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Prof. Wulf Rössler, Klinische und Soziale Psychiatrie, Telefon 044 296 7400

PD Dr. Christoph Lauber, Klinische und Soziale Psychiatrie, Telefon 044 296 7315

Medienmitteilung vom 28.09.2007

Medienmitteilung

Zuerst im Arbeitsmarkt platzieren – dann trainieren

Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wie z.B. einer Schizophrenie oder einer schweren Depression sind heute nur zu 10-20 Prozent im ersten Arbeitsmarkt tätig. Frühberentung ist die Regel, obwohl die meisten der Betroffenen arbeiten möchten. Forscher der Universität Zürich zeigen nun in einer europäischen Studie, dass diese Menschen viel besser in der freien Wirtschaft beschäftigt werden können als bisher angenommen wurde. Die Studie über das Modell des «Supported Employment» wird am 29.9.2007 in «Lancet» (Volume 370, Number 9553) publiziert.

Die traditionelle Arbeitsrehabilitation von Menschen mit psychischen Erkrankungen erfolgt mehrstufig, meist verbunden mit einem Training in einer geschützten Werkstätte. Doch die Werkstätte erweist sich für viele Betroffenen als Sackgasse; die wenigsten konnten in den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden. Ein Forschungsteam um Prof. Tom Burns von der Universität Oxford und die Zürcher Projektleiter Prof. Wulf Rössler und Christoph Lauber drehte den bisherigen Rehabilitations-Ansatz um: die 312 Studien-Teilnehmenden wurden ohne vorausgehendes Training direkt an einen Arbeitsplatz vermittelt, wo sie und ihre Arbeitgeber aber dann intensiv von einem Job-Coach begleitet wurden. Supported Employment, wie dieser aus den USA stammende Rehabilitationsansatz heisst, zeigte überzeugende Resultate: «In Zürich konnten 42 Prozent der Teilnehmenden mit diesem Ansatz einen Arbeitsplatz finden und erhalten», so Christoph Lauber von der Psychiatrischen Universitätsklinik. «Durch die traditionelle Arbeitsrehabilitation fand nur gerade eine Teilnehmerin einen Arbeitsplatz und verlor ihn bereits nach kurzer Zeit wieder.»

Bei den Studienteilnehmenden verschlechterte sich weder der Krankheitszustand noch veränderte sich die Lebensqualität. Die Häufigkeit und die Länge der Hospitalisierungen konnten bei den mit dem neuen Ansatz Betreuten signifikant verringert werden. Schliesslich konnten die Forscher zeigen, dass die Methode «zuerst platzieren – dann trainieren» die Kosten im Vergleich zur herkömmlichen Arbeitsrehabilitation signifikant senkt.

Wie Privatdozent Christoph Lauber weiter ausführt, unterstützen die Resultate dieser Studie die von der 5. IV-Revision vorgesehenen Bemühungen um Flexibilisierung in der Arbeitsintegration. Mit diesem Integrationsansatz stehen jetzt mehr, flexiblere und stufengerechtere Möglichkeiten zur Verfügung, wie für Menschen mit schweren Erkrankungen und Behinderungen Beschäftigung gefunden und bestehende Arbeitsplätze erhalten werden können.