Medienmitteilung vom 23.07.2007
MedienmitteilungZunahme der Schizophrenien eine Folge des vermehrten Cannabiskonsums?
Forscher der Psychiatrischen Universitätsklinik haben Hinweise auf eine Zunahme schizophrener Psychosen Ende der 90er-Jahre im Kanton Zürich gefunden. Im selben Zeitraum hatte auch der Konsum weicher Drogen stark zugenommen. Die epidemiologische Studie stützt die Vermutung, dass der Konsum von Cannabis das Risiko für Schizophrenien und andere Psychosen erhöht. Die Studie von Prof. Wulf Rössler und Dr. Vladeta Ajdacic-Gross wurde in der Fachzeitschrift «Schizophrenia Research» online veröffentlicht.
Ein Zusammenhang von Cannabis und Psychoserisiko ist den
Forschern schon lange aus experimentellen Untersuchungen und
Einzelfallstudien bekannt. Bisher schien sich dieser Zusammenhang
jedoch nicht in einer grösseren Zahl von Krankheitsfällen
niederzuschlagen auch nicht in liberalen Gesellschaften mit einer
toleranten Haltung gegenüber Drogen. Eine neue Auswertung
epidemiologischer Daten aus dem Kanton Zürich bestätigt die
vermutete Risikoerhöhung, an Schizophrenie zu erkranken, erstmals
im Rahmen einer Bevölkerungsstudie.
Die Forschungsgruppe «Public Mental Health« unter Prof. Wulf
Rössler hat die Entwicklung der Ersteintritte in die stationären
psychiatrischen Einrichtungen des Kantons Zürich statistisch
untersucht. Die untersuchten Zeiträume reichen bis in die
1970er-Jahre zurück. Die Ersteintritte wegen Schizophrenie und
anderen Psychosen vermitteln einen guten Näherungswert für die
tatsächliche Erkrankungsrate, denn die überwiegende Mehrheit der
Personen, die an einer Schizophrenie erkrankt sind, werden eher
früher als später nach Krankheitsbeginn einer stationären
psychiatrischen Einrichtung zugewiesen.
Deutliche Zunahme bei jungen Männern
Dabei stellten die Forscher bei jungen Männern eine
auffällige Zunahme der Erkrankungsraten im Verlauf der 90er-Jahre
fest. Bei den 15-19-Jährigen verdreifachte sich die Rate der
Ersteintritte wegen psychotischer Erkrankungen innert weniger Jahre
bzw. sie verdoppelte sich bei den 20-24-Jährigen. Eine
vergleichbare, jedoch statistisch nicht signifikante Zunahme ist
auch bei den 20-24-jährigen Frauen festzustellen, nicht jedoch bei
anderen Altersgruppen. Zu diesen Befunden passt auch, dass junge
Männer am häufigsten und die grössten Mengen Cannabis konsumieren
sowie am häufigsten einen Mischkonsum aufweisen.
Weniger harmlos als angenommen
«Aus präventiver Sicht erscheint Cannabis weniger harmlos als
gemeinhin angenommen», sagen die beiden Forscher Rössler und
Ajdacic-Gross. Deshalb müsse seine Rolle als Risikofaktor für
psychische Krankheiten, insbesondere für dafür anfällige Personen,
neu eingeschätzt werden. Die Forscher empfehlen auch Menschen, die
aufgrund einer familiären Belastung anfällig für psychische
Krankheiten sind, besser auf Cannabis zu verzichten. Inwieweit der
Mischkonsum mit Ecstasy und anderen amphetaminartigen Substanzen
das Schizophrenierisiko weiter erhöht, bleibt noch zu
untersuchen.
