Medienmitteilung vom 11.09.2008
MedienmitteilungProfitbasierte Entlöhnung für Manager ist kontraproduktiv
Eine höhere leistungsabhängige Entlöhnung des Top-Managements in Form von Aktien, Optionen oder Bonuszahlungen führt nicht zu einer höheren Unternehmensperformance. Wie Prof. Margit Osterloh und Katja Rost von der Universität Zürich in einer neuen Studie belegen, können sich solche Pay for Performance-Vergütungen sogar kontraproduktiv auf Leistungen auswirken, da sie die intrinsische Motivation verdrängen und zur Eigennutzmaximierung verleiten.
Angesichts der gegenwärtigen globalen Finanzmarktkrise und der
Bilanzskandale fällt es immer schwerer, der These der
Standardökonomie zu folgen, wonach erfolgsabhängige Vergütung zu
mehr Leistungen führe. Prof. Margit Osterloh und Katja Rost haben
deshalb untersucht, ob höhere variable Managementvergütungen die
Unternehmensperformance tatsächlich steigern. Sie kombinierten die
Resultate von 76 wissenschaftlichen Studien aus 123767 untersuchten
Unternehmen und stellten fest: «Die Höhe des variablen
CEO-Einkommens erklärt die Unternehmensperformance nur zu 1,2
Prozent», fasst Katja Rost, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für
Organisation und Technologie- und Innovationsmanagement, die
Ergebnisse zusammen. Das heisst, das mittlerweile hohe Ausmass an
Bonus-, Aktien- und Optionszahlungen an den CEO hat praktisch
keinen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.
Unbedeutend für Unternehmensgewinn
Um den fehlenden Zusammenhang zwischen Pay for Performance
und Unternehmensperformance zu erklären, untersuchten die
Wirtschaftswissenschaftlerinnen die zeitliche Entwicklung des
Zusammenhangs zwischen variablen CEO-Löhnen und
Unternehmensperformance. «Pay for Performance war nicht immer
unwirksam», erklärt Katja Rost. «Vielmehr nahm die Wirksamkeit im
Laufe der Jahre dramatisch ab.» Beispielsweise bewirkte 1950 ein
CEO-Bonus tatsächlich eine eindrückliche Steigerung des
Unternehmensgewinns. Im Jahr 2007 führt ein höherer CEO-Bonus
hingegen zu einer leichten Senkung des Unternehmensgewinns.
Extrapoliert man dieses Ergebnis, so würde der negative
Zusammenhang im Jahr 2020 deutlich zutage treten. Demnach steigt
künftig mit dem Bonus sogar die Wahrscheinlichkeit für einen
Rückgang der Unternehmensperformance. Der Zusammenhang zwischen
Aktien- und Optionsplänen und Unternehmensperformance ist im
Zeitverlauf konstant gering. Folglich war und ist es für die
Unternehmensperformance unbedeutend, ob und wie viele Optionen und
Aktien ein Unternehmen an seinen CEO vergibt, so das Fazit der
beiden Wissenschaftlerinnen.
Kontraproduktive Anreize
Dennoch gilt Pay for Performance als Inbegriff einer
fortschrittlichen Managementmethode. Solche Moden führten auf
längere Sicht aber oft zu Dysfunktionalitäten, erklärt Margit
Osterloh. Im Fall von Pay for Performance sind dies die Verdrängung
der intrinsischen Motivation von Managern, kontraproduktive
Verhaltensanreize (z. B. für Manipulationen und Verschleierung von
Risiken) sowie negative Selektionseffekte, weil sich insbesondere
eigennützige Manager von Unternehmen mit Pay for Performance
angezogen fühlen. Als Folge werden zusätzliche Kontrollmassnahmen
notwendig. «Die Vergangenheit zeigt allerdings, dass Moden trotz
ihrer Dysfunktionalität zählebig sein können so lange, bis die
nächste Mode auftaucht», sagt Margit Osterloh.
Rost, K., Osterloh, M. (2007), Managementfashion Pay-for-Performance, in: Vartiainen, M., Antoni, C. Baeten, X., Hakonen, N., Lucas, R., Thierry, T. (2008), in: Reward Management Facts and Trends in Europe, 139-163, Papst.
