Medienmitteilung vom 28.09.2007
MedienmitteilungZuerst im Arbeitsmarkt platzieren dann trainieren
Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen wie z.B. einer Schizophrenie oder einer schweren Depression sind heute nur zu 10-20 Prozent im ersten Arbeitsmarkt tätig. Frühberentung ist die Regel, obwohl die meisten der Betroffenen arbeiten möchten. Forscher der Universität Zürich zeigen nun in einer europäischen Studie, dass diese Menschen viel besser in der freien Wirtschaft beschäftigt werden können als bisher angenommen wurde. Die Studie über das Modell des «Supported Employment» wird am 29.9.2007 in «Lancet» (Volume 370, Number 9553) publiziert.
Die traditionelle Arbeitsrehabilitation von Menschen mit
psychischen Erkrankungen erfolgt mehrstufig, meist verbunden mit
einem Training in einer geschützten Werkstätte. Doch die Werkstätte
erweist sich für viele Betroffenen als Sackgasse; die wenigsten
konnten in den allgemeinen Arbeitsmarkt vermittelt werden. Ein
Forschungsteam um Prof. Tom Burns von der Universität Oxford und
die Zürcher Projektleiter Prof. Wulf Rössler und Christoph Lauber
drehte den bisherigen Rehabilitations-Ansatz um: die 312
Studien-Teilnehmenden wurden ohne vorausgehendes Training direkt an
einen Arbeitsplatz vermittelt, wo sie und ihre Arbeitgeber aber
dann intensiv von einem Job-Coach begleitet wurden. Supported
Employment, wie dieser aus den USA stammende Rehabilitationsansatz
heisst, zeigte überzeugende Resultate: «In Zürich konnten 42
Prozent der Teilnehmenden mit diesem Ansatz einen Arbeitsplatz
finden und erhalten», so Christoph Lauber von der Psychiatrischen
Universitätsklinik. «Durch die traditionelle Arbeitsrehabilitation
fand nur gerade eine Teilnehmerin einen Arbeitsplatz und verlor ihn
bereits nach kurzer Zeit wieder.»
Bei den Studienteilnehmenden verschlechterte sich weder der
Krankheitszustand noch veränderte sich die Lebensqualität. Die
Häufigkeit und die Länge der Hospitalisierungen konnten bei den mit
dem neuen Ansatz Betreuten signifikant verringert werden.
Schliesslich konnten die Forscher zeigen, dass die Methode «zuerst
platzieren dann trainieren» die Kosten im Vergleich zur
herkömmlichen Arbeitsrehabilitation signifikant senkt.
Wie Privatdozent Christoph Lauber weiter ausführt,
unterstützen die Resultate dieser Studie die von der 5. IV-Revision
vorgesehenen Bemühungen um Flexibilisierung in der
Arbeitsintegration. Mit diesem Integrationsansatz stehen jetzt
mehr, flexiblere und stufengerechtere Möglichkeiten zur Verfügung,
wie für Menschen mit schweren Erkrankungen und Behinderungen
Beschäftigung gefunden und bestehende Arbeitsplätze erhalten werden
können.
