Medienmitteilung vom 15.03.2006
MedienmitteilungSelten und wunderschön: Blühende australische Speerblume im Botanischen Garten
1967 blühte sie das vorletzte, 2001 das letzte Mal. Die im Botanischen Garten der Universität Zürich gehaltene australische Speerblume entfaltet damit erst zum dritten Mal ihre reiche Blütenpracht und dies in neuem Ausmass: Blühte bisher jeweils nur ein Blütenschaft, sind es heuer deren zwei. Während den nächsten rund sechs Wochen wird die Pflanze die im Übrigen Waldbrände überlebt mit ihren wunderschönen, scharlachroten Blüten zu bestaunen sein.
Die Speerblume wächst äusserst langsam, und ihre Kultivierung
verlangt entsprechende Geduld. Im Botanischen Garten der
Universität Zürich wird diese Geduld nun belohnt: Die Pflanze, die
während des Sommers als Kübelpflanze im Freien gehalten wird, steht
nun an ihrem Winterplatz im Savannenhaus in seltener Pracht aus
grossen scharlachroten Blüten mit attraktiven Staubfäden und blauem
Pollen. Diese Pracht ist auch in ihrer australischen Heimat nicht
im Übermass anzutreffen, allein schon, weil die Entwicklung zur
blühfähigen Pflanze rund zehn Jahre dauert optimale Verhältnisse
vorausgesetzt.
Die Speerblume, im Volksmund auch «Gymea Spear Lily» oder
«Queensland Mountain Lily» genannt, heisst mit botanischem Namen
Doryanthes palmeriund stammt aus dem ostaustralischen
Queensland und nördlichen New South Wales. Sie gedeiht in
Küstennähe, selten weiter als 100 Kilometer von der Küste entfernt,
auf felsigem Areal, in «Humusnestern» im sehr lichten Wald oder im
Schatten von Einzelgehölzen. Die Pflanze ist im Allgemeinen sehr
langlebig und widersteht sogar Waldbränden: So wurden im November
1981 in einem noch «verkohlten» Nationalpark südlich von Sydney
blühende Speerblumen (
Doryanthes excelsa) beobachtet.
Botanische Fakten
Doryanthaceae; nur eine Gattung mit zwei Arten (
Doryanthes palmeriund
Doryanthes excelsa) in Australien (früher bei den
Agavaeceen eingeteilt als einzige Vertreter der Agavaceae
Australiens).
Die lederigen, bis fast zwei Meter langen Blätter, bilden
eine dichte Rosette, die auf einem kompakten Wurzelstock sitzt. Die
Basis der Blätter ist massiv stärkehaltig. In jeder Blattachsel
wachsen vegetative Knospen. Nach dem Blühen wachsen die unteren
Knospen in Kindel («Brutpflanzen») und blühen bei optimalen
Verhältnissen nach ca. 10 Jahren wieder. Im zeitigen Frühjahr,
speziell nach Waldbränden, blühen die Speerblumen in Australien
übermässig reich. Bei
Doryanthes palmerisind die viel Nektar produzierenden (bis
10 ml pro Tag), scharlachroten Blüten als Traube dem Blütenschaft
entlang angeordnet, welcher sich seitlich neigt. Die Blüten der
zweiten Doryanthes-Art, der
Doryanthes excelsa, bilden eine Scheindolde. Der
Blütenschaft bleibt auch zur Blütezeit aufrecht. Beide Arten werden
vornehmlich von Nektar fressenden Vögeln bestäubt, aber auch Bienen
und Fliegen besuchen die attraktiven Blüten.
Ethnobotanische Fakten
Die schwertartigen Blätter enthalten sehr starke Längsfasern,
welche gemäss Überlieferung von den Aborigines genutzt worden
seien, allerdings gibt es hierzu weder eine Darstellung noch eine
Berichterstattung. Fest steht hingegen, dass die jungen
Blütenschäfte der
Doryanthes excelsageröstet und gegessen wurden und dass
man aus den Wurzeln eine Art Teig machte, der als «kalter Kuchen»
gegessen wurde.
Botanischer Garten der Universität Zürich
Zollikerstrasse 107
8008 Zürich
Telefon: 044 634 84 61
Öffnungszeiten März bis September:
Garten
Montag bis Freitag: 7.00 - 19.00 Uhr
Samstag und Sonntag: 8.00 - 18.00 Uhr
Schauhäuser
Montag bis Freitag: 9.30 - 16.00 Uhr
Samstag und Sonntag sowie allgemeine Feiertage: 9.30 - 17.00
Uhr
Eintritt: frei




