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Schädel des Herpetotheriums, Paläontologisches Museum der Universität Zürich

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Schädel des Herpetotheriums, Paläontologisches Museum der Universität Zürich (Bild: Rosi Roth, Paläontologisches Institut der Universität Zürich)

Kontakt

Prof. Marcelo Sánchez
Paläontologisches Institut
und Museum der Universität Zürich
Tel. 044 634 23 42
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Medienmitteilung vom 16.04.2007

Medienmitteilung

UZH-Forscher identifiziert die Schwester aller lebenden Beuteltiere

Forschungsergebnisse von Prof. Marcelo Sánchez, Paläontologe der Universität Zürich, und seinem internationalen Team weisen darauf hin, dass Beuteltiere der Gattung Herpetotherium, nicht – wie bisher angenommen – eine Untergruppe der Familie der Beuteltiere repräsentieren, sondern eine direkte Schwestergruppe derselben. Die Beuteltier-Gattung existierte vor 32 Millionen Jahren im Oligozän von Nordamerika. Mit ihrer Erforschung konnte erstmals die ausgestorbene Schwester-Gattung aller heute lebenden Beuteltier-Gattungen identifiziert werden. Die Studie wurde im Wissenschaftsjournal «Proceedings of the Royal Society, Biology Letters» publiziert.

Beuteltiere (Marsupialia) wie Kängurus, Wombats, Koalabären oder Beutelratten (Opposums) sind seit jeher im Fokus wissenschaftlichen Interesses. Als Forschungsgegenstand faszinieren sie Biologen und Paläontologen gleichermassen, da Kenntnisse der Paläobiologie und der Verwandtschaftsverhältnisse der fossilen Beuteltiere untereinander zu einem besseren Verständnis der Evolution der Säuger wie auch der Unterschiede zwischen marsupialen und plazentalen Säugern – zu denen auch der Mensch gehört – verhilft.

Heute lebende Beuteltiere haben ihren Ursprung auf dem ehemaligen Subkontinent Gondwana: Sie leben auf dessen heutigen «Resten», in Australien und Südamerika, oder sind – vor der geologisch kurzen Zeitspanne von drei Millionen Jahren – von Süd- nach Nordamerika migriert.

Ursprünglich aber waren Beuteltiere weltweit vertreten, dies weist der Fossilbericht – d.h. die Summe aller dokumentierten, in Publikationen beschriebenen Fossilvorkommen – nach. Das Wissen über die heute ausgestorbenen Gattungen ist insgesamt noch lückenhaft. Besonders bruchstückhaft ist der bisherige Fossilbericht im Falle der ursprünglich in Nordamerika beheimateten marsupialen Säugetiere: Hier basiert er lediglich auf fragmenthafte Zahnfunde.

Neue Erkenntnisse liefern nun die Analysen von Prof. Marcelo Sánchez von der Universität Zürich und seinem internationalen Forscherteam aus Frankreich, Großbritannien, den USA und Deutschland: Die Untersuchung von mehreren aussergewöhnlich gut erhaltenen fossilen Schädeln und von zahlreichem Skelettmaterial, das in Wyoming, USA, entdeckt wurde, gibt Aufschluss über die äusserst wichtige Gruppe nordamerikanischer Beuteltiere, die Herpetotherii. Diese Gruppe von Beutlern existierte vor etwa 32 Millionen Jahren im Oligozän von Nordamerika. Bisher wurde davon ausgegangen, dass es sich bei ihr um eine primitive (basale) Gruppe von Beutelratten (Opposums) handelt. Die aktuellen Analysen zeigen hingegen, dass sich die Gattung Herpetotheriumwesentlich vom Opposum unterscheidet und dass sie nicht eine Untergruppe, sondern die direkte Schwestergruppe zur gesamten Radiation heute noch lebender marsupialer Säugetiere bildet. Diese Gruppe ist also gleichsam die Urahnin der ausgestorbenen Schwestern aller heute lebenden Beuteltiere. Erstmals können damit Aussagen über Anatomie und Lebensweise dieser Gruppe gemacht werden. So deutet die Untersuchung der Fossilien, die unter anderem mittels Computertomographie und mikroskopischer Auswertung von Zahnstrukturen erfolgte, auf eine terrestrische Lebensweise und auf eine generalisierte Nahrung aus Insekten- und Pflanzenkost hin. – Der Hauptfund übrigens, einer der hervorragend erhaltenen Schädel, ist Teil der Ausstellung des Paläontologischen Museums der Universität Zürich.