Medienmitteilung vom 22.06.2007
MedienmitteilungUniversität Zürich führt weltweite Studie über Schrittmachertherapie bei Herzinsuffizienz durch
Die Universität Zürich kündigt den Beginn einer weltweiten klinischen Studie zur Untersuchung der Auswirkungen der kardialen Resynchronisationstherapie auf Patienten mit Herzinsuffizienz und schmalem QRS-Komplex an.
Die Universität Zürich kündigt heute eine von Kardiologen
initiierte, gross angelegte, prospektive, randomisierte und
kontrollierte klinische Studie zur Beurteilung der Auswirkungen der
kardialen Resynchronisationstherapie (CRT) auf Patienten mit
Herzinsuffizienz an. Die weltweite Studie unter dem Namen
«Echocardiography guided Cardiac Resynchronization Therapy
(EchoCRT)» ist die erste prospektive, randomisierte klinische
Untersuchung zur Beurteilung der Auswirkungen der kardialen
Resynchronisationstherapie auf Patienten mit fortgeschrittener
Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III) und schmalem QRS-Komplex
(wichtige Kurve des EKG), die eine mittels Echokardiographie
nachgewiesene mechanische Dyssynchronie aufweisen.
«Die CRT bietet für Patienten mit Herzinsuffizienz und
breitem QRS klare klinische Vorteile», erklärte Johannes
Holzmeister, Kardiologe an der Universität Zürich und einer der
beiden leitenden Studienärzte. «Jetzt müssen wir aber die
Auswirkungen der CRT auf Patienten mit schmalem QRS-Komplex
(<120 ms), bei denen 30 Prozent echokardiographisch eine
Dyssynchronie aufweisen, verstehen lernen.»
«Die kardiale Resynchronisationstherapie ist eine neuartige
Behandlungsmethode für unsere Patienten mit fortgeschrittener
Herzmuskelschwäche, die auf Medikamente nicht mehr ausreichend
ansprechen und weiter unter schweren Symptomen wie Atemnot und
Verlust der Leistungsfähigkeit leiden. CRT verbessert und
verlängert das Leben unserer Patienten mit Herzinsuffizienz, deren
Herzmuskel unkoordiniert, d.h. dyssynchron, schlägt. Bisher
beschränkten sich die CRT-Empfehlungen jedoch auf die Minderheit
der Patienten mit Herzinsuffizienz, die im EKG einen breiten
QRS-Komplex aufwiesen», erklärt Frank Ruschitzka, Kardiologe an der
Universität Zürich und einer der beiden Leiter der Studie. «Da die
meisten Patienten mit Herzinsuffizienz jedoch trotz schmalem
QRS-Komplex an den klinischen Folgen der Dyssynchronie leiden,
bietet diese grosse klinische Studie erstmals die Möglichkeit zu
untersuchen, ob CRT auch das Leben unserer vielen Patienten mit
Herzschwäche und schmalem QRS Komplex verbessern und verlängern
kann.»
Über 1000 Patientinnen und Patienten mit fortgeschrittener
Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse III) werden randomisiert einer
Therapie mit CRT bzw. ohne CRT zugeführt, und den Patienten beider
Gruppen wird als Schutz gegen den plötzlichen Herztod ein
implantierbarer Kardioverter-Defibrillator (ICD) eingesetzt.
Hauptziel der Studie ist es herauszufinden, ob die CRT den
kombinierten Endpunkt bestehend aus Gesamtsterblichkeit bzw.
Krankenhauseinweisung infolge von kardiovaskulären Ereignissen
senkt.
Herzinsuffizienz und ventrikuläre Dyssynchronie Auswirkungen
und Therapieansätze
Die Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung mit sehr hoher
Morbidität und Mortalität und eines der bedeutendsten ungelösten
Probleme für die öffentlichen Gesundheitssysteme weltweit. Von
Herzinsuffizienz sind fast 5 Millionen Menschen in den USA, 6
Millionen in Europa und über 22 Millionen weltweit betroffen, und
jährlich sterben über 1,5 Millionen Menschen an den Folgen von
chronischer Herzinsuffizienz.
Bei zahlreichen Patientinnen und Patienten mit
Herzinsuffizienz verschlechtert sich die klinische Zustand und
Prognose durch eine mangelhafte Koordination beim Zusammenziehen
der verschiedenen Anteile des Herzmuskels. Dies führt zu einer
ineffizienten Pumpfunktion und in der Folge reduzierten
Auswurfleistung des Herzens, was die Symptome der Herzschwäche wie
Atemnot und Verlust der Leistungsfähigkeit zur Folge hat. Abhilfe
schafft hier ein neuartiger Herzschrittmacher, bekannt als CRT. Es
hat sich gezeigt, dass die CRT bei Patienten, die unter
Herzinsuffizienz und Dyssynchronie leiden, zusätzlich zur
medikamentösen Therapie die Beschwerden der Patienten verbessern
und ihre Lebenserwartung verlängern kann. Aktuell wird die
Dyssynchronie indirekt über die Veränderungen des
Elektrokardiogramms oder EKG diagnostiziert, und zwar dann, wenn
der QRS-Komplexes, eine wichtige Kurve des EKG, über 120 ms
verlängert ist. Im Gegensatz dazu stellt eine
Ultraschalluntersuchung des Herzens oder auch Echokardiographie
eine direkte und genauere Messgröße für das Mass der ventrikulären
Dyssynchronie dar und kann somit Patienten als Anwärter für CRT
identifizieren, auch ohne indirekten Nachweis einer Dyssynchronie
(Patienten mit schmalem QRS). In der EchoCRT-Studie werden nun zum
ersten Mal Patienten ausgewählt werden, die eine direkt, mittels
Echokardiographie und nicht durch EKG festgestellte Dyssynchronie
aufweisen.
