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(Bild: Universität Zürich)

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Prof. Pierre-Alain Clavien,
Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie
Universitätsspital Zürich
Tel. 41 44 255 2300
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Medienmitteilung vom 07.05.2008

Medienmitteilung

Prof. Pierre-Alain Clavien erhält den Otto Naegeli-Preis 2008

Prof. Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich und Ordinarius der Universität Zürich, erhält heute Mittwoch den Otto Naegeli-Preis 2008 der Bonizzi-Theler Stiftung. Prof. Clavien ist der erste Chirurg, der mit dieser bedeutenden Auszeichnung geehrt wird.

Die Stiftung ehrt Prof. Clavien für seine hervorragenden Leistungen auf verschiedenen Gebieten der Leber- und Pankreaschirurgie (Leber und Bauchspeicheldrüse). Im Rahmen von Leberoperationen wird die Durchblutung der Leber kompromittiert oder vorübergehend nahezu ganz ausgeschaltet. Dies führt zu zellulären Veränderungen oder gar zum Absterben der Leberzellen. Prof. Clavien hat nach Möglichkeiten gesucht, wie die Leber nach derartigen Phasen der Minderdurchblutung besser vor den Folgeschäden geschützt werden kann. Die dabei gewonnenen und publizierten Erkenntnisse haben die Medizin und insbesondere die Leberchirurgie verändert.

Sein Interesse gilt ferner der Leberregeneration. Die Leber hat die natürliche und einzigartige Fähigkeit, nach Entfernung eines Teils zu regenerieren. Diese Fähigkeit wird insbesondere bei der Lebertransplantation mit Lebendleberspende ausgenutzt. Abhängig von der jeweiligen Krankheit kann dieses Regenerationspotenzial jedoch stark eingeschränkt sein. Prof. Clavien hat den bis anhin unbekannten zellulären Mechanismus innerhalb der Blutplättchen und des Serotonins entdeckt, welcher bei der Leberregenration eine Rolle spielt. Basierend auf diesen Erkenntnissen werden weltweit neue therapeutische Konzepte in der Leberchirurgie entwickelt.

Der forschende Chirurge
Prof. Clavien ist jedoch nicht nur als Forscher auf dem Gebiet der Leberchirurgie und Lebertransplantation international anerkannt, sondern auch als Chirurg und Klinikleiter. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz im Jahr 2000 hat er mit grossem persönlichem Einsatz eine moderne, nach amerikanischem Vorbild akademisch geführte Abteilung für Viszeral- und Transplantationsmedizin an der Universität Zürich aufgebaut. Sein grösstes Anliegen ist die Aufwertung des Ansehens des akademischen Chirurgen. Die Chirurgie ist ein Fach, in welchem Ärztinnen und Ärzte die manuellen Fähigkeiten lernen und perfektionieren und sich gleichzeitig auch das Basiswissen für die Grundlagenforschung aneignen müssen. «Prof. Clavien lebt vor, wie man erfolgreich als Chirurg und Direktor einer grossen Universitätsklinik tätig sein und gleichzeitig der Forschung auf höchstem internationalem Niveau nachgehen kann», so die Laudatio der Stiftung.

Plädoyer für bessere Rahmenbedingungen
In seiner Rede an der Preisverleihung plädierte Prof. Clavien für Rahmenbedingungen, die in der Schweiz eine Entwicklung hin zur kompetitiven Spitzenmedizin auf internationaler Ebene ermöglichen. Er kritisierte, dass seit mehreren Dekaden vermehrt Generalisten mit hoher klinischer Arbeitsbelastung und ohne klaren Fokus an der Spitze von Universitätskliniken stehen, was er als gefährliche Entwicklung erachtet: «Es besteht kein Zweifel, dass auch Generalisten Forschung betreiben können. Leider ist aber ihre Ausbildung in dieser Hinsicht ungenügend, und sie sind zuwenig mit der Methodik der Forschung, insbesondere der Grundlagenforschung, vertraut.» Prof. Clavien legte dar, wie die Fokussierung auf ein klinisches Gebiet in eine vertiefte Forschungstätigkeit mündet: Mittels klinischer Spezialisierung werden noch unbekannte klinische Probleme erfasst und in Forschungsfragen umformuliert. Aus diesen Fragestellungen werden experimentelle Projekte, sind diese erfolgreich, kommen klinische Projekte dazu. Die Ergebnisse fliessen in den klinischen Alltag und sind in erster Linie von unmittelbarem Nutzen für den Patienten. Sodann werden die Forschungsergebnisse publiziert, woraus Spital und Universität Nutzen ziehen. Dies zeige, so Clavien, wie wichtig klinische Spezialisierung sei und weshalb die akademische Chirurgie – welche hier stellvertretend für alle perioperativen Fächer inklusive Intensivmedizin und Anästhesie stehe – mit Förderungsmassnahmen unterstützt werden müsse.

Junge und talentierte Ärztinnen und Ärzte müssten frühzeitig erkannt und ihnen die für ihre Entwicklung notwendige Freiheit zur Forschung und Spezialisierung geboten werden. Dabei verwies Prof. Clavien auf das in Nordamerika praktizierte Tenure-Track System, das eines der besten universitären Förderungssysteme sei. Es biete bei der Auswahl der Besten Freiräume, setze aber auch klare Leitlinien, um Forschung und klinische Tätigkeit auf höchstem Niveau zu fördern. Prof. Clavien diagnostizierte politischen Handlungsbedarf, um in der Schweiz eine Entwicklung hin zur Spitzenmedizin zu ermöglichen: «Es genügt nicht, nur Gesetze wie dasjenige der 50-Stundenwoche für Ärztinnen und Ärzte zu erlassen, die dieser Entwicklung entgegen wirken», kritisierte der Preisträger.

Von Genf über Durham nach Zürich
Prof. Pierre-Alain Clavien studierte an der Universität Genf Medizin und wurde an der Duke University, Durham, North Carolina, im Rahmen des Tenure-Track Systems zum Full Professor und Chefarzt der Division of Transplantation and Liver Surgery. Im Jahre 2000 erfolgte die Berufung als Ordinarius der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich und zum Direktor für Viszeral- und Transplantationschirurgie am Universitätsspital Zürich.

Prof. Pierre-Alain Clavien hat zahlreiche, viel beachtete Artikel in renommierten medizinischen Zeitschriften publiziert und vier Lehrbücher verfasst. Er gilt als international anerkannte Kapazität auf seinem Spezialgebiet. Mehrere seiner Forschungsprojekte wurden vom National Institutes of Health (NIH, USA) und vom Schweizerischen Nationalfond (SNF) finanziert. Er gehört den weltweit wichtigsten Organisationen seiner Berufsrichtung an und ist seit 2004 Mitglied des Forschungsrates des Schweizerischen Nationalfonds. Als Mitglied der Schweizerischen Akademie der Medizinischen Wissenschaften beschäftigt er sich zudem intensiv mit Zukunftsperspektiven der Medizin in der Schweiz.

Der mit 200’000 Franken dotierte Otto Naegeli-Preis ist eine der bedeutendsten wissenschaftlichen Auszeichnungen der Schweiz. Der Otto Naegeli-Preis zur Förderung der medizinischen Forschung wird alle zwei Jahre von der Bonizzi-Theler Stiftung verliehen. Er ist nach dem 1938 verstorbenen grossen Wissenschaftler und Lehrer für innere Medizin an der Universität Zürich, Professor Otto Naegeli, benannt.