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Dr. Roberto Speck, Klinik für Infektionskrankheiten, Universitätsspital Zürich
Tel. 044 255 3775
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Medienmitteilung vom 18.11.2008

Medienmitteilung

Chronische Stimulation des Toll-like Rezeptors 7 führt zu Aids-ähnlicher Erkrankung

Forschende der Universität Zürich identifizierten die chronische Aktivierung eines Rezeptors als mögliche Triebfeder der fortschreitenden Immunschwäche nach einer Infektion mit HIV. Die Blockierung dieses Rezeptors namens TLR7 könnte die chronische Aktivierung möglicherweise blockieren und sich allenfalls günstig auf den Verlauf einer HIV-Infektion auswirken, wie die Forschenden in der Fachzeitschrift «Blood» berichten.

Eine Ansteckung mit HIV führt zu einer progressiven Immunschwäche, die schliesslich gegenüber banalen Infekten anfällig macht; dieses fortgeschrittene Stadium ist als «Acquired Immunodeficiency Syndrome» (Aids) bekannt. Eine chronische Aktivierung des Immunsystems gilt als eine der Hauptursachen von Aids. Die Mechanismen, die zu dieser chronischen Immunaktivierung führen, sind jedoch nur teilweise verstanden. Eine Studie, die an der Klinik für Infektionskrankheiten des Universitätsspitals Zürich durchgeführt und in der Fachzeitschrift «Blood» veröffentlicht wurde, identifizierte nun eine mögliche Triebfeder der fortschreitenden Immunschwäche.

Das Abwehrsystem bedient sich so genannter Toll-like Rezeptoren (TLR), um sich gegen Mikroorganismen zu wehren. Diese TLR erkennen Strukturen von Mikroorganismen, zum Beispiel von Viren oder Bakterien. Wenn eine Abwehrzelle dank den TLRs einen Mikroorganismus erkennt, wird sie aktiviert und kann dann Abwehrmechanismen gegen diesen Mikroorganismus einleiten. TLR7 erkennt spezifisch die Erbsubstanz von HIV (einzelsträngige, genomische RNA). HIV ist in infizierten Patientinnen und Patienten ständig vorhanden und wird in unbehandelten Patienten in grossen Mengen produziert. Die Gruppe um Dr. Roberto Speck stellte die Hypothese auf, dass die dauerhafte Stimulierung von TLR7 durch HIV eine direkte Ursache der fortschreitenden Immunschwäche ist.

Die Forschenden behandelten Mäuse über mehrere Wochen mit synthetisch hergestellten Teilen von HIV oder mit TLR7-stimulierenden Substanzen und untersuchten deren Wirkung auf das Immunsystem. Tatsächlich zeigte ihre Arbeit, dass eine chronische Stimulation von TLR7 in Mäusen zu einer ähnlichen Aktivierung und Störung des Immunsystems führt, wie sie im HIV-Patienten beobachtet wird. Die direkte und ständige Stimulation von TLR7 durch HIV scheint somit eines der Schlüsselelemente in jenem Mechanismus zu sein, der zur fortschreitenden Immunschwäche führt.

Daten aus Mausexperimenten müssen mit Vorsicht hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf den Menschen interpretiert werden. Eine Studie, die kürzlich in «Nature Medicine» veröffentlicht wurde, kam mit Affen zu der gleichen Schlussfolgerung wie die Gruppe von Dr. Roberto Speck. Auch diese zeigte, dass die Aktivierung über TLR7 eine Schlüsselrolle in der chronischen Aktivierung in der HIV-Krankheit einnimmt, welche schliesslich zu einem Zusammenbruch des Immunsystems führt. Die Blockierung dieser TLR7-vermittelten Signalkaskade könnte deshalb einen neuen therapeutischen Ansatz in der HIV-Erkrankung darstellen.


Originalbeitrag:
Triggering TLR7 in mice induces immune activation and lymphoid system disruption, resembling HIV-mediated pathology, Stefan Baenziger, Mathias Heikenwalder, Pål Johansen, Erika Schlaepfer, Ursula Hofer, Regina C. Miller, Simone Diemand, Kenya Honda, Thomas M. Kundig, Adriano Aguzzi, and Roberto F. Speck.
In: Blood First Edition Paper, DOI: 10.1182/blood-2008-04-151712