Medienmitteilung vom 09.04.2008
MedienmitteilungKrebswirkstoff aus der Natur
Pflanzen verfügen über Abwehrmechanismen, mit denen sie sich gegen Angriffe von Schädlingen wie Pilzen, Insekten und Bakterien schützen. Bestimmte Bakterien manipulieren die Abwehr von Pflanzen gezielt mit Substanzen, die sie in die pflanzliche Zelle einbringen. Syringolin ist eine solche Substanz mit neuartiger Wirkweise. Der Naturstoff hemmt weiter auch das Wachstum von Krebszellen, wie Forscher der Universität Zürich in «Nature» (Volume 452, Number 7188) berichten.
Bakterien versuchen auf verschiedene Art und Weise, Pflanzen
anzugreifen und deren Abwehrmechanismen auszuschalten.
Pseudomonas-Bakterien, die sich auf Kulturpflanzen wie Buschbohnen,
Trauben und Birnen vermehren und dadurch grosse Schäden
hervorrufen, sondern bei ihren Angriffen die Substanz Syringolin
ab. Wie Syringolin wirkt, konnte Prof. Robert Dudler vom
Pflanzenbiologischen Institut der Universität Zürich zusammen mit
Partnern aus Deutschland, Grossbritannien und den USA zeigen. Die
natürliche Substanz hemmt die Proteasomen, die normalerweise in
Zellen Proteine kontrolliert abbauen und zahlreiche zelluläre
Vorgänge entscheidend mitregulieren. Durch diese Hemmung werden die
Abwehrmechanismen der Pflanze teilweise unterdrückt - die
schädlichen Bakterien können sich erfolgreich in der Pflanze
vermehren.
Das Wissen über die Struktur und den neuartigen
Wirkmechanismus der bakteriellen Substanz dient nicht nur der
Entwicklung von Pflanzenschutzmitteln, wie Prof. Dudler erklärt.
Die Forschungsresultate könnten auch zur Entwicklung neuer
Krebsmedikamente beitragen, da Proteasomen-Hemmer eine viel
versprechende Klasse von Anti-Tumor-Wirkstoffen bilden. Bereits
seit einigen Jahren werden synthetische Proteasomen-Hemmer als
Anti-Krebs-Therapeutika eingesetzt. Syringolin und seine Derivate
könnten diese ergänzen, denn in ersten Experimenten mit
kultivierten Krebszellen zeigte der Naturstoff eine
wachstumshemmende und zelltötende Wirkung.
