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Prof. Andreas Maercker, Universität Zürich, Psychologisches Institut
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Medienmitteilung vom 19.05.2008

Medienmitteilung

Ältere Deutsche leiden immer noch an psychischen Folgen des Zweiten Weltkriegs

Posttraumatische Belastungsstörungen in Form von Schlafstörungen, Alpträumen und unmotiviertem Erschrecken sind bei älteren Deutschen stark ausgeprägt. Das fand die erste Studie an der deutschen Bevölkerung heraus, in der posttraumatische Belastungsstörungen über alle Altersgruppen hinweg untersucht wurden. Die Studie, eine Zusammenarbeit von Prof. Andreas Maercker, Universität Zürich, und Prof. Elmar Brähler, Universität Leipzig, erscheint in der Zeitschrift «Nervenarzt» (Heft 5/2008).

Bisher fehlten in Deutschland zuverlässige Angaben über das Vorkommen der posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) in der Bevölkerung. Prof. Andreas Maercker, Leiter der Abteilung Psychopathologie und Klinische Intervention an der Universität Zürich und Prof. Elmar Brähler, Leiter der Abteilung Medizinische Psychologie und Soziologie an der Universität Leipzig, haben 2426 Personen an über 250 Orten in Deutschland befragen lassen, ob sie Traumatisches erlebt haben und ob die Symptome einer posttraumatischen Belastungsstörung vorliegen. An PTBS leiden üblicherweise Personen, die extreme Gewalterfahrungen erlitten haben. Die Störung kann Jahre und Jahrzehnte nach dem Erleben noch Weiterbestehen oder auch nach einer symptomfreien Zeit wieder auftreten.

«Zu unserer Überraschung ist die PTBS bei den 60- bis 95-Jährigen dreimal so häufig wie bei den jüngeren Altersgruppen», fasst Prof. Maercker die Resultate zusammen. Studien in anderen Ländern haben ein völlig anderes Bild ergeben. In den USA, Australien, Kanada und Mexiko hatten die älteren Menschen jeweils die niedrigsten PTBS-Häufigkeiten. Insgesamt zeigten zwei Prozent der Befragten in Deutschland das volle Krankheitsbild einer posttraumatischen Belastungsstörung und weitere drei Prozent eine teilweise PTBS.

Die untersuchten älteren Personen mit PTBS in Deutschland gaben fast alle traumatische Kriegserlebnisse an wie Ausbombung, Vertreibung oder eigenen Kriegseinsatz. Daher schliessen die Forscher der Universitäten Zürich und Leipzig, dass die in der Bevölkerung häufig verbreiteten Kriegserlebnisse bis heute noch bei den Älteren psychische Nachwirkungen haben. Die Ergebnisse der Studie haben für die medizinische und psychotherapeutische Versorgung älterer Personen mit Depressionen, Schlaf- oder Angststörungen eine grosse Bedeutung.