Medienmitteilung vom 23.11.2006
MedienmitteilungVertrauen der Privatanleger noch nicht ganz zurück
Das Vertrauen der breiten Masse der Anleger in die Börsenmärkte kommt doch nicht so rasch zurück, wie dies aufgrund der letzten beiden exzellenten Börsenjahre zu vermuten gewesen wäre. Dies zeigt eine repräsentative Studie des Institutes für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich, die zum vierten Mal durchgeführt wurde. Hatte im Jahr 2000 noch jeder dritte Schweizer direkt am Aktienmarkt investiert, macht dies heute nur noch jeder Fünfte.
Schweizer Aktienindizes bewegen sich zurzeit wieder auf
Höchstständen, dennoch verharrt der Anteil der Aktienbesitzer auf
dem Stand von 2004. Diese Beobachtung gilt auch für die
Besitzerinnen und Besitzer von Anlagefonds, womit die Stagnation
des Aktiensparens nicht durch die Unterscheidung von direkter und
indirekter Aktienanlage zu erklären ist.
«Der erlittene Vertrauensverlust durch den geplatzten
Internet Bubble und die durch die Aufdeckung verschiedener
Unternehmensskandale gezeichnete Phase danach haben tiefe Spuren in
der Anlegerseele hinterlassen», kommentiert Studienleiter Prof.
Teodoro D. Cocca die Resultate.
Im Vergleich zur 2004 durchgeführten Studie hat sich die
Heimmarktorientierung nochmals deutlich akzentuiert. Dies ist vor
dem Hintergrund eines sich entwickelnden europäischen
Kapitalmarktes erstaunlich. Die zunehmende Tendenz, in
grenzüberschreitende Anlagen zu investieren, scheint zumindest auf
Schweizer Anlegerinnen und Anleger nicht besonders zuzutreffen.
Prof. Rudolf Volkart, Co-Autor der Studie und Direktor des
Instituts für schweizerisches Bankwesen der Universität Zürich,
meint dazu kritisch: «Die Persistenz der Heimmarktorientierung
stimmt nachdenklich, da dies einer nachhaltigen Differenzierung der
Portfolios klar entgegensteht.» Anlagen in Aktien, die in
unmittelbarer «Nähe» des Aktionärs beheimatet sind, suggerieren
zudem eine Sicherheit und Kontrollierbarkeit, die nachweislich
unfundiert ist. Wie das Jahr 2002 schmerzlich gezeigt hatte, können
auch schweizerische Blue-Chips innerhalb weniger Wochen mehr als
die Hälfte ihres Wertes verlieren. «Eine breite Diversifikation
wäre zum Schutz vor unliebsamen Überraschungen die bessere
Versicherung als die vermeintlich beruhigende geographische
Proximität», unterstreicht Cocca.
Überoptimistische Anleger
Ein untrügliches Zeichen für den Überoptimismus der Anleger
erkennt man darin, dass die Anleger während den kommenden 12
Monaten im Durchschnitt glauben, den Aktienmarkt mit ihren eigenen
Anlagen um 1.5% schlagen zu können. Dies zeugt doch von einem hohen
Selbstvertrauen. Das vergangene Anlagejahr scheint ihnen allerdings
recht zu geben: 85% (2004 waren es 50%) der Anleger geben an, im
Jahr 2005 einen - allerdings absoluten - Gewinn auf den
Aktienanlagen erzielt zu haben, während 7% (2004: 27%) einräumen,
einen Verlust erzielt zu haben.
Das Thema der Corporate Governance scheint aus Anlegersicht
nicht mehr die gleiche Aufmerksamkeit zu geniessen wie noch vor
wenigen Jahren. «Die diesbezüglichen Anstrengungen der Unternehmen
wie auch die wieder steigenden Aktienkurse dürften hier zu einer
Besänftigung der Anleger geführt haben», meint Volkart und führt
weiter aus: «Dies ist positiv zu bewerten, da die offensichtlich
erhöhte Sensibilität der Unternehmensleitungen für Corporate
Governance Themen eine erfreuliche Entwicklung für die
Aktienanleger bedeutet.»
Die momentane Hausse scheint nicht durch eine rasante Zunahme
von Geldern neuer Investoren angeheizt zu werden, sondern sie
dürfte durch fundamentale Bewertungskriterien bedeutender
Investoren genährt sein. Die Erhöhung des durchschnittlichen
Aktienanteils in einem Portfolio auf 25% (21%) teilweise auch
durch Preissteigerungen der Aktien bedingt deutet zumindest auf
eine Zunahme des Vertrauens derjenigen Akteure hin, welche
längerfristig im Börsenmarkt engagiert sind. Diese dürften sich
auch in der Baissephase nicht ganz aus dem Markt verabschiedet
haben. In der Meinung der Studienverfasser ist die momentane Hausse
daher wahrscheinlich eher durch eine Ausweitung der Aktienquote
«alter» Investoren begründet als durch einen Zustrom «neuer»
Investoren an die Börse.
Die Studie
Die Studie ist mit finanzieller Unterstützung der Stiftung
Ecoscientia und des NCCR
FINRISK (National Centre of Competence in Research «Financial
Valuation and Risk Management») entstanden und stellt eine
Neuauflage der je in den Jahren 2000, 2002 und 2004 aufgelegten
Studie «Equity Ownership in Switzerland« dar. Die hier vorliegende
Studie bzw. Studien-Serie ist die erste ihrer Art für die Schweiz,
was die Grösse des Befragtenpanels (2000 Befragte pro
Durchführung), den mehrjährigen Zeitraum (6 Jahre) und die
Methodologiekonstanz anbelangt. Auch international stellt diese
Studie eine einzigartige Datengrundlage dar.
Die Studie «Equity Ownership in Switzerland 2006» kann
kostenlos unter www.isb.unizh.ch bezogen werden.
