Medienmitteilung vom 11.10.2007
MedienmitteilungNeue Rolle für alten Signalstoff: Studie in Fachmagazin Science publiziert
Forscher des Plant Science Center, einem interuniversitären Zusammenschluss der Pflanzenforscher von der ETH Zürich und den Universitäten Zürich und Basel, haben entdeckt, welcher Signalstoff Wurzeln zur Nährstoffaufnahme antreibt.
Die meisten Pflanzen gedeihen in der Natur nur dank einer
Symbiose mit Bodenpilzen, der so genannten Mykorrhiza. In der
"Mykorrhiza" (griechisch für "Pilzwurzel") erhält der Pilz von der
Pflanze Zucker, welche sie mit Hilfe von Sonnenlicht in ihren
grünen Blättern produziert. Der Pilz liefert der Pflanze im
Austausch dafür Wasser und Mineralstoffe, welche er mit seinen
feinen Pilzfäden noch aus den winzigsten Bodenporen aufnehmen kann.
Durch diese Prozesse ist die Mykorrhiza für das Wachstum vieler
Kulturpflanzen sowie die Biodiversität mitverantwortlich.
Auf der Suche nach pflanzlichen Schlüsselgenen, welche für
die erfolgreiche Symbiose nötig sind, entdeckte das Forscherteam
von Prof. Marcel Bucher an der ETH Zürich bereits im Jahr 2001 das
Pflanzen-Gen, welches für die Aufnahme des wichtigen
Mineralnährstoffs Phosphat in der mykorrhizierten Wurzel
verantwortlich ist.
Überraschendes Signal
Doch warum wird das Gen in den pilzbesiedelten Wurzeln aktiv?
Das Team der ETH Zürich von Prof. Marcel Bucher (seit November 2006
an der Universität Köln auf dem gleichen Forschungsgebiet tätig)
und jenes von Prof. Thomas Boller an der Universität Basel, sowie
Dr. Peter Gehrig vom Functional Genomics Center Zurich der
Universität Zürich kamen zu einer überraschenden Antwort, wie sie
in der jüngsten Ausgabe des Fachmagazins Science berichten: Das
auslösende Signal ist nämlich Lysophosphatidylcholin (LPC), ein
Abbauprodukt des universellen Membranstoffs Phosphatidylcholin. LPC
war bisher nur in der medizinischen Forschung als Signalstoff
bekannt, zum Beispiel bei der Entstehung entzündlicher Krankheiten.
Die Forschung an pflanzlichen Zellen wie jene in der Mykorrhiza
könnte weitere wichtige Erkenntnisse über die Funktion von LPC in
lebenden Zellen unterschiedlicher Organismen zu Tage fördern.
Energieintensives Düngen reduzieren
Die neuesten Forschungsergebnisse leisten einen Beitrag dazu,
das Zusammenleben zwischen Pflanzen und Pilzen in der Mykorrhiza
noch besser zu verstehen. Wenn die molekularen Mechanismen, welche
zu einer funktionierenden Mykorrhiza führen, bekannt sind, kann die
Nährstoffeffizienz bei Kulturpflanzen verbessert werden. Ein
Einsatz der Mykorrhiza in der modernen Landwirtschaft kann bei
richtiger Anwendung den Einsatz von teuren und energieintensiven
Düngern massiv reduzieren und leistet damit einen Beitrag zur
Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit.
Zurich-Basel Plant Science Center
Das Zurich-Basel Plant Science Center (PSC) ist ein
interdisziplinärer Verbund von Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftlern, zu dem sich Anfang 2002 acht Institute der ETH
Zürich, der Universität Zürich und der Universität Basel
zusammengeschlossen haben. Im PSC soll der wissenschaftliche
Austausch gefördert werden, so dass innovative und komplexe
Projekte auf hohem wissenschaftlichem Niveau geplant und ausgeführt
werden können. Seit dem Wintersemester 2006/2007 bietet das PSC
«Masters Studies and Masters Courses in Plant Sciences» an. Das
Programm wird gemeinschaftlich von 6 Masterstudiengängen der
beteiligten Hochschulen getragen und durch internationale Experten
in allen Bereichen der Pflanzenwissenschaften unterstützt.
Originalbeitrag:David Drissner, Gernot Kunze, Nico
Callewaert, Peter Gehrig, MBarek Tamasloukht, Thomas Boller, Georg
Felix, Nikolaus Amrhein, Marcel Bucher: Lyso-Phosphatidylcholine Is
a Signal in the Arbuscular Mycorrhizal Symbiosis, Science 12
October 2007, DOI: 10.1126/science.114648

