Medienmitteilung vom 30.11.2007
MedienmitteilungSchweiz dank neuem Verfahren stets am Puls der HIV-Epidemie
Forscher der Universität Zürich und Kollegen haben ein neues Verfahren zur Messung der Neuinfektionen mit HIV entwickelt. Mit dem Antikörper-Test, der bereits zur Bestätigung der HIV-Infektion eingesetzt wird, kann auch die Zahl der Neuinfektionen gemessen werden. Dieses Verfahren verbessert die epidemiologische Überwachung der Ausbreitung von HIV und Aids. Die Studie wird am 1. Dezember, dem Welt-Aidstag, in «PLoS Medicine» publiziert.
Über 40 Millionen Menschen sind mit HIV, der Ursache von Aids,
infiziert. Für die Überwachung der HIV-Epidemie und für die
HIV-Prävention ist es notwendig, die Zahl der neuinfizierten
Menschen zu kennen. Ob eine neu diagnostizierte HIV-Infektion
frisch oder schon älter ist, wurde bisher mit einem Verfahren
untersucht, das vor einigen Jahren in den USA entwickelt wurde.
Nach Bestätigung der HIV-Diagnose wird das Blut dabei mit einem
Test untersucht, der im Gegensatz zum empfindlichen HIV-Suchtest
absichtlich unempfindlich gemacht wurde (sog. «detuned test»). Nach
der HIV-Infektion dauert es durchschnittlich 5-6 Monate, bis der
unempfindliche Test positiv wird. Werden alle Menschen mit neu
diagnostizierter HIV-Infektion damit untersucht, kann aus der
Häufigkeit negativer Resultate hochgerechnet werden, welcher Anteil
der Untersuchten innerhalb der vergangenen 12 Monate infiziert
wurde.
Mit diesem Verfahren wurden von Juli 2005 bis Juni 2006 in
der Schweiz erstmals alle Menschen mit neu diagnostizierter
HIV-Infektion untersucht. Resultat: etwa 40 Prozent der 748
Untersuchten hatten eine frische Infektion. Würde dieser Test
weiterhin bei allen neu diagnostizierten HIV-Infektionen
durchgeführt, könnte die jeweilige Aktivität der HIV-Epidemie stets
optimal beurteilt werden. Dies wäre allerdings aufwändig.
Prof. Jörg Schüpbach vom Nationalen Zentrum für Retroviren
der Universität Zürich hat nun in Zusammenarbeit mit den elf
HIV-Bestätigungslabors, dem Kantonsspital St. Gallen und dem BAG
ein völlig neues Verfahren entwickelt. Es beruht auf einem Test,
der in der Schweiz ohnehin schon für die HIV-Bestätigung eingesetzt
wird. Dieser Test, ein sog. Line Immunoassay, misst Antikörper
gegen fünf verschiedene Eiweisse von HIV-1 in einer Art
Strichmuster. Im Verlauf der ersten paar Monate nach der Infektion
verändert sich dieses Antikörper-Strichmuster von negativ über
schwach-positiv zu stark-positiv. Aus der Häufigkeit bestimmter
Strichmuster und ihrer Intensität kann der Anteil frisch
infizierter Personen in der untersuchten Population bestimmt
werden.
Verglichen mit dem US-Verfahren hat das in der Schweiz
entwickelte Verfahren den Vorteil, dass kein zusätzlicher Test
durchgeführt werden muss. Es verwertet lediglich Daten, die bei der
HIV-Bestätigung ohnehin anfallen.





