Medienmitteilung vom 04.04.2007
MedienmitteilungMuskelschwund bei Mäusen gebremst
Forschern um Prof. Christoph Handschin von der Universität Zürich ist es gelungen, den Muskelschwund bei Mäusen mit Duchenne Muskeldystrophie zu vermindern. Sie konnten nicht nur die Blutparameter stabilisieren und Muskelfaserschäden reduzieren, die behandelten Tiere waren auch praktisch gleich leistungsfähig wie ihre gesunden Geschwister. Damit besteht Hoffnung für einen neuen Behandlungsansatz dieser Muskelschwund-Krankheit beim Menschen. Die Studie ist in der neusten Ausgabe der internationalen Fachzeitschrift «Genes & Development» (Volume 21, Issue 7) publiziert worden.
Duchenne Muskeldystrophie ist eine schwere, vererbte
Muskelkrankheit, die ausschliesslich Knaben trifft. Die Erkrankung
beginnt im Kleinkindalter und schreitet schnell voran. Die
Betroffenen sterben oft schon als junge Erwachsene, da die Herz-
und Atemmuskulatur abgebaut wird. Ursache für die Krankheit ist ein
Defekt am Protein Dystrophin. Obwohl die Rolle dieses Proteins bei
der Entstehung der Krankheit schon seit einigen Jahren bekannt ist,
gibt es bis heute keine echten Therapien für
Muskeldystrophie-Patienten. Das Forscherteam um Christoph Handschin
hat jetzt vorerst an Mäusen einen neuen Ansatz entwickelt, wie
Muskelschwund vermindert werden kann.
Christoph Handschin, SNF-Professor am Physiologischen
Institut der Universität Zürich, und Forscher am Dana-Farber Cancer
Institute in Boston haben zusammen mit Forschern der Universität
Iowa zuerst den Muskelabbau und den Muskelaufbau bei gesunden
Tieren untersucht. Wird ein Muskel trainiert und bewegt, so nehmen
die Nervensignale an den Muskel zu und Muskelfasern werden
gebildet; bleibt ein Mensch für längere Zeit inaktiv, so fehlt der
Stimulus und die Muskelfasern werden abgebaut. Ein Faktor in den
Muskelzellen, der diese beiden Vorgänge massgeblich steuert, heisst
PGC-1alpha.
Mit diesem Grundwissen haben die Forscher um Christoph
Handschin danach die Funktion von PGC-1alpha in verschiedenen
Muskelkrankheiten angeschaut. Dabei wurde in einem Mausmodell für
Duchenne Muskeldystrophie künstlich PGC-1alpha aktiviert und so
quasi ein trainierter Zustand der Muskeln simuliert. Dabei haben
die Forscher erstaunliche Resultate erhalten: Bei diesen Tieren
waren nicht nur Marker für Muskelschäden im Blut verringert und
Muskelfaserschäden reduziert, die Tiere konnten auch fast gleich
lang auf einem Laufrad rennen wie ihre gesunden Geschwister. Zum
ersten Mal konnte somit gezeigt werden, dass PGC-1alpha auch bei
Duchenne Muskeldystrophie eine kontrollierende Rolle spielen kann.
Diese Resultate sind in der Zeitschrift «Genes & Development»
(Volume 21, Issue 7) veröffentlicht worden.
Prof. Handschin wird diese Studien jetzt in seiner neuen
Forschungsgruppe am Physiologischen Institut der Universität Zürich
fortsetzen. Er kann dabei auch auf die Unterstützung des
Universitären Schwerpunktprogramms «Integrative Humanphysiologie»
zählen. Sein Team hofft, dass die Identifikation der durch
PGC-1alpha kontrollierten Abläufe im Muskel eines Tages zu neuen
Ansätzen zur Prävention und Behandlung von Duchenne
Muskeldystrophie bei Menschen führen wird.
