Medienmitteilung vom 30.05.2008
MedienmitteilungGlutamat führt zum Hirnödem bei bösartigen Tumoren
Hirnödeme können verhindert werden, wenn die Glutamat-Abgabe gestoppt wird. Zum diesem Schluss kommen Forscher der Universität Zürich, die in «Nature Medicine» den Zusammenhang zwischen Hirntumoren und der Bildung von Hirnödemen nachweisen. Dies könnte ein neuer Ansatz sein, um die Sterblichkeit bei diesen Tumoren zu verringern.
Bei der Behandlung von Hirntumoren kämpfen Ärzte häufig gegen
die exzessive Flüssigkeitsansammlung im Hirngewebe, das perifokales
Hirnödem genannt wird. In der aktuellen Ausgabe der international
renommierten Fachzeitschrift «Nature Medicine» berichten Zürcher
Hirnforscher in Kooperation mit Ärzten nun über den Zusammenhang
zwischen Hirntumore und der Bildung von Hirnödemen. Die
Forschergruppe um Dr. Savaskan konnte zeigen, dass Hirntumore
(Gliome) grosse Mengen des Neurotransmitters Glutamat abgeben. Dies
führt zum Tod von Nervenzellen und somit zum Verlust von gesundem
Hirngewebe im umliegenden Hirnbereich. Als Folge davon
verschlechtert sich die Lebensqualität des Patienten und seine
Überlebenszeit reduziert sich. Wenn die Glutamat-Abgabe
pharmakologisch oder genetisch mittels kleiner RNA-Moleküle
blockiert wurde, blieb der Verlust von gesundem Hirngewebe aus und
es bildete sich kein Ödem in Tierversuchen. Zudem verbesserte sich
die Lebensqualität und der Allgemeinzustand der Versuchstiere
deutlich. Diese Daten deuten auf einen potentiell neuen
Therapieansatz hin, bei dem nicht das Tumorwachstum selbst mittels
Chemotherapie bekämpft wird, sondern seine gewebeschädigende
Wirkung auf das gesunde Gehirngewebe verhindert wird.
«Nüchtern gesehen haben diese Untersuchungen zunächst keinen
unmittelbaren Einfluss auf das Überleben für Patienten», sagt
Nicolai Savaskan. «Die Resultate schaffen jedoch einen besseren
Einblick in die Biologie dieses Tumors.» Bis heute haben die
therapeutischen Konzepte in den letzten 40 Jahren keine Heilung
oder eine deutliche Verlängerung der Überlebenszeit gebracht. Durch
das neue molekulare Verständnis wäre in den nächsten Jahren eine
neue und eventuell effektivere therapeutische Option denkbar.
