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Prof. Daniel Brandeis, Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Universität Zürich
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Medienmitteilung vom 31.08.2007

Medienmitteilung

Gehirn von Kindern mit Dyslexie spezialisiert sich beim Lesenlernen schwächer auf Schrift

Am Anfang des Lesenlernens spielt die rasche Spezialisierung des Gehirns auf Schrift eine wichtige Rolle. Bei Kindern mit Dyslexie entwickelt sich diese visuelle Spezialisierung mit dem Lesenlernen nur schwach, wie Forscher am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Zürich zeigen konnten. Die Studie ist in der Zeitschrift «Brain» veröffentlicht worden.

Wenn Kinder lesen lernen, spezialisiert sich ein besonders plastischer Teil des Sehhirns auf Schrift, damit Buchstaben von anderen Zeichen unterschieden werden können. Die spezialisierte Verarbeitung von Schriftzeichen erfolgt im Gehirn schnell (innerhalb von 200 ms) und vermutlich unbewusst. Sie ist bei Erwachsenen mit einer Dyslexie (Leseschwäche, Legasthenie) vermindert. Es war bislang aber unklar, ob die verminderte Spezialisierung eine Folge des langjährigen Umgangs mit Leseschwäche ist, oder ob sie schon am Anfang beim Entstehen der Leseschwäche in der Schule eine Rolle spielt.

Dr. Urs Maurer und Prof. Daniel Brandeis untersuchten daher mit ihrem Team, wie sich diese Spezialisierung vom Kindergarten bis zur 2. Klasse mit dem normalen Lesenlernen entwickelt, und wie Kinder mit Dyslexie dabei abweichen. Um die Spezialisierung auf Schrift zu messen, führten sie Hirnstrommessungen (Elektroenzephalographie, EEG) durch, während die Kinder Wörter und unvertraute Symbole sahen. Als Aufgabe sollten die Kinder unmittelbare Wiederholungen erkennen, was auch schon vor dem Lesenlernen klappt.

Die Forscher konnten zeigen, dass die Spezialisierung auf Schrift im Sehhirn von Kindern, die normal lesen lernten, im Kindergarten noch nicht vorhanden war. Sie entwickelte sich aber mit dem normalen Lesenlernen bis in die 2. Klasse stark. Bei Kindern, die eine Dyslexie entwickelten, blieb diese Spezialisierung hingegen schwach. Je flüssiger ein Kind lesen konnte, desto grösser war die Spezialisierung in der 2. Klasse. Diese Ergebnisse zeigen, dass bei einer Dyslexie eine verminderte Spezialisierung auf Schrift bereits am Anfang des Lesenlernens eine wichtige Rolle spielt. Die Spezialisierung des Gehirns entsteht also nicht erst durch Üben beim Lesenlernen und durch jahrelange Leseerfahrung. Mit weiterer Forschung will Prof. Brandeis zeigen, ob gezielte frühe Trainingsprogramme für Dyslexie diese Spezialisierung beeinflussen können.