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Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Wulf Rössler
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Telefon: 044 296 74 00
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Dr. phil. Vladeta Ajdacic-Gross
Forschungsbereich Klinische und Soziale Psychiatrie
Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
Telefon: 044 296 74 33
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Medienmitteilung vom 20.04.2007

Medienmitteilung

Häufiger als angenommen: Schizophrene Symptome in der Bevölkerung

Die Schizophrenie gilt als seltene und besonders schwere psychische Erkrankung. Doch schizophrenietypische Symptome sind in der Allgemeinbevölkerung weitaus häufiger als bisher vermutet – mit erheblichen, beruflichen und privaten Folgen für die Betroffenen. Dies zeigt eine aktuellen Studie der Forschungsgruppe von Prof. Wulf Rössler, klinischer Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich. Als mitbeteiligte Risikofaktoren werden Cannabiskonsum und ungünstige Lebensbedingungen in Kindheit und Jugend identifiziert. Gemäss den Ergebnissen dieser Studie ist Schizophrenie keine exotische Krankheit, und das voll ausgebildete Krankheitsbild bildet nur die Spitze des Eisbergs. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift «Schizophrenia Research» (Volume 92, Issue 1-3) publiziert.

Die Schizophrenie gilt als seltene aber dafür umso schwerere psychische Erkrankung. Sie tritt zumeist im jungen Erwachsenenalter auf und hat erhebliche Folgen für die Betroffenen und die Angehörigen. Aber auch die Gesellschaft insgesamt ist betroffen, da sie die finanziellen Folgen dieser häufig zur Invalidisierung führenden Erkrankung tragen muss.

In einer Bevölkerungsstudie konnte eine Forschungsgruppe der Psychiatrischen Universitätsklinik um Professor Wulf Rössler und Vladeta Ajdacic-Gross zeigen, dass einzelne typische Schizophreniesymptome in der Allgemeinbevölkerung bemerkenswert häufig sind – weitaus häufiger als die Erkrankung selbst, deren Häufigkeit in der Bevölkerung unter 1% liegt. So berichten fast 40% der 20-jährigen, dass sie gelegentlich das Gefühl haben, dass man ihre Gedanken kontrollieren könne, oder fast ein Viertel gibt an, dass sie von Zeit zu Zeit Gedanken hätten, die nicht ihre eigenen Gedanken seien. Noch häufiger finden sich Symptome, die als Vorformen einer Schizophrenie betrachtet werden, wie z.B. bei über 40% der Befragten das Gefühl, von anderen beobachtet zu werden. Rund 9% der Bevölkerung berichteten, mehrere dieser Symptome gleichzeitig über viele Jahre hinweg erlebt zu haben, ohne dass bei ihnen eine voll ausgeprägte Schizophrenie hätte diagnostiziert werden können. Trotzdem bleibt ihr Leben davon nicht unberührt: Viele Personen mit anhaltenden Symptomen, die aber klinisch nicht zu einer Schizophreniediagnose führen, wiesen erhebliche Probleme am Arbeitsplatz und ganz allgemein in persönlichen Beziehungen auf. So ist bei ihnen z.B. das Risiko, Probleme mit dem Partner zu haben oder vom Partner verlassen zu werden, doppelt so gross wie bei der Allgemeinbevölkerung.

Bei der Analyse der Risikofaktoren erwies sich der häufige Cannabisgebrauch im jungen Erwachsenenalter als ein wichtiger Einflussfaktor für anhaltende Schizophreniesymptome. Dieses Ergebnis stützt die Hypothese, dass der Cannabiskonsum die Entwicklung von Psychosen begünstigt – offensichtlich auch von unterschwelligen Formen schizophrener Erkrankungen. Ein weiterer wichtiger Risikofaktor sind ungünstige Lebens- und Umweltbedingungen in Kindheit und Jugend. Dazu zählen unter anderem chronische Krankheit der Eltern, häufige Streitigkeiten, harte Bestrafung oder Vernachlässigung durch die Eltern. Ältere Theorien über den Einfluss ungünstiger Lebens- und Umgebungsbedingungen auf die Entwicklung schizophrener Erkrankungen erhalten durch dieses Ergebnis neuen Auftrieb.

Die Forscher um Wulf Rössler machen darauf aufmerksam, dass ihre Ergebnisse zur Entmystifizierung und damit zur Entstigmatisierung schizophrener Erkrankungen beitragen können: Schizophrenie ist kein exotisches Krankheitsbild, sondern in abgeschwächten Formen in der Allgemeinbevölkerung weit verbreitet. Das voll ausgeprägte Bild der Schizophrenie bildet nur die Spitze des Eisbergs dieses Krankheitsspektrums.

Zum Begriff: Schizophrenie

Psychotische Störungen umfassen ein Spektrum unterschiedlicher Störungsbilder von der Schizotypie über wahnhafte Störungen bis hin zur schizophrenen Störung im engeren Sinne. Die Schizophrenie ist die schwerste und wichtigste psychotische Erkrankung. Je nach Störung treten Symptome wie Halluzinationen, Wahn oder auch schwere Denk- und Verhaltensstörungen auf.