Medienmitteilung vom 11.07.2007
MedienmitteilungBiodiversität für Ökosystem-Dienstleistungen wichtiger als bisher angenommen
Die Biodiversität ist für den Erhalt von Ökosystem-Dienstleistungen wichtiger als bisher angenommen. Der Verlust bereits von wenigen Arten kann ökologische Prozesse beeinträchtigen, die für die Menschheit einen Wert haben und ihr zunutze kommen. Dies zeigen neue Untersuchungen, die am Institut für Umweltwissenschaften an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich und der Universität Oxford erarbeitet worden sind. Die Studie von Prof. Andrew Hector wird am 12.7.2007 in «Nature» (Volume 448, Issue 7150) publiziert.
Bisherige Einschätzungen über den Wert der Artenvielfalt haben
untersucht, wie sich der Verlust von Arten auf verschiedene
Ökosystem-Dienstleistungen, wie z.B. die Lebensmittelproduktion,
die Bereitstellung von sauberem Trinkwasser oder die Bindung des
Treibhausgases Kohlenstoffdioxid aus der Atmosphäre, auswirkt. Wenn
dabei jeweils nur eine einzige Ökosystem-Dienstleistung auf einmal
betrachtet wird, könnte die Anzahl nötiger Arten unterschätzt
werden, die es für ein voll funktionsfähiges Ökosystem braucht.
Prof. Andrew Hector vom Institut für Umweltwissenschaften der
Universität Zürich und Dr. Robert Bagchi von der Universität Oxford
haben deshalb eine neue Methode entwickelt, die es erlaubt, mehrere
Ökosystem-Prozesse auf einmal zu berücksichtigen. Sie haben diese
Methode auf Resultate der Analyse europäischer Wiesengemeinschaften
angewandt und entdeckt, dass eine grössere Artenvielfalt benötigt
wird, wenn alle sieben erhobenen Ökosystem-Dienstleistungen
einberechnet werden, als wenn nur eine einzelne Dienstleistung
be-trachtet wird. Bereits der Verlust von wenigen Arten kann dazu
führen, dass die Gesamtfunktion eines Ökosystems beeinträchtigt
wird. «Bisherige Untersuchungen haben angenommen, dass Arten, die
für eine Ökosystem-Dienstleistung wichtig sind, alle anderen
Dienstleistungen auch gewährleisten können aber das scheint nicht
der Fall zu sein», erläutert Hector.
Grössere Artenvielfalt nötig als angenommen
Das Kernresultat der Studie besagt, dass verschiedene
Dienstleistungen des Ökosystems durch verschiedene Gruppen von
Arten beeinflusst werden. Dazu Robert Bagchi: «Weil jeweils andere
Arten für unterschiedliche Ökosystem-Dienstleistungen zuständig
sind, braucht es insgesamt mehr Arten, um ein voll funktionierendes
System zu erhalten, als wenn man sich nur auf eine Art
konzentriert.» Darum empfehlen die Forscher, Ökosysteme so zu
verwalten, dass mehrere Ökosystem-Dienstleistungen zugleich
erhalten werden können. Denn die isolierte Betrachtung einer
Dienstleistung wie etwa die Steigerung des Ertrages kann zu enormen
Problemen führen. So hat übermässiges Düngen hohe Nitratwerte in
benachbarten Flüssen zur Folge, was wiederum die
Wasserverschmutzung und das Wachstum von Unkraut erhöht und andere
negative Einflüsse haben kann.
Für bisherige Umweltschutzbemühungen wie die Aufforstung von
abgeholzten Regenwäldern könnte die Studie weit reichende
Konsequenzen haben: Gemäss Hectors und Bagchis Erkenntnis-sen
greift die bisherige Praxis die Wiederanpflanzung einer einzelnen
Baumart zu kurz.
Als nächsten Schritt überprüfen die beiden Wissenschaftler
ihre Erkenntnisse über die Artenvielfalt mit Daten aus den Tropen.
Prof. Andrew Hector ist einer der leitenden Forscher des Sabah
Biodiversitätsexperiments im Malayischen Borneo, das verschiedene
Wiederanbauschematas von Bäumen untersucht. Dabei wollen die
Forscher herausfinden, welche Methode erfolgreicher ist, um ein
voll funktionierendes Waldökosystem wieder herzustellen:
Anpflanzungen mit vielen verschiedenen Arten oder Monokulturen.
Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät MNF ist eine der sieben Fakultäten der Universität Zürich. Mit ihren rund 150 Professorinnen und Professoren lehrt und forscht die MNF auf höchstem Niveau in den Fachbereichen Geografie und Umweltwissenschaften, Biologie (u.a. Pflanzenbiologie, Zoologie, Anthropologie und Paläontologie), Chemie und Biochemie, Mathematik und Physik (u.a. reine Mathematik, angewandte Mathematik, theoretische Physik, Experimentelle Physik, Teilchenphysik).


