UZH News
Mediadesk
Agenda

Kontakt

Prof. Robert Dudler, Institut für Pflanzenbiologie, Universität Zürich
Tel +41 44 634 82 52
Mail

Medienmitteilung vom 09.04.2008

Medienmitteilung

Krebswirkstoff aus der Natur

Pflanzen verfügen über Abwehrmechanismen, mit denen sie sich gegen Angriffe von Schädlingen wie Pilzen, Insekten und Bakterien schützen. Bestimmte Bakterien manipulieren die Abwehr von Pflanzen gezielt mit Substanzen, die sie in die pflanzliche Zelle einbringen. Syringolin ist eine solche Substanz mit neuartiger Wirkweise. Der Naturstoff hemmt weiter auch das Wachstum von Krebszellen, wie Forscher der Universität Zürich in «Nature» (Volume 452, Number 7188) berichten.

Bakterien versuchen auf verschiedene Art und Weise, Pflanzen anzugreifen und deren Abwehrmechanismen auszuschalten. Pseudomonas-Bakterien, die sich auf Kulturpflanzen wie Buschbohnen, Trauben und Birnen vermehren und dadurch grosse Schäden hervorrufen, sondern bei ihren Angriffen die Substanz Syringolin ab. Wie Syringolin wirkt, konnte Prof. Robert Dudler vom Pflanzenbiologischen Institut der Universität Zürich zusammen mit Partnern aus Deutschland, Grossbritannien und den USA zeigen. Die natürliche Substanz hemmt die Proteasomen, die normalerweise in Zellen Proteine kontrolliert abbauen und zahlreiche zelluläre Vorgänge entscheidend mitregulieren. Durch diese Hemmung werden die Abwehrmechanismen der Pflanze teilweise unterdrückt - die schädlichen Bakterien können sich erfolgreich in der Pflanze vermehren.

Das Wissen über die Struktur und den neuartigen Wirkmechanismus der bakteriellen Substanz dient nicht nur der Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln, wie Prof. Dudler erklärt. Die Forschungsresultate könnten auch zur Entwicklung neuer Krebsmedikamente beitragen, da Proteasomen-Hemmer eine viel versprechende Klasse von Anti-Tumor-Wirkstoffen bilden. Bereits seit einigen Jahren werden synthetische Proteasomen-Hemmer als Anti-Krebs-Therapeutika eingesetzt. Syringolin und seine Derivate könnten diese ergänzen, denn in ersten Experimenten mit kultivierten Krebszellen zeigte der Naturstoff eine wachstumshemmende und zelltötende Wirkung.