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Meike Wolters, Institut für Sonderpädagogik der Universität Zürich
044 634 31 31
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Medienmitteilung vom 03.09.2007

Medienmitteilung

Ästhetisierung der Sonderpädagogik: Provokation, Marketing oder Emanzipation?

In «Planet Terror» lässt Regisseur Robert Rodriguez seine schöne Heldin Cherry lasziv ihre Maschinengewehr-Beinprothese schwingen; Oliviero Toscani wirbt mit Menschen mit Behinderungen für eine Kleidermarke; Rasso Bruckerts veröffentlicht ein Buch mit Aktfotografien von körperbehinderten Sportlerinnen und Sportlern. Zeugen diese Sujets von einer neuen Akzeptanz? Oder müssen die Grenzen immer weiter ausgelotet werden, um ein übersättigtes Publikum zu provozieren? Diese und ähnliche Fragen diskutieren Dozierende der Heil- und Sonderpädagogik während vier Tagen an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich.

Auf den Bildern von Rodriguez, Toscani und Bruckerts sollen uns Menschen mit Behinderung ästhetisch, über die Sinne ansprechen. Die Botschaften sind verschieden, die Mittel identisch: Menschen, die im Alltag von vielen als seltsam, hilfsbedürftig oder hässlich wahrgenommen werden, werden von einer stilvollen, gar erotischen Seite gezeigt. Damit werden überkommene Vorstellungen, nach denen Behinderung allenfalls im negativen Sinn mit Ästhetik zu tun hat, über den Haufen geworfen. Es stellen sich die Fragen, wie solche Darstellungen das Bild der Öffentlichkeit von Menschen mit Behinderungen beeinflussen und ob es nicht nur normal ist, sondern sogar im Trend liegt, verschieden zu sein.

Wir laden Sie herzlich zur Arbeitstagung vom 6. bis 9. September 2007 ein. Folgende Hauptreferenten stellen sich für Interviews zur Verfügung:

  • Dr. Jürg Blickenstorfer: Pädagoge und Dozent für Heilpädagogik und Psychologie an der Hochschule für Heilpädagogik, Autor und Mitherausgeber von Werken zur allgemeinen Heilpädagogik, Mitorganisator der Tagung
  • Prof. Dr. Georg Feuser: Gastprofessor am Institut für Sonderpädagogik der Universität Zürich.
    Mit seiner «Allgemeinen Pädagogik» entwickelte Feuser eines der radikalsten Integrationskonzepte im deutschsprachigen Raum, das eine integrative Erziehung und Unterrichtung aller behinderten Kinder, unabhängig von Art und Schweregrad der Behinderung, in Regelkindergärten und Regelschulen fordert.
  • Prof. Dr. Markus Dederich: Professor für Theorie der Pädagogik und Rehabilitation bei Behinderung an der Fakultät Rehabilitationswissenschaften der Universität Dortmund. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen u.a. im Bereich historischer Aspekte, Disability Studies, Medizin und Ethik, Philosophie, Gesellschaft und Politik.


Die Sonderpädagogik ist als Fachgebiet mit den erwähnten «nackten Tatsachen» konfrontiert und muss dazu Stellung nehmen. Die Arbeitstagung stellt im Kontext gesellschaftlicher und kultureller Entwicklungen die Frage, ob eine Ästhetisierung der Sonderpädagogik feststellbar ist, wie dieser Prozess diese als Disziplin verändert, auflöst oder erst recht notwendig macht.

Die Arbeitstagung Sonderpädagogik 2007 wird gemeinsam organisiert von der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik Zürich (HfH) und dem Institut für Sonderpädagogik der Universität Zürich (ISP).