Medienmitteilung vom 21.11.2007
MedienmitteilungAlpine Böden reagieren auf Klimaänderungen
Der Klimawandel wird Landschaft und Lebensräume drastisch verändern. Bis jetzt ging man davon aus, dass der Boden auf Klimaänderungen langsam reagiert. Neuere Untersuchungen von Forschern der Universität Zürich zeigen hingegen, dass bereits innerhalb von wenigen Jahrzehnten sehr wohl klimabedingte Veränderungen im Boden nachgewiesen werden können. Der Klimawandel wird auch hier Spuren mit noch ungeahnten Folgen hinterlassen.
Die sich abzeichnenden Klimaänderungen hinterlassen sichtbare
Spuren. Besonders gilt dies für das durch Schnee und Eis geprägte
Hochgebirge. Klimaänderungen werden auch Auswirkungen auf den Boden
haben. Aufgrund seiner natürlichen Eigenschaften als Puffer,
Filter, Wasserspeicher und -regulator, Pflanzenstandort sowie als
wichtiger Bestandteil der Landschaft hat der Boden im Naturraum
eine zentrale Stellung. Das Innenleben des Bodens entzieht sich
aber unserem direkten Blick.
Im Allgemeinen wird davon ausgegangen, dass der Boden ein
träge reagierendes Medium ist. Veränderungen zeichnen sich erst
nach Jahrhunderten bis Jahrtausenden ab. Forscher der Universität
Zürich sind der Frage nachgegangen, ob die Klimaänderungen bereits
Auswirkungen auf Böden der Schweiz zeigen. Dazu wurden Standorte im
Südtessin in der Umgebung des Lago Maggiore und im hochalpinen Raum
des Gletschervorfeldes Morteratsch (Oberengadin) und Vereinatal
(bei Klosters) untersucht.
«Unsere Studien zeigen ganz klar, dass Böden bereits
innerhalb weniger Jahrzehnte auf veränderte Klimabedingungen
reagieren können», sagt Markus Egli von der Universität Zürich. Im
Südtessin auf einer Höhenstufe unterhalb von 400 m ü.M.
verbreiteten sich in den letzten 4-5 Jahrzehnten immergrüne,
breitblättrige Laurophyllen-Gewächse, die zunehmend die
gegenwärtige Waldgesellschaft verdrängen. Die Ausbreitung der
Laurophyllengewächse, zu denen beispielsweise die Hanfpalme oder
der Kirsch-Lorbeer zählen, führte zu Änderungen der
Humuszusammensetzung und der Bodenmineralien. Der Abbau der
organischen Substanz verlief schneller und weniger Humus wurde im
Boden fixiert. Nicht nur im Südtessin, sondern auch im hochalpinen
Raum können Bodenveränderungen erfasst und sogar prognostiziert
werden. Dies zeigt der Schlussbericht GISALP, der im Rahmen des
Nationalen Forschungsprogramms «Alpen» (NFP 48) soeben erschienen
ist.
Während der kleinen Eiszeit in den 1850-er Jahren waren die
heutigen Gletschervorfelder mit Eis bedeckt. Seitdem ist ein
kontinuierliches Abschmelzen der Gletscher zu beobachten. In dieser
relativ kurzen Zeit haben sich neue, so genannt flachgründige Böden
in den eisfrei werdenden Gebieten gebildet. In den kommenden
Jahrzehnten ist ein weiterer Rückzug der Gletscher und ein rasches
Ausbreiten der Böden zu erwarten. Ausserhalb der Gletschervorfelder
fallen im Allgemeinen die Änderungen etwas weniger deutlich aus.
Eine starke Erwärmung kann jedoch, wie die Ergebnisse aus dem
Vereinatal zeigen, zu einem deutlichen Humusabbau, Absterben von
Wurzeln und Rückgang der Pflanzenproduktivität führen. Dies bewirkt
seinerseits eine verstärkte Freisetzung des Treibhausgases CO2.
Weil der Boden im gesamten Ökosystem eine zentrale Stelle
einnimmt, wären Kenntnisse über dessen zukünftige Entwicklung von
grosser Wichtigkeit. «Besonders im alpinen Raum sind die Grundlagen
zu den Bodeneigenschaften und deren räumlichen Verbreitung jedoch
extrem dürftig. Da besteht ein sehr grosser Nachholbedarf um
Entwicklungen und Folgen nur annähernd antizipieren zu können», so
der Bodenkundler Markus Egli.


