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Prof. Dr. med. Jörg Schüpbach, Leiter Nationales Zentrum für Retroviren, Universität Zürich
Tel. +41 44 634 38 03
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Medienmitteilung vom 30.11.2007

Medienmitteilung

Schweiz dank neuem Verfahren stets am Puls der HIV-Epidemie

Forscher der Universität Zürich und Kollegen haben ein neues Verfahren zur Messung der Neuinfektionen mit HIV entwickelt. Mit dem Antikörper-Test, der bereits zur Bestätigung der HIV-Infektion eingesetzt wird, kann auch die Zahl der Neuinfektionen gemessen werden. Dieses Verfahren verbessert die epidemiologische Überwachung der Ausbreitung von HIV und Aids. Die Studie wird am 1. Dezember, dem Welt-Aidstag, in «PLoS Medicine» publiziert.

Über 40 Millionen Menschen sind mit HIV, der Ursache von Aids, infiziert. Für die Überwachung der HIV-Epidemie und für die HIV-Prävention ist es notwendig, die Zahl der neuinfizierten Menschen zu kennen. Ob eine neu diagnostizierte HIV-Infektion frisch oder schon älter ist, wurde bisher mit einem Verfahren untersucht, das vor einigen Jahren in den USA entwickelt wurde. Nach Bestätigung der HIV-Diagnose wird das Blut dabei mit einem Test untersucht, der im Gegensatz zum empfindlichen HIV-Suchtest absichtlich unempfindlich gemacht wurde (sog. «detuned test»). Nach der HIV-Infektion dauert es durchschnittlich 5-6 Monate, bis der unempfindliche Test positiv wird. Werden alle Menschen mit neu diagnostizierter HIV-Infektion damit untersucht, kann aus der Häufigkeit negativer Resultate hochgerechnet werden, welcher Anteil der Untersuchten innerhalb der vergangenen 12 Monate infiziert wurde.

Mit diesem Verfahren wurden von Juli 2005 bis Juni 2006 in der Schweiz erstmals alle Menschen mit neu diagnostizierter HIV-Infektion untersucht. Resultat: etwa 40 Prozent der 748 Untersuchten hatten eine frische Infektion. Würde dieser Test weiterhin bei allen neu diagnostizierten HIV-Infektionen durchgeführt, könnte die jeweilige Aktivität der HIV-Epidemie stets optimal beurteilt werden. Dies wäre allerdings aufwändig.

Prof. Jörg Schüpbach vom Nationalen Zentrum für Retroviren der Universität Zürich hat nun in Zusammenarbeit mit den elf HIV-Bestätigungslabors, dem Kantonsspital St. Gallen und dem BAG ein völlig neues Verfahren entwickelt. Es beruht auf einem Test, der in der Schweiz ohnehin schon für die HIV-Bestätigung eingesetzt wird. Dieser Test, ein sog. Line Immunoassay, misst Antikörper gegen fünf verschiedene Eiweisse von HIV-1 in einer Art Strichmuster. Im Verlauf der ersten paar Monate nach der Infektion verändert sich dieses Antikörper-Strichmuster von negativ über schwach-positiv zu stark-positiv. Aus der Häufigkeit bestimmter Strichmuster und ihrer Intensität kann der Anteil frisch infizierter Personen in der untersuchten Population bestimmt werden.

Verglichen mit dem US-Verfahren hat das in der Schweiz entwickelte Verfahren den Vorteil, dass kein zusätzlicher Test durchgeführt werden muss. Es verwertet lediglich Daten, die bei der HIV-Bestätigung ohnehin anfallen.