EchoCRT wird finanziell von BIOTRONIK unterstützt
«BIOTRONIK ist stolz, diese bedeutende Studie zu finanzieren
und sich an den industriegeführten Bemühungen im Sinne der
medizinischen Forschung und Entwicklung von neuen Therapien zu
beteiligen. Hierbei handelt es sich um das grösste klinische
Projekt mit höchster Priorität für unser Unternehmen. Mit der
Einführung der Home Monitoring Technologie vor sechs Jahren hat
BIOTRONIK die Paradigmen in der Welt des kardialen
Rhythmusmanagements verändert. Nun setzen wir uns zum Ziel, die
Anwendungsgebiete der kardialen Resynchronisationstherapie zu
erweitern, damit künftig mehr Menschen mit einer besseren Therapie
versorgt werden können», erklärte Dr. Werner Braun, Geschäftsführer
der BIOTRONIK GmbH & Co KG.
EchoCRT wird von einem Exekutivkommitee geleitet, dem eine
weltweit anerkannte Gruppe führender kardiologischer Experten aus
den Bereichen Elektrophysiologie, bildgebende Verfahren und
Herzinsuffizienz-Therapie angehören.
Die Mitglieder des Exekutivkommitees
William T. Abraham, Dr. med., Professor der Medizin und
Leiter der Abteilung kardiovaskuläre Medizin der Ohio State
University; Jeroen J. Bax, Dr. med., Professor für Kardiologie,
Abteilung für Kardiologie, Universitätskrankenhaus Leiden,
Niederlande; Jeffrey S. Borer Dr. med., Professor für Kardiologie,
Weill Medical College of Cornell University und Leiter der
Abteilung für kardiovaskuläre Pathophysiologie am New
York-Presbyterian Krankenhaus, New York; Josep Brugada, Dr. med.,
Leiter der Abteilung für Kardiologie, Thorax Institute,
Universitätskrankenhaus der Universität Barcelona, Spanien; Kenneth
Dickstein, Dr. med., Dr. phil., Universität Bergen, Norwegen;
Daniel Gras, Dr. med., Abteilung für Kardiologie, NCN, Nantes,
Frankreich; Johannes Holzmeister, Dr. med., Co-Principal
Investigator, Klinik für Kardiologie, UniversitätsSpital Zürich;
Henry Krum, Dr. med., Monash University, Melbourne; Frank
Ruschitzka, Co-Principal Investigator, Dr. med., UniversitätsSpital
Zürich.
Die Perspektiven von EchoCRT:
William T. Abraham:
«Diese wegweisende Studie bietet die Möglichkeit, die
Indikation für CRT auf Hunderttausende Patienten mit
Herzinsuffizienz auszuweiten, die diese Therapie dringend
benötigen», erklärte Dr. William T. Abraham. «Diese Patienten haben
eine schlechte Lebensqualität, sind in ihren Tätigkeiten stark
eingeschränkt und weisen hohe Hospitalisierungs- und Sterberaten
auf. Die CRT kann diese Ergebnisse verbessern. Das ist die
Hypothese, die mit EchoCRT zu erforschen ist.»
Jeroen John Bax:
«Wir benötigen dringend weitere Informationen über das
Einsatzpotenzial und die Vorteile von CRT bei Patienten mit
schmalem QRS-Komplex.»
Josep Brugada:
«Bislang konnten Patienten mit Herzinsuffizienz und schmalem
QRS-Komplex nicht in den Genuss der Vorteile der kardialen
Resynchronisationstherapie kommen, weil bis jetzt keine Beweise
dafür vorliegen. Diese Studie wird untersuchen, ob CRT für diese
Patienten von Vorteil sein kann.»
Kenneth Dickstein:
«Die Messung der Dyssynchronie beruhte früher auf
elektrokardiographischen Kriterien, und die CRT-Empfehlungen
beschränkten sich bisher auf Patienten mit Herzinsuffizienz, die im
EKG einen breiten QRS-Komplex aufwiesen. Diese Studie untersucht
die Wirksamkeit in großen Bevölkerungsgruppen mit mittels
Echokardiographie tatächlich nachgewiesener mechanischer
Dyssynchronie, d. h. der wirklichen CRT-Zielgruppe. Daneben bringt
EchoCRT erstmals Experten aus den Gebieten der Elektrophysiologie,
Echokardiographie- und Herzinsuffizienz in einer klinischen Studie
dieser Grössenordnung zusammen.»
Daniel Gras:
«Dank der positiven Ergebnisse der kontrollierten Studien
kann nun eine große Anzahl von Patienten mit Herzinsuffizienz, die
nicht alleine mehr auf Medikamente ansprechen, in den Genuss der
Vorteile der CRT kommen. Dank den jüngsten Fortschritten im Bereich
der Echokardiographie können wir nun Dyssynchronie besser
diagnostizieren und die Resultate dieser Studie werden den Nachweis
führen, ob auch Patienten mit schmalem QRS-Komplex von der Therapie
mit CRT profitieren.»
Henry Krum:
«Positive Studienergebnisse würden die Gültigkeit der
Kombination von gerätebasierenden Therapien mit medikamentöser
Behandlung der Herzinsuffizienz deutlich unterstützen.»
Professor Thomas Lüscher, Klinikdirektor der Klinik für
Kardiologie, UniversitsSpital Zürich kommentiert: «Die schwere
Herzinsuffizienz stellt eine zunehmende klinische Herausforderung
dar. Die CRT stellt inzwischen eine effektive Behandlungsmethode
für viele Patienten dar, für einige sogar eine Alternative zur
Herztransplantation. Zürich ist stolz diese globale
Forschungsanstrengung leiten zu dürfen.»





