Medienmitteilung vom 26.03.2008
MedienmitteilungSchweizer Beschäftigte lassen sich nicht kaufen
Schweizer Beschäftigte stellen hohe Anforderungen an ihren Arbeitsplatz. Viel wichtiger als ein möglichst hoher Lohn sind aber qualitative Faktoren wie flexible Arbeit, Verantwortung, Entscheidungsspielraum und Mitwirkung. Dies sind die Resultate des Schweizer HR-Barometers 2008, einer unabhängigen repräsentativen Studie der Universität Zürich und der ETH Zürich.
Im Zentrum des Schweizer Human-Relations-Barometers steht dieses
Jahr die Lohnzufriedenheit. Von den 1370 befragten Beschäftigten
aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz ist knapp die
Hälfte zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrem Lohn (49%), nur 13%
sind unzufrieden oder sehr unzufrieden. Ein recht grosser Teil ist
indifferent (38%).
Die Studie zeigt, dass die Höhe des Lohnes keine
entscheidende Rolle spielt, ob sich Beschäftigte für einen
Arbeitgeber entscheiden oder für längere Zeit an ihn binden.
Entscheidender ist die Qualität am Arbeitsplatz. Zwar steigt die
Lohnzufriedenheit mit steigendem Bruttoeinkommen. Sie nimmt aber
noch stärker zu, wenn von den Unternehmen Massnahmen des Human
Ressource Managements wie etwa Leistungsbeurteilung und
Personalentwicklung eingesetzt werden und wenn bezüglich des
psychologischen Vertrags die gegenseitigen Angebote und Erwartungen
in der Arbeitsbeziehung im Einklang sind.
Anspruchsvolle Beschäftigte Karriere machen weniger
wichtig
Zwar ist die Mehrheit der Beschäftigten in der Schweiz mit
der Arbeitsstelle, der beruflichen Laufbahn und der
Work-Life-Balance zufrieden. Dennoch denken immer mehr an einen
Stellenwechsel: Rund ein Drittel der Befragten bekundet
Kündigungsabsichten, das sind 5% mehr als im Vorjahr. Weiter
berichten mehr Befragte von einer sinkenden Loyalität gegenüber dem
Arbeitgeber gleichzeitig wünschen sie sich umgekehrt von Seiten
des Arbeitgebers mehr Loyalität. Es zeigt sich also, dass die
Beschäftigten kritisch, fordernd und unabhängig sind und die
Unternehmen gefordert sind, wenn ihnen an einer hohen
Mitarbeiterbindung gelegen ist.
Markant gestiegen ist der Anteil jener Beschäftigten, die
eine «Karriere» als nicht wichtig betrachten. Sie machen heute ein
Drittel aller Beschäftigten aus. Dies könnte ein Hinweis darauf
sein, dass die Bedeutung der Arbeitstätigkeit im Vergleich zu
anderen Lebensbereichen abnimmt.
Angst um Arbeitsmarktfähigkeit in der Westschweiz grösser
Die Angst um den eigenen Arbeitsplatz ist nicht sehr
ausgeprägt und gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken. Dennoch glaubt
rund die Hälfte, bei Verlust des Arbeitsplatzes keine gleichwertige
Stellung mehr zu finden. Dabei beurteilen die Befragten aus der
Westschweiz ihre Arbeitsmarktfähigkeit tiefer als jene aus der
Deutschschweiz. Ganz generell gewichten die Beschäftigten in der
Westschweiz den Faktor Arbeit im Vergleich zu anderen
Lebensbereichen geringer als in der Deutschschweiz. Den Grund
dieser unterschiedlichen Gewichtungen kann das Schweizer
HR-Barometer aber nicht abschliessend erklären.
Die Autoren der Studie empfehlen den Unternehmen, zukünftig
noch mehr Gewicht auf die systematische Gestaltung des
Arbeitsumfeldes zu legen. Gute Entwicklungsmöglichkeiten und der
Einbezug der Mitarbeitenden in Entscheidungen seien zentrale
Voraussetzungen dafür.
Zur Studie:
Der Schweizer HR-Barometer 2008 misst die aktuelle
Betriebstemperatur in Schweizer Unternehmen. Dabei werden
zahlreiche Themen wie Lohnzufriedenheit, Motivation,
Arbeitszufriedenheit, psychologischer Vertrag,
Arbeitsflexibilisierung, Karriereorientierungen,
Abeitsplatz(un)sicherheit, Arbeitsmarktfähigkeit,
Personalentwicklung und Organisation des HRM untersucht. Der
HR-Barometer wird von Prof. Dr. Gudela Grote, Professur für
Arbeits- und Organisationspsychologie der ETH Zürich, und von Prof.
Dr. Bruno Staffelbach, Inhaber des Lehrstuhls für Human Resource
Management an der Universität Zürich, alljährlich herausgegeben.
Die Basis der Studie bilden 1370 Interviews, welche von
geschulten Fachpersonen der Universität Zürich und der ETH Zürich
zwischen April und Juni 2007 durchgeführt werden. Die Interviewten
wurden telefonisch zu Hause befragt, nicht am Arbeitsplatz. Die
vorliegende Ausgabe 2008 umfasst erstmals auch die
französischsprachige Schweiz.
Der HR-Barometer 2008 entstand mit grosszügiger Unterstützung
folgender Institutionen: Adecco Switzerland (Hauptsponsor), AXA
Winterthur, Axpo, IBM und Ecoscientia Stiftung.
Gudela Grote, Bruno Staffelbach (Herausgeber). Schweizer
HR-Barometer 2008. 136 Seiten; Format 21x28cm; Grafiken, Diagramme,
Tabellen, Pappband, ISBN 978-3-03823-421-0; CHF 80.; NZZ Libro,
Buchverlag Neue Zürcher Zeitung.
Rezensionsexemplare des Buches Schweizer HR-Barometer 2008:
Dorothee Schneider
NZZ Libro, Buchverlag Neue Zürcher Zeitung
d.schneider@nzz.ch, +41 (0)44 258 19 92
Veranstaltungshinweise:
Die Ergebnisse des Schweizer HR-Barometers 2008 werden durch
die Herausgeber persönlich erläutert und diskutiert an folgenden
Veranstaltungen:
26.03.2008, 10.15-12.00 Uhr: Medienkonferenz im
Universitätshauptgebäude, KOL E13 (Erdgeschoss), Rämistrasse 71,
Zürich.
04.06.2008, 12.00 Uhr, Mittagsforum der Zürcher Gesellschaft
für Personal-Management (www.zgp.ch). Prof. Dr. Gudela Grote wird
die Ergebnisse im Mittagsforum der ZGP vorstellen.
Anmeldung erforderlich (unter www.zgp.ch).
