bilder Zeichen?
Die sieben Vorträge des Wissenschaftshistorischen Kolloquiums
diskutieren in historischer und gegenwärtiger Perspektive die
Problematik der Sprache der Wissenschaft in erkenntnis- bzw.
wissenschaftstheoretischer wie auch in politischer Hinsicht, etwa
im Vortrag von Prof. Altermatt mit dem Titel: Englisch - «lingua
franca» in der Wissenschaft?
Die Veranstaltungsreihe findet im Wintersemester 2006/07
jeweils mittwochs von 17.15 bis 19.00 Uhr im Hauptgebäude der
Universität Zürich im Hörsaal F-101 (Eingang Rämistrasse 71) statt;
der Eintritt ist frei.
«Spurensuche Spurenlese»
Unsere Welten, die materielle wie die geistige, sind von
Spuren durchzogen. Diese zeugen von Naturereignissen jeglicher Art
und jeglichen Ausmasses, aber auch von Lebewesen jeder Art und
jeder Grösse. Und wo der Mensch aktiv wird, aufbauend oder
zerstörend, vervielfachen sich die Spuren: in der Aussenwelt, im
Atelier, im Büro und im Labor, in der Erinnerung und im Seelenleben
der Nächsten, aber auch im Reagenzglas und im mikroskopischen
Bereich der Teilchenphysik. Überall in und um uns finden sich
Spuren von Vorgängen, Tätigkeiten, Erlebnissen und Erfahrungen,
Krankheit und Unfällen, Glück und Elend. Und es ist zumindest
beunruhigend, ja geradezu widernatürlich, wenn ein Ereignis keine
Spuren hinterlässt oder wenn Dinge und Menschen spurlos
verschwinden.
Ob sichtbar oder im Unterbewussten vergraben, ob bloss erahnt
oder klar erfasst, bilden Spuren ein Gegenwärtiges, das von etwas
Vergangenem zeugt und zugleich auf etwas Zukünftiges verweisen
kann. Sie werden jedoch erst bedeutsam, wenn jemand sie beachtet,
liest und interpretiert. Und das ist eine der wesentlichen
Tätigkeiten des Menschen. Was er auch anstrebt, sucht, unternimmt,
wissen will, er kommt nicht darum herum, Spuren zu deuten, sie zu
verfolgen. Und sollte er sie verloren haben, wird er alles daran
setzen, sie wieder aufzunehmen.
Medizin in erster Linie und Psychiatrie, aber auch
Ethnologie, Kunst- und Literaturwissenschaft, Philosophie der
Sprache und der Wissenschaften, Politologie als Entwicklungshilfe:
Vertreter der verschiedensten Disziplinen suchen nach Spuren, lesen
Spuren und erörtern deren Wesen, Funktion und Bedeutung.
Die Veranstaltungsreihe findet im WS 06/07 an der Universität
Zürich, jeweils mittwochs von 18.15 bis 19.30 Uhr im Hörsaal F-104
statt; der Eintritt ist frei.
