Medienmitteilung vom 18.11.2008
MedienmitteilungChronische Stimulation des Toll-like Rezeptors 7 führt zu Aids-ähnlicher Erkrankung
Forschende der Universität Zürich identifizierten die chronische Aktivierung eines Rezeptors als mögliche Triebfeder der fortschreitenden Immunschwäche nach einer Infektion mit HIV. Die Blockierung dieses Rezeptors namens TLR7 könnte die chronische Aktivierung möglicherweise blockieren und sich allenfalls günstig auf den Verlauf einer HIV-Infektion auswirken, wie die Forschenden in der Fachzeitschrift «Blood» berichten.
Eine Ansteckung mit HIV führt zu einer progressiven
Immunschwäche, die schliesslich gegenüber banalen Infekten anfällig
macht; dieses fortgeschrittene Stadium ist als «Acquired
Immunodeficiency Syndrome» (Aids) bekannt. Eine chronische
Aktivierung des Immunsystems gilt als eine der Hauptursachen von
Aids. Die Mechanismen, die zu dieser chronischen Immunaktivierung
führen, sind jedoch nur teilweise verstanden. Eine Studie, die an
der Klinik für Infektionskrankheiten des Universitätsspitals Zürich
durchgeführt und in der Fachzeitschrift «Blood» veröffentlicht
wurde, identifizierte nun eine mögliche Triebfeder der
fortschreitenden Immunschwäche.
Das Abwehrsystem bedient sich so genannter Toll-like
Rezeptoren (TLR), um sich gegen Mikroorganismen zu wehren. Diese
TLR erkennen Strukturen von Mikroorganismen, zum Beispiel von Viren
oder Bakterien. Wenn eine Abwehrzelle dank den TLRs einen
Mikroorganismus erkennt, wird sie aktiviert und kann dann
Abwehrmechanismen gegen diesen Mikroorganismus einleiten. TLR7
erkennt spezifisch die Erbsubstanz von HIV (einzelsträngige,
genomische RNA). HIV ist in infizierten Patientinnen und Patienten
ständig vorhanden und wird in unbehandelten Patienten in grossen
Mengen produziert. Die Gruppe um Dr. Roberto Speck stellte die
Hypothese auf, dass die dauerhafte Stimulierung von TLR7 durch HIV
eine direkte Ursache der fortschreitenden Immunschwäche ist.
Die Forschenden behandelten Mäuse über mehrere Wochen mit
synthetisch hergestellten Teilen von HIV oder mit
TLR7-stimulierenden Substanzen und untersuchten deren Wirkung auf
das Immunsystem. Tatsächlich zeigte ihre Arbeit, dass eine
chronische Stimulation von TLR7 in Mäusen zu einer ähnlichen
Aktivierung und Störung des Immunsystems führt, wie sie im
HIV-Patienten beobachtet wird. Die direkte und ständige Stimulation
von TLR7 durch HIV scheint somit eines der Schlüsselelemente in
jenem Mechanismus zu sein, der zur fortschreitenden Immunschwäche
führt.
Daten aus Mausexperimenten müssen mit Vorsicht hinsichtlich
ihrer Übertragbarkeit auf den Menschen interpretiert werden. Eine
Studie, die kürzlich in «Nature Medicine» veröffentlicht wurde, kam
mit Affen zu der gleichen Schlussfolgerung wie die Gruppe von Dr.
Roberto Speck. Auch diese zeigte, dass die Aktivierung über TLR7
eine Schlüsselrolle in der chronischen Aktivierung in der
HIV-Krankheit einnimmt, welche schliesslich zu einem Zusammenbruch
des Immunsystems führt. Die Blockierung dieser TLR7-vermittelten
Signalkaskade könnte deshalb einen neuen therapeutischen Ansatz in
der HIV-Erkrankung darstellen.
Originalbeitrag:
Triggering TLR7 in mice induces immune activation and
lymphoid system disruption, resembling HIV-mediated pathology,
Stefan Baenziger, Mathias Heikenwalder, Pål Johansen, Erika
Schlaepfer, Ursula Hofer, Regina C. Miller, Simone Diemand, Kenya
Honda, Thomas M. Kundig, Adriano Aguzzi, and Roberto F. Speck.
In: Blood First Edition Paper, DOI:
10.1182/blood-2008-04-151712
