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Dr. Peter Schmid, Konservator des Museums der Anthropologie
Tel. 01 635 54 23
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Medienmitteilung vom 31.01.2007

Medienmitteilung

Sonderausstellung «151 Jahre Neandertal»

Die neue Sonderausstellung im Museum der Anthropologie der Universität Zürich zeigt den aktuellen Wissensstand über den Neandertaler. Kurzfilme und Computerdarstellungen vermitteln das kriminalistische Vorgehen der Wissenschafter bei der Erforschung dieser Urmenschenform. Die Ausstellung dauert vom 1. Februar bis 10. Dezember 2007.

Im August 1856 fanden Steinbrucharbeiter in der Feldhofer-Grotte im Neandertal versteinerte Knochen. Johann Karl Fuhlroth, ein Realschullehrer, erkannte in diesen Überresten einen Urmenschen und setzte eine Diskussion in Gang, in die wissenschaftliche Argumente, persönliche Ansichten und religiöse Vorbehalte einflossen. Beinahe zeitgleich postulierte Charles Darwin, dass der Mensch, der Herrscher über das Getier, selbst ein Teil des Tierreichs sei - ein Affe gar. Rudolf Virchow (1821-1902), ein anerkannter Anthropologe, bezeichnete die Funde als ein krankhaft verändertes Skelett eines zeitgenössischen Menschen und setzte der Diskussion ein vorläufiges Ende. Erst nach weiteren Fossilfunden in Belgien und Frankreich festigte sich die Ansicht, dass es sich bei den Funden um steinzeitliche Ahnen handelt. Jedoch verankerten erste Rekonstruktionsversuche das Bild eines grässlichen Wilden.

Homo sapiens und Neandertaler
Die Sonderausstellung im Museum der Anthropologie gibt jetzt einen Überblick über die Neandertaler-Forschung. Wie wir heute wissen, verliess der Homo erectus vor mehr als zwei Millionen Jahren den afrikanischen Kontinent, die Wiege der Menschheit, und begründete regional neue Menschenformen. In Europa ging aus ihm der Neandertaler hervor. In Afrika entwickelte sich vor ca. 150'000 Jahren der moderne Mensch (Homo sapiens). Klimaveränderungen veranlassten ihn - wie den Homo erectus zuvor - sich über die ganze Welt zu verbreiten. Im Nahen Osten und in Europa traf er auf den Neandertaler und lebte während 50'000 Jahren zeitgleich.

Zwei unterschiedliche Arten
Wie nahe wir mit dem Neandertaler verwandt sind, wird auch heute noch hitzig diskutiert. Haben sich die beiden Formen miteinander vermischt, so gehört der Neandertaler zu unseren Vorfahren. Sollten die seltenen Begegnungen zwischen Homo sapiens und Neandertalern zu Nachkommen geführt haben, waren diese wahrscheinlich unfruchtbar. Deshalb werden die beiden Formen als getrennte Arten betrachtet. Biologisch sind der Homo sapiens und der Neandertaler nur entfernt miteinander verwandt und sie unterscheiden sich äusserlich ganz klar. Die Begleitfunde zeigen hingegen ein ganz anderes Bild: sie besassen die gleiche Werkzeugtechnologie, ernährten sich auf dieselbe Art und Weise – beide führten demnach ein ähnliches Leben.

151 Jahre nach seiner Entdeckung ist die Stellung des Neandertalers nach wie vor umstritten. Eine Vielzahl an Funden sowie neue Arbeitsmethoden haben die Ansichten über den «barbarischen Halbwilden» jedoch verändert. Sein Erbgut ist inzwischen untersucht, eine zunehmende Zahl an Knochenfunden und auch seine kulturellen Hinterlassenschaften lassen diese Urmenschenform in einem ganz anderen Licht erscheinen.

Die Ausstellung im Museum der Anthropologie gibt einen Einblick in die naturwissenschaftliche Betrachtungsweise dieser Urmenschenfunde. Kurzfilme und Computerdarstellungen vermitteln die kriminalistische Vorgehensweise der Wissenschafter und machen deutlich, dass das Bild dieses rätselhaften Wesens zwar etwas facettenreicher geworden ist, der Neandertaler aber für die Wissenschaft nach wie vor eine grosse Herausforderung darstellt.

«151 Jahre Neandertal»
Die Sonderausstellung im Museum der Anthropologie der Universität Zürich dauert vom 1. Februar bis 10. Dezember 2007.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10.00-16.00 Uhr
Universität Zürich, Irchel
Winterthurerstrasse 190
8057 Zürich