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Medienmitteilung vom 27.11.2008

Medienmitteilung

«Schweizer Nobelpreis» geht an UZH-Ökonomen Ernst Fehr

Bundespräsident Pascal Couchepin hat am Donnerstag, 27. November 2008, den diesjährigen Marcel-Benoist-Preis an Prof. Dr. Ernst Fehr von der Universität Zürich verliehen. Der Forscher erhielt den mit 100’000 Franken dotierten ältesten Schweizer Wissenschaftspreis in Anerkennung seiner Arbeit zur Bedeutung von Fairness und Kooperation in wirtschaftlichen Beziehungen.

Prof. Ernst Fehr wurde als erster Ökonom mit dem bedeutendsten Wissenschaftspreis der Schweiz ausgezeichnet. An einer Feier an der Universität Zürich überreichte ihm Bundespräsident Pascal Couchepin den mit 100’000 Franken dotierten Marcel-Benoist-Preis. Der Rektor der Universität Zürich, Prof. Andreas Fischer, wies in seiner Rede darauf hin, dass der renommierte Preis bereits zum dritten Mal innert weniger Jahre an einen Forscher der Universität Zürich verliehen wurde. Ernst Fehr sei ein herausragender Wissenschaftler der Gegenwart, und ihm allein gebühre die Ehre des Preises. «Dennoch ist die UZH auch ein wenig stolz auf sich selber und auf die guten Arbeitsbedingungen, die sie ihren Forschenden bietet», sagte Rektor Fischer.

Prof. Rico Maggi, Stiftungsrat der Marcel-Benoist-Stiftung, würdigte in seiner Laudatio die Originalität der Forschung von Ernst Fehr, die ihn zu einem der wirklich bedeutenden Wirtschaftswissenschafter mache. Er habe mit der Einführung des altruistischen Verhaltens ins Marktumfeld etwas Neues entwickelt. «Das wesentlich Neue an Fehrs Ansatz ist der Nachweis, dass Kooperation über die Mechanismen der Reziprozität und der Sanktion, unabhängig von zukünftigen Gewinnen und Verlusten, aufgrund sozialer Präferenzen – eben der Fairness – entsteht.» Als vorbildlicher Lehrer und Ausbildern verstehe es Fehr, immer wieder brillante junge Akademikerinnen und Akademiker zu fördern, und eine ganze Forschungsrichtung mit seinen innovativen Ideen zu beeinflussen. Maggi betonte, dass die Entwicklung einer Forschung, die sich mit dem Gemeinwohl beschäftige, gerade in der heutigen Zeit von Bedeutung sei, sowohl für die (Neu-)Orientierung des wirtschaftlichen Handelns als auch für das Wohlergehen der Gesellschaft.

Die Menschen seien manchmal solidarisch, hilfs- und kooperationsbereit und setzten sich für das Gemeinwohl ein, erläuterte Prof. Ernst Fehr in seinem Vortrag «Eigennutz und Gemeinnutz». Gleichzeitig sehe man oft auch Eigennutz, soziale Kälte und fehlende Hilfsbereitschaft. «Die experimentelle Wirtschaftsforschung hilft uns zu verstehen, unter welchen Bedingungen die Kooperation zwischen Menschen zusammenbricht, und welche Umstände Kooperation begünstigen.» Seine Forschung zeige, dass stabile Kooperation nicht ohne die Sanktionierung von fehlender Kooperation erreicht werden könne. Die Bereitschaft, Sanktionen zu akzeptieren und sein Verhalten anschliessend zu verändern, variiere aber stark zwischen den Kulturen.

Fehr wies darauf hin, dass die Bereitschaft und Fähigkeit zu sanktionieren und soziale Normen einzuhalten auch auf wichtigen neurobiologischen Grundlagen in der Aktivität des vorderen Hirnlappens beruhten. Eine Störung dieses Hirnareals beeinträchtige diese menschliche Fähigkeit ganz entscheidend. «Die menschliche Kooperation beruht daher auf wichtigen kulturellen und biologischen Voraussetzungen, zu deren Erforschung die Mitarbeiter des Instituts für Empirische Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich in den letzten Jahren entscheidende Beiträge geleistet haben», schloss Ernst Fehr.