Medienmitteilung vom 11.09.2006
MedienmitteilungPflanzen entgiften den Boden und stoppen die Wüstenausbreitung
Enrico Martinoia, Mitglied des Nationalen Forschungsschwerpunkts (NCCR) «Überlebenserfolg von Pflanzen» und Professor für Pflanzenbiologie der Universität Zürich, engagiert sich in einem südkoreanischen Projekt zur Entgiftung des Bodens. Sein Ziel? Über die Identifizierung der verantwortlichen Gene möchte er die Fähigkeit bestimmter Pflanzen steigern, auf verschmutzten Böden zu überleben und Schadstoffe aus kontaminierten Böden einzulagern.
Fast überall auf unserem Planeten belasten Schadstoffe
unterschiedlichen Ursprungs (industrielle Abfälle, Dünger,
Pestizide) die Böden. In der Landwirtschaft sind besonders die
Schwermetalle Blei, Cadmium und Arsen problematisch, da sie giftig
sind und sich auch in den geernteten Produkten ansammeln können.
Vor rund fünfzehn Jahren entstand die Idee, speziell ausgewählte
Pflanzen anzubauen, die Schwermetalle speichern können.
Diese Strategie wird als Phytoremediation bezeichnet. Sie hat
den Vorteil, dass sie sehr kostengünstig und umweltschonend ist.
Allerdings führt die Suche nach den für die Akkumulation
erforderlichen Eigenschaften weit in die Komplexität genetischer
Vorgänge. Deshalb stellen bereits Pflanzen, die einfach nur
resistent gegen Schwermetalle sind, für die Forschung einen schönen
Erfolg dar. Solche Pflanzen könnten auch dazu eingesetzt werden,
die Ausbreitung der Wüste bei stark belasteten Böden wie zum
Beispiel in China zu bremsen.
Korea finanziert Projekt
Enrico Martinoia arbeitet seit mehreren Jahren an diesem
Thema, zusammen mit Youngsook Lee, Professorin an der Pohang
University of Science and Technology (POSTECH) in Südkorea. Aus
diesem Grund nahm er mit Begeisterung ein neues Angebot der
koreanischen Wissenschaftlerin für eine Zusammenarbeit an. Die
Regierung in Seoul wird für die Finanzierung des gemeinsamen
Projekts aufkommen, das neun Jahre dauern soll.
Enrico Martinoia hat sich mit seiner Gruppe auf das Studium
des Transports von Schadstoffen auf der Ebene der Pflanzenzelle
sowie auf die Toleranz von Pflanzen gegenüber Schwermetallen und
Wassermangel spezialisiert. Insbesondere im Rahmen des NFS
«Überlebenserfolg von Pflanzen» konnte er sich dadurch ein breites
Wissen zu den so genannten ABC-Transportern aneignen. Dabei handelt
es sich um Proteine, die für den Transport ganz unterschiedlicher
Substanzen in die Zelle und innerhalb der Zelle verantwortlich
sind. Ziel des Projekts ist es nun, den spezifisch für den
Transport von Schwermetallen verantwortlichen Genen auf die Spur zu
kommen.
Bessere Luft dank speziellen Pflanzen
Zu Beginn des Projekts konzentrieren sich die Forscher auf
die Ackerschmalwand «Arabidopsis thaliana». Da das gesamte Erbgut
dieser Modellpflanze bereits entschlüsselt ist, gestaltet sich die
Suche nach den betroffenen Genen einfacher. Später sollen transgene
Pflanzen entwickelt werden, welche die Schwermetalle über die
Wurzeln in die Stängel und Blätter transportieren und dort
einlagern. Mit derselben genetischen Methode wollen die Forschenden
auch Pflanzen untersuchen, die gegenüber einem Wassermangel oder
salzreichen Böden tolerant sind. Wenn solche Pflanzen in den
Wüstenregionen Chinas oder der Mongolei angepflanzt würden, könnten
sie in Korea, wo sich im Frühling jeweils die Sandstürme aus diesen
Gebieten bemerkbar machen, zu einer reineren Luft beitragen.
Wenn die verantwortlichen Gene bei Arabidopsis klar
identifiziert sind, können die entsprechenden DNA-Abschnitte mit
gentechnologischen Methoden ins Erbgut der Pappel übertragen
werden. Die Wahl fiel auf diesen Baum, weil er eine bedeutende
Biomasse aufweist und schnell wächst, zwei entscheidende Merkmale
für eine effiziente Phytoremediation. Die ersten Versuche mit
gegenüber Schwermetallen toleranten Pappeln sollen 2008 in China
stattfinden. Die Pappeln werden anschliessend gefällt und
verbrannt, wobei die Schwermetalle in der Asche zurückbleiben. Auf
diese Weise lassen sich die Schadstoffe einfacher sammeln.
Ohne Bedenken
Da die transgenen Pflanzen nicht für den Verzehr durch Mensch
oder Tier vorgesehen sind, fallen gesundheitliche Bedenken weg.
Auch im Hinblick auf die Umwelt ist nichts zu befürchten: Es kommen
nur Pappelsorten zum Einsatz, die keine Blüten bilden. Dadurch
lässt sich die Kreuzbestäubung nahe verwandter Arten ausschliessen.
Die transgenen Bäume werden durch Stecklinge vermehrt. Wenn diese
Arbeit gelingt, wäre dies ein bedeutender Schritt hin zur
naturnahen und ökonomischen Reinigung von verunreinigten Böden.
