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PD Rudolf Stohler, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
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Medienmitteilung vom 02.06.2006

Medienmitteilung

Studie belegt Erfolg der liberalen Schweizer Drogenpolitik

Seit der Einführung der «Vier-Säulen-Politik» 1991 nahm die Anzahl der Einsteiger in den regelmässigen Heroingebrauch stark ab. Ein grosser Teil der Heroinabhängigen konnte rasch in Methadonbehandlungen eingeschlossen werden, jedoch fanden nur wenige den langfristigen Ausstieg. Dies ist das Fazit der Studie der beiden Forscher Carlos Nordt und Rudolf Stohler von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, die jetzt in der Wissenschaftszeitschrift Lancet erscheint.

Die Einführung der liberalen Drogenpolitik in der Schweiz im Jahre 1991 war Gegenstand heftiger politischer Debatten. Insbesondere die Bereiche «medizinische Versorgung» (Methadonabgabe) und «Schadensminderung» der «Vier-Säulen-Politik» waren umstritten. Die Gegner argumentiernten, dass dies zu einer Verharmlosung des Heroingebrauchs führen würde, was eine Zunahme von Neueinsteigern und längere Abhängigkeitskarrieren zur Folge hätte.

Ob dieses befürchtete Szenario nun eingetroffen ist, untersuchten Carlos Nordt und Rudolf Stohler von der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich anhand des seit 1991 geführten Registers aller Methadonbehandlungen im Kanton Zürich in einer Studie, die in der aktuellen Ausgabe der rennommierten Medizinzeitschrift The Lancet (367, S. 1830-1834) erscheint.

Sie fanden, dass die Anzahl der Neueinsteiger in die Heroinabhängigkeit (Inzidenz), die ab 1975 mit rund 80 Personen stark anstieg und 1990 mit etwa 850 Personen den Höhepunkt erreichte, mit der Einführung der «Vier-Säulen-Politik» stark abnahm. Die Forscher schätzen, dass im Jahre 2002 noch etwa 150 Personen mit einem problematischen Heroinkonsum begannen. Auf den Erfolg der «Vier-Säulen-Politik» verweist auch der Ländervergleich: 1990 war die Inzidenz im Kanton Zürich ähnlich hoch wie in Italien und Australien, nahm dann aber – im Unterschied zur Situation in diesen Ländern – sehr stark ab (Faktor 4 innerhalb von 10 Jahren).

Zudem konnten im Kanton Zürich Heroinabhängige schneller in Substitutionsbehandlungen aufgenommen werden als etwa in Italien oder England: Nur zwei Jahre vergingen, bis die Hälfte der Heroinabhängigen in eine erste Methadonbehandlung eintrat. Da der Ausstieg nur wenigen gelang, sank die Gesamtanzahl aller Heroinabhängiger (Prävalenz) im Kanton Zürich nur geringfügig (1996: 7100; 2005: 6200). Seit 1994 nahm mehr als die Hälfte der Heroinabhängigen an einem Substitutionsprogramm mit Methadon teil. Dieser Anteil blieb weitgehend unverändert. Es bestehen einige Hinweise, dass die Entwicklung im Kanton Zürich für die gesamte Schweiz zutrifft.

Die Forscher schliessen aus ihren Ergebnissen, dass die Einführung der liberalen «Vier-Säulen-Politik» nicht zu einer «Verharmlosung» des Heroingebrauchs geführt hat. Im Gegenteil, durch die «Medizinalisierung» dürfte für potentielle Einsteiger die Verschiebung des Images des Heroinkonsums als rebellischer Akt zugunsten einer «Verliererdroge» eher an Attraktivität verloren haben.