Medienmitteilung vom 12.10.2006
MedienmitteilungUniversität Zürich stellt auf Bologna um
Ab Semesterbeginn am 23. Oktober werden fast alle neuen Studierenden an der Universität Zürich ein Studium nach dem Bologna-Modell aufnehmen. Damit hat die Universität Zürich die bisher grösste Studienreform praktisch abgeschlossen.
Ab diesem Herbst studieren die Erstsemestrigen von fünf der
sieben Fakultäten der Universität Zürich in neuen
Bologna-Studiengängen: Die Mathematisch-naturwissenschaftliche und
die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät haben die Reform bereits
vor zwei Jahren vollzogen, für die Philosophische, die
Rechtswissenschaftliche und die Theologische Fakultät ist dieses
Wintersemester der grosse Wendepunkt. Die Medizinische und die
Vetsuisse-Fakultät stellen in einem Jahr auf Bologna um: «Damit
wird die Einführung von Bologna in der Medizin zeitlich mit dem
Inkrafttreten des neuen Medizinalberufegesetzes abgestimmt», so
Crispin Hugenschmidt, Leiter der Fachstelle Studienreformen der
Universität Zürich.
Bachelor und Master
Das Studium nach dem Bologna-Modell bringt einige Neuerungen
mit sich. Die grösste Veränderung ist die Stufung der Studiengänge.
Die bisherigen Lizentiats- und Diplomstudiengänge werden durch die
Bachelor- und Masterabschlüsse abgelöst. Diese Abschlüsse sind
europaweit kompatibel. Ein Bachelorabschluss befähigt zur Aufnahme
eines Masterstudiums in der gleichen, aber auch in einer anderen
Studienrichtung oder zum Einstieg in wissenschaftlich orientierte
Berufsfelder. Zudem bietet der Übertritt vom Bachelor- in das
Masterstudium eine gute Chance für einen Universitätswechsel. Mit
der neuen Bachelorstufe wird auch die Hoffnung verbunden, dass
weniger Studierende ihr Studium nach einigen Jahren ohne einen
Abschluss abbrechen.
Flexibilität
Auch innerhalb der Studienstufen wird die Flexibilität
erhöht. Das Studienangebot ist in Module gegliedert, die einzeln
mit einem Leistungsnachweis abgeschlossen werden. Die Abschlussnote
setzt sich aus den verschiedenen Modulnoten zusammen. Damit fallen
die umfangreichen Zwischen- und Schlussprüfungen der bisherigen
Studiengänge weg, und die Studierenden können schon frühzeitig
abschätzen, ob ihnen die gewählte Studienrichtung entspricht. Mit
dem modularen Aufbau des Studiums können individuelle Schwerpunkte
gesetzt, und die Studienorganisation kann verschiedenen
Bedürfnissen gerecht werden. Beispielsweise ist ein Teilzeitstudium
bei studienbegleitender Erwerbstätigkeit oder bei
Betreuungspflichten in den allermeisten Fällen gut möglich. «Die
Chancengleichheit der Studierenden ist bei der Umsetzung der Reform
an der Universität Zürich ein wichtiges Thema», betont Crispin
Hugenschmidt.
Planbarkeit
Alle Studienleistungen sind mit Kreditpunkten nach dem ECTS
(European Credit Transfer and Accumulation System) versehen. Ein
ECTS-Punkt entspricht einem durchschnittlichen Arbeitspensum von 30
Stunden. Ein Bachelorstudium umfasst 180, ein Masterstudium 90 oder
120 ECTS-Punkte. «Mit dem ECTS soll das Studium planbarer und
transparenter werden», erläutert Sarah Bolleter, Mitarbeiterin der
Fachstelle Studienreformen. Die Studierenden werden detailliert
über Studienangebote vom Studiengang bis zum Semesterangebot
informiert, und der semesterweise zugestellte Leistungsausweis
ermöglicht ihnen einen regelmässigen Überblick über den Stand ihres
Studiums. Mit Einführung des ECTS soll auch die Mobilität
erleichtert werden. Leistungen, die an anderen Universitäten
erbracht wurden, können anhand der Kreditpunkte genauer ausgewiesen
und somit besser angerechnet werden.
Neue Studienmöglichkeiten
An der Universität Zürich sind im Zuge der Reform zudem
zahlreiche Studiengänge entstanden oder neu gestaltet worden.
Beispielsweise werden die Studiengänge Religionswissenschaft,
Humanbiologie oder Wirtschaftschemie fakultätsübergreifend
studiert, in den Fächern Populäre Kulturen und Gender Studies wird
die Interdisziplinarität hoch geschrieben, und die
Computerlinguistik kann nun auch im Hauptfach absolviert werden.
Die Rechtswissenschaften bieten neben dem allgemein ausgerichteten
Master of Law drei weitere Masterabschlüsse mit unterschiedlicher
Schwerpunktsetzung an: Master of Law in Legal Practice, in Business
and Economic Law und in Public Law.
Gesamtes Studienangebot online abrufbar
Neu werden sämtliche Bachelor- und Masterstudienangebote der
Universität Zürich online zentral und übersichtlich dargestellt
(www.studium.unizh.ch/studiengaenge/). Die Universität Zürich setzt
damit eine Anforderung der Bologna-Reform um und ermöglicht
Studieninteressierten einen Vergleich des Studienangebotes auch
über Fakultäten hinweg.
Die Bologna-Reform
Im Juni 1999 wurde die sogenannte Bologna-Deklaration von 29
europäischen Bildungsministerinnen und -ministern unterzeichnet;
mittlerweile haben sich knapp 50 Staaten von Russland bis Irland,
von Griechenland bis Norwegen zur Bologna-Reform verpflichtet. Bis
2010 soll ein europäischer Hochschulraum geschaffen werden. Ziel
ist die Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Europas als
Bildungsstandort.
Die Bologna-Reform umfasst unter anderem:
- Die Schaffung eines Systems leicht verständlicher und vergleichbarer Abschlüsse
- Die Einführung einer zweistufigen Studienstruktur (Bachelor, Master)
- Die Einführung eines Leistungspunktesystems (Kreditpunkte nach ECTS)
- Die Förderung der Mobilität
- Die europaweite Zusammenarbeit in der Qualitätssicherung
