Medienmitteilung vom 01.09.2008
MedienmitteilungFuchsbandwurm: Von der tödlichen Krankheit zur gut behandelbaren Infektion
Erkrankte 1970 ein erwachsener Mann an Fuchsbandwurm, so sank seine Lebenserwartung um 18 Jahre. Heute reduziert sich die Lebenserwartung dank stark verbesserter Therapie nur noch um rund drei Jahre. Wie Forschende der Universität Zürich und des Universitätsspitals weiter zeigen konnten, ist die medikamentöse Behandlung der alveolären Echinokokkose auch sehr kosteneffektiv.
Der Fuchsbandwurm oder die alveoläre Echinokokkose ist eine
seltene Wurmerkrankung, die vom Fuchs auf den Menschen übertragen
wird. Die Erkrankung hat in der Schweiz um mehr als das doppelte
zugenommen hat, wie eine Forschungsgruppe um Privatdozent Beat
Müllhaupt vom Universitätsspital Zürich in den letzten Jahren
zeigen konnte. Dies vor allem wegen einer deutlichen Zunahme der
Fuchspopulation und dem Eindringen der Füchse in die grossen
Agglomerationen und Städte.
Bei Menschen befällt der Fuchsbandwurm vor allem die Leber
und verhält sich dort wie ein bösartiger Tumor, der die Leber
zunehmend zerstört, aber auch in die umgebenden Organe einwachsen
und Ableger in Lunge, Knochen und Hirn setzen kann. Unbehandelt
endet die Erkrankung innert zehn Jahren in über 90 Prozent der
Fälle tödlich. Die Behandlung erster Wahl ist die chirurgische
Entfernung des Tumors, meistens in Kombination mit einer
medikamentösen Behandlung. Ist dies nicht möglich, muss eine
medikamentöse Dauertherapie durchgeführt werden.
«Wir haben in der schweizerischen Multizenterstudie an 329
Patientinnen und Patienten die Langzeitprognose untersucht und die
Kosteneffektivität der heutigen Behandlung analysiert», erklärt
Beat Müllhaupt, Leitender Arzt der Klinik für Gastroenterologie und
Hepatologie. Wie die Forschenden im «Journal of Hepatology» (Volume
49, Issue 1) berichten, war 1970, als eine medikamentöse Behandlung
der Fuchsbandwurmerkrankung noch nicht möglich war, die
Lebenserwartung eines 54-jährigen Mannes mit
Fuchsbandwurmerkrankung um 18,2 Jahre und einer Frau um 21,3 Jahre
reduziert. Dank der stark verbesserten Behandlungsmöglichkeiten ist
die Lebenserwartung heute für Männer und Frauen nur noch um 3,5
respektive 2,6 Jahre reduziert.
An einer Untergruppe von 155 Patientinnen und Patienten haben
die Forschenden auch die Kosten der Behandlung analysiert. Im
Durchschnitt kosten die Behandlung eines Patienten ca. 109'000
oder 182'000 CHF. «Dieser Betrag erscheint auf den ersten Blick
hoch», sagt Beat Müllhaupt. «Wenn er aber in Bezug zu den gewonnen
Lebensjahren gesetzt wird, so wird klar, dass die Behandlung sehr
kosteneffektiv ist.» Denn ein gewonnenes Lebensjahr kostet nur
10'000 CHF, was verglichen mit anderen modernen Behandlung von
chronischen Erkrankungen sehr tief ist.
Diese Langzeituntersuchung von Patientinnen und Patienten mit
Fuchsbandwurm zeigt, dass die moderne Behandlung die Prognose
dieser Patienten, die unbehandelt in aller Regel an der Erkrankung
verstorben sind, deutlich verbessert, zu Kosten, die im Vergleich
zu anderen akzeptieren modernen Therapien relativ tief sind.
