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Prof. Wulf Rössler, Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie ZH West, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
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Dr. med. Matthias Jäger, Klinik für Soziale Psychiatrie und Allgemeinpsychiatrie ZH West, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich
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Medienmitteilung vom 02.07.2008

Medienmitteilung

Hirnforschung in der Schweiz wird hauptsächlich durch Privatwirtschaft finanziert

Für die Erforschung von psychiatrischen und neurologischen Erkrankungen werden in der Schweiz jährlich mindestens 630 Millionen Franken ausgegeben. Dies entspricht rund vier Prozent der Kosten, die diese Erkrankungen verursachen. Nur zwei Prozent der Forschungsgelder stammen aus öffentlichen Mitteln, der grösste Anteil wird durch die pharmazeutische Industrie finanziert, wie eine Studie der Universität Zürich zeigt.

Die Studie der Forscher der Universität Zürich zeigt zum ersten Mal, wie die Hirnforschung in der Schweiz finanziert wird. Die Erforschung psychiatrischer und neurologischer Erkrankungen erfolgt zu 98 Prozent aus privatwirtschaftlichen Mitteln, wie Prof. Wulf Rössler und Matthias Jäger, Psychiatrische Universitätsklinik Zürich, in der Zeitschrift «Swiss Medical Weekly» berichten.

Durch den hohen Anteil an privaten Forschungsgeldern liegen die Ausgaben für Hirnforschung in der Schweiz (86 Franken pro Einwohner) insgesamt deutlich über dem europäischen Durchschnitt (14 Franken pro Einwohner) und sogar noch vor den USA (78 Franken pro Einwohner). Die öffentlichen Ausgaben liegen dagegen mit 14 Millionen Franken unter dem europäischen Durchschnitt und betragen nur 5 Prozent der Pro-Kopf-Ausgaben in den USA.

Die Erforschung psychiatrischer Erkrankungen wird dabei besonders schlecht unterstützt. Diese Erkrankungen verursachen zwei Drittel der Kosten von Gehirnerkrankungen, erhalten aber nur einen Drittel der Ressourcen für Hirnforschung. Die Investitionen in die psychiatrische und neurologische Forschung entsprechen derzeit nur rund vier Prozent der Krankheitskosten. Am Besten finanziert im Verhältnis zu den Krankheitskosten wird die Forschung im Bereich des Morbus Parkinson (24 Prozent der Krankheitskosten), gefolgt von Schlaganfall (14 Prozent) und Epilepsie (13 Prozent). Am wenigsten Forschungsgeld im Verhältnis zu den Krankheitskosten erhalten Schädel-Hirn-Traumata und die meisten psychiatrischen Erkrankungen (0,5-3 Prozent).

Ressourcen nach Forschungsbedarf zuteilen
Die als Teil des europäischen Projektes «Resource Allocation for Brain Research in Europe» angelegte Schweizer Studie belegt, dass sich die Ressourcenzuteilung in der medizinischen Forschung nicht nach dem Forschungsbedarf richtet sondern nach veralteten Regulierungen. Während die Grundlagenforschung bei Organen wie Herz und Niere weiter fortgeschritten ist und für die Prävention und Behandlung von Erkrankungen wichtig ist, besteht in der Hirnforschung ein grosser Nachholbedarf für das Verständnis der normalen Hirnfunktionen. Bei der Zuteilung der Ressourcen müsste dies berücksichtigt werden, so die Autoren. Ausserdem verursachen Erkrankungen des Gehirns häufig durch ihre chronischen Verläufe und funktionellen Einschränkungen hohe indirekte Krankheitskosten. Die Ressourcenallokation sollte sich deshalb an grundlegenden Gegebenheiten wie die Häufigkeit und die Kosten der Erkrankungen orientieren, folgern die beiden Autoren.