Medienmitteilung vom 12.04.2007
MedienmitteilungUZH-Forscher stoppen Diabetes
Forscher der Universität Zürich haben eine neue Therapie gegen die Volkskrankheit Nummer 1 entwickelt und diese erfolgreich an Patientinnen und Patienten erprobt. Die Therapie bekämpft die Ursache der Diabetes und kann erstmals das Fortschreiten der Krankheit bremsen. Die Studie von Prof. Marc Donath erscheint am 12. April im «New England Journal of Medicine», der Zeitschrift mit dem höchsten Renommée in der Medizin.
Diabetes Typ 2 ist mit einer epidemieartigen Zunahme der Anzahl
von Patientinnen und Patienten zum Gesundheitsproblem Nummer 1
geworden. Zurzeit zählt man weltweit 246 Millionen Diabetiker und
Diabetikerinnen, und man rechnet mit einer Zunahme auf mindestens
380 Millionen Kranke innert 20 Jahren. Fast die Hälfte dieser
Patienten ist zwischen 40 und 59 Jahren alt, d.h. sie sind im
produktivsten Alter. Wirksame neue Therapien, die nicht nur den
Blutzucker senken, sondern auch das Fortschreiten der Krankheit und
ihrer Komplikationen mit einer möglichst sicheren und einfachen
Medikamenten-Verabreichung verhindern, sind dringend notwendig.
Interleukin lässt die Zellen absterben
Seit 10 Jahren arbeitet die Forschungsgruppe von Marc Donath,
Professor für Endokrinologie an der Universität Zürich und am
Universitätsspital, am besseren Verständnis der Krankheit, mit dem
Ziel, diese wirksamer bekämpfen zu können. Bei Diabetes Typ 2 führt
das Überangebot an Nährstoffen, vor allem Glukose (Blutzucker), zu
einem Versagen und Absterben der insulinproduzierenden Zellen. Die
Gruppe von Marc Donath konnte zeigen, dass der Vermittler dieses
Versagens ein Molekül namens Interleukin-1-Beta ist. Basierend auf
dieser Erkenntnis setzte die Gruppe ihre Arbeit mit dem Versuch
fort, diesem Interleukin-1-Beta entgegenzuwirken. Vor drei Jahren
initiierte Marc Donath eine Studie an 70 Patientinnen und Patienten
und in Zusammenarbeit mit einer Forschungsgruppe am Steno Diabetes
Center in Dänemark. In einer so genannt placebokontrollierten
Studie erhielt die eine Hälfte Patientinnen und der Patienten einen
Blocker von Interleukin-1-Beta und die andere Hälfte ein Placebo.
39 Patientinnen und Patienten und wurden in Zürich und 31 in
Dänemark behandelt.
Blutzuckerstoffwechsel verbessert
Bei den therapierten Patienten und Patientinnen zeigte sich
bereits nach einer Woche eine deutliche Verbesserung des
Blutzuckerstoffwechsels, die während der gesamten Studiendauer von
drei Monaten anhielt. Die neue Therapie wurde ausserordentlich gut
toleriert bis auf eine lediglich leichte und vorübergehende Rötung
an der Einspritzstelle. Erfreulicherweise wurde nicht nur die
Insulinproduktion verbessert, sondern auch spezifische
Entzündungsfaktoren gehemmt, die auch für Komplikationen von
Diabetes, wie zum Beispiel im Herz-/Kreislaufbereich, eine Rolle
spielen.
Somit konnte Marc Donath den Beweis an Patienten und
Patientinnen erbringen, dass die Blockierung von Interleukin-1-Beta
den Diabetes Typ 2 verbessert. Wie bedeutend diese Erkenntnis ist,
zeigt die Publikation im «New England Journal of Medicine», der
Zeitschrift mit dem höchsten Renommée in der Medizin.
Monatliche Spritze statt täglich Medikamente
Diese Entdeckung eröffnet mehrere attraktive Perspektiven:
Zum ersten Mal kann durch die Blockierung eines ursächlichen
Faktors der Krankheit, deren Fortschreiten gebremst werden. Zudem
kann auf diesem Weg auch anderen Krankheiten wie
Herz-/Kreislauf-Krankheiten, die mit Diabetes häufig einhergehen,
vorgebeugt werden. Bereits existieren Langzeit-Interleukin-1-Beta
-Blocker, die es erlauben werden, den Diabetes mit ein- bis
dreimonatlichen Spritzen zu behandeln anstelle der heute
erforderlichen mehrmals täglichen Medikamenten-Einnahme. Die
Bedeutung dieser Forschung zeigt sich auch darin, dass schon zwei
amerikanische Firmen mit der Forschungsgruppe von Marc Donath am
Universitätsspital Zürich weitere Studien zur Implementierung
dieser Therapie planen.


