Medienmitteilung vom 14.01.2008
MedienmitteilungPsychiatrische und neurologische Erkrankungen verursachen einen Sechstel der Gesundheitskosten
Psychiatrisch-neurologische Erkrankungen belasten das Schweizer Gesundheitswesen mit 16 Prozent der Gesamtkosten. Die Ausgaben dafür betragen jährlich 15 Milliarden Franken oder über 2000 Franken pro Einwohnerin und Einwohner. Damit verursachen psychiatrisch-neurologische Krankheitsbilder weitaus mehr Kosten als jede andere Krankheitsgruppe, wie Forscher der Universität Zürich in der ersten umfassenden Berechnung zeigen. Depression ist mit einem Kostenanteil von 30 Prozent die teuerste neuropsychiatrische Erkrankung.
Bislang existierte in der Schweiz keine umfassende Berechnung
der Kosten psychiatrisch-neurologischer Erkrankungen. Eine Studie
von Forschern der Universität Zürich, die in der Zeitschrift «Swiss
Medical Weekly» am 12.1.2008 veröffentlicht wurde, schätzt erstmals
die Gesamtkosten von Gehirn-Erkrankungen.
Wulf Rössler und Matthias Jäger zufolge ist jährlich jeder
fünfte Einwohner der Schweiz von einer neuropsychiatrischen
Erkrankung betroffen. Die häufigsten psychiatrische Erkrankung sind
Angsterkrankungen mit 710 000 Fällen während Migräne mit 630 000
Fällen die häufigste neurologischer Erkrankung ist. Trotz ihrer
Häufigkeit verursachen diese Erkrankungen relativ geringe Kosten
(durchschnittliche Kosten für Angsterkrankungen 2700 Franken, für
Migräne 1700 Franken). Hirntumore und Multiple Sklerose kosten
dagegen viel (112000 Franken, 68000 Franken), obwohl sie eher
selten sind. Depressionen und bipolare Erkrankungen (früher
manisch-depressiver Erkrankungen benannt) sind sowohl häufig als
auch kostenintensiv (11000 Franken, 17000 Franken) und damit die
teuersten psychiatrischen Erkrankungen. Insgesamt verursachen
psychiatrische Erkrankungen 78 Prozent der Gesamtkosten,
neurologische und neurochirurgische Erkrankungen nur 22 Prozent.
Die Gesamtkosten psychiatrisch-neurologischer Erkrankungen in
der Schweiz betragen 15 Milliarden Schweizer Franken, wobei
indirekte Folgekosten der Erkrankungen wie Arbeitsausfall und
Frühpensionierung fast 50 Prozent der Kosten ausmachen. Die
direkten Kosten für stationäre und ambulante Behandlung betragen 30
Prozent. Die medikamentöse Therapie verursacht nur 2 Prozent der
Gesamtkosten.
Die Studie berücksichtigt zwar alle verfügbaren Daten zu
Kosten des Schweizer Gesundheitssystems und Hochrechnungen des
«European Brain Counsil» auf der Basis gesamteuropäischer Daten.
Dennoch werden die Kosten der psychiatrischen und neurologischen
Erkrankungen wahrscheinlich noch unterschätzt, da für einige
Erkrankungen und Kostenfaktoren nur unzureichende Daten
vorliegen.
