Medienmitteilung vom 29.08.2006
MedienmitteilungViele Schusswaffen viele Schusswaffensuizide
Länder, die in den letzten beiden Jahrzehnten die Verfügbarkeit von Schusswaffen erfolgreich eingeschränkt haben, haben damit auch die Zahl der Suizide durch Schusswaffen gesenkt. Dies geht aus Analysen internationaler Daten hervor, die eine Schweizer Autorengruppe am 29.8.2006 im «American Journal of Public Health» veröffentlichen wird.
Die Verfügbarkeit von Schusswaffen hat einen direkten Einfluss
auf die Häufigkeit von Schusswaffensuiziden. Entsprechend stehen
diejenigen Länder an der Spitze dieser beiden Kategorien, die durch
eine besonders liberale Gesetzgebung den Besitz von Schusswaffen
erleichtern: die Schweiz und die USA. Eine neue Studie einer
Autorengruppe um Vladeta Ajdacic-Gross von der Universität Zürich
zeigt, dass sich Änderungen in der Verfügbarkeit von Schusswaffen
direkt auf die Suizidmortalität auswirken. Ein präventiver Erfolg
wurde in Ländern erzielt, die restriktivere gesetzgeberische oder
reglementarische Massnahmen eingeführt hatten.
«Ähnlich wie bei potentiell tödlichen Medikamente,
Chemikalien oder Apparaturen besteht auch bei Schusswaffen die
Notwendigkeit einer restriktiven Zugangs- und Nutzungskontrolle»,
sagt Vladeta Ajdacic-Gross. Dazu bieten sich eine Reihe von
gesetzgeberischen und reglementarischen Möglichkeiten an:
Waffenregister, Verbote spezieller Waffen, Bedürfnis- und
Eignungsnachweis für Waffenbesitzer, Interviewing der
Antragsteller, periodische Nachweisüberprüfung und
Lizenzerneuerung, Minimalalter, Wartefristen beim Waffenkauf,
Lagerung unter Aufsicht oder Limitierung der Verfügbarkeit der
Munition.
Manche Länder haben entsprechende Schritte unternommen und
die Verfügbarkeit von Schusswaffen in Privathaushalten seit Ende
der 80-er Jahre deutlich gesenkt: Kanada zum Beispiel von 31% auf
19%, Australien von 20% auf 10%, England & Wales sowie
Schottland von 5% auf 3%. Ein Vergleich von Längsschnittdaten, den
eine interdisziplinäre Schweizer Autorengruppe unter der
Federführung der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich
veröffentlicht hat, zeigt, dass die Zahl der Schusswaffensuizide in
den entsprechenden Ländern proportional zurückgegangen ist: In
Kanada von 32% auf 19%, in Australien von 30% auf 19%, in England
& Wales von 4.5% auf 3% und in Schottland von 7% auf 2%). In
der Schweiz dagegen hat der Anteil der Schusswaffensuizide im
gleichen Zeitraum von 23% auf 27% zugenommen.
«Die Suizidrate der Schweiz ist eine der höchsten im
internationalen Vergleich, und es besteht entsprechender
Handlungsbedarf» erklärt Ajdacic-Gross. Die Schusswaffe ist die
häufigste Suizidmethode. Jeder vierte Suizid geht auf dieses Mittel
zurück. Jeden Tag tötet sich in der Schweiz ein Mensch mit einer
Schusswaffe. Schusswaffensuizide sind etwa fünf Mal häufiger als
alle Tötungen zusammen. Schusswaffen spielen besonders bei
impulsiven Suiziden und Suiziden unter Alkoholeinfluss eine
wichtige Rolle. Sie ermöglichen es, den Handlungsimpuls schnell
umzusetzen. Die Wirkung ist zumeist tödlich oder hinterlässt
schwere Kopfverletzungen und lebenslange Behinderungen.