Medienmitteilung vom 24.06.2008
MedienmitteilungGlückshormon Serotonin fördert das Wachstum von Dickdarmkrebs
Ein Wissenschaftlerteam der Universität Zürich und des Universitätsspitals haben eine neue Funktion des als Glückshormon bekannten Serotonins entdeckt. Serotonin fördert durch die Beeinflussung der Tumorgefässe das Wachstum von Dickdarmkrebs. Die Publikation erscheint in der neuesten Ausgabe der Fachzeitschrift «Cancer Research» (Volume 68, Issue 13).
Das Hormon Serotonin erfüllt verschiedenste Aufgaben im
menschlichen Organismus es überträgt Signale im Gehirn,
unterstützt die Verdauung und ist an der Regulation des Blutdrucks
im Herz-Kreislaufsystem beteiligt. Serotonin wird überwiegend in
den Blutplättchen gespeichert. Diese verteilen es im gesamten
Körper und setzen den Botenstoff bei Bedarf in den verschiedenen
Organen frei.
Forscher am schweizerischen Zentrum für Leber-,
Bauchspeicheldrüsen- und Gallenwegserkrankungen (Swiss HPB-Center)
haben unter der Leitung von Prof. Pierre-Alain Clavien das Wachstum
von Dickdarmkrebs bei Mäusen untersucht, deren Blutplättchen kein
Serotonin enthielten. «Wir konnten zeigen, dass die Tumoren
wesentlich langsamer wuchsen als bei Kontrolltieren mit
gewöhnlichen Blutplättchen», erklärt Prof. Clavien. Normalisierten
die Wissenschaftler den Serotoningehalt, wuchsen die
Dickdarmtumoren wieder genauso schnell wie bei den Kontrolltieren.
Anhand weiterer Untersuchungen stellten die Forscher fest, dass
Serotonin - über eine Wechselwirkung mit den in den Tumoren
enthaltenen Fresszellen (Makrophagen) - die Gefässneubildung im
Dickdarmkrebs fördert. Die Ergebnisse dieser experimentellen Studie
werden im Juli dieses Jahres in der renommierten Fachzeitschrift
für Onkologie «Cancer Research» publiziert.
Überlebenschancen verbessern
Der Dickdarmkrebs ist der dritthäufigste bösartige Tumor in
den industrialisierten Ländern. Jährlich werden in der Schweiz mehr
als 4100 Menschen mit der Diagnose Darmkrebs konfrontiert. Bei
fortgeschrittenem Leiden schliesst sich der Operation eine
Chemotherapie an, die das Wachstum der im Körper verbliebenen
Krebszellen hemmt. «Obwohl die Behandlung in den letzten
Jahrzehnten durch die Entwicklung neuer Medikamente verbessert
werden konnte, bleibt das Langzeitüberleben schlecht» sagt Prof.
Clavien. «Aus diesem Grund sind die neuen Erkenntnisse über die
Schlüsselrolle des Serotonins äusserst wichtig.» Der Botenstoff
stellt einen viel versprechenden neuen Angriffspunkt für die
Prävention und Behandlung des Dickdarmkrebses dar. So könnte eine
Therapie mit bereits verfügbaren und zurzeit anderweitig
eingesetzten Serotonin hemmenden Substanzen das Langzeitüberleben
verbessern.






