Medienmitteilung vom 05.12.2008
MedienmitteilungSmoothIT Anreizbasierte Modelle für Peer-to-Peer-Netzwerke
Der grösste Teil des Datenverkehrs im Internet geht auf Peer-to-Peer-Netzwerke zurück, die unabhängig sind von bestimmten Internet Service Providern. Das EU-Projekt SmoothIT unter der Leitung von Burkhard Stiller von der Universität Zürich will nun ökonomische Anreizsysteme entwickeln, mit denen die Provider ihre Netze besser an die Peer-to-Peer-Nutzung anpassen und so günstigere und gleichzeitig auch bessere Dienste anbieten können.
Der Datenverkehr im Internet verdoppelt sich alle 18 Monate. Die
Datenlast tragen dabei die Netzwerke der
Telekommunikationsunternehmen und Internet-Service-Provider (ISP).
Diese sind auf einen Datenverkehr ausgerichtet, bei dem die
Endnutzer von einem zentralen Service-Anbieter Dienstleistungen
und damit auch den entsprechenden Datenverkehr beanspruchen.
Der grösste Teil des Datenverkehrs im Internet, nämlich 80
Prozent, geht jedoch auf so genannte Peer-to-Peer-Applikationen
zurück. Das sind Applikationen, wie beispielsweise das
Download-Netzwerk BitTorrent, bei denen die Computer der
Endbenutzer untereinander riesige Mengen von Daten austauschen,
ohne dass ein zentraler Server eines Service Providers diesen
Datenfluss steuert. Mit der zunehmenden Bandbreite der
Internet-Anschlüsse wird die Bedeutung von
Peer-to-Peer-Applikationen noch stärker zunehmen.
Die Peer-to-Peer-Netzwerke, auch Overlay-Netzwerke genannt,
überlagern die von den ISPs zur Verfügung gestellten und gewarteten
Netzwerkinfrastrukturen. Für deren Betreiber bedeutet dies, dass
die Verteilung der Datenlast und der Datenflüsse auf ihren
Netzwerken immer mehr durch solche Applikationen bestimmt werden,
auf die sie keinen direkten Einfluss mehr haben. Deshalb ist für
die ISPs die Frage entscheidend, wie sie einerseits die Struktur
solcher Overlay-Netzwerke beeinflussen und andererseits ihr eigenes
Netzwerk besser an diese anpassen können.
Das Projekt SmoothIT (Simple Economic Management Approaches
of Overlay Traffic in Heterogeneous Internet Topologies) von
Informatik-Professor Burkhard Stiller von der Universität Zürich
will nun geeignete Mechanismen entwickeln, die es ermöglichen,
Overlay-Netzwerke so zu strukturieren, dass sie sowohl für die
Nutzer, die Overlay-Anbieter als auch für die ISPs möglichst
effizient und damit kostengünstig sind. Dieses soll über
ökonomische Anreize erreicht werden, die sowohl die ISPs wie auch
die Betreiber von Overlay-Netzwerken zur Zusammenarbeit ermutigen.
Zum Beispiel könnten die ISPs dem Nutzer eines
Overlay-Netzwerkes eine Liste mit den Peer-Computern anzeigen, die
eine bestimmte Datei zum Download anbieten. Diese Liste ist nach
Entfernungen geordnet. Der Benutzer hat ein Interesse daran, die
Datei vom nächstgelegenen Peer herunterzuladen, da er dort mit den
geringsten Verzögerungszeiten rechnen kann. Für den ISP bedeutet
dies, dass dadurch die Daten auf dem effizientesten Weg zum Nutzer
gelangen. Um die Informationen über die Entfernungen zwischen den
Peers zu sammeln, müssen die ISP mit den Betreibern der
Overlay-Netzwerken und auch mit anderen ISP zusammenarbeiten, denn
die Overlay-Netzwerke dehnen sich über die Netze verschiedener ISP
aus.
Um geeignete ökonomische Anreizsysteme für diese
Zusammenarbeit zu konzipieren, wollen Stiller und sein Team
zunächst Verkehrsdaten in existierenden Overlay-Netzwerken messen.
Die Wirkung der Anreizsysteme soll dann in Modellen simulativ
untersucht werden. Auf Grundlage der so gewonnenen Erkenntnisse
werden Netzwerkprotokolle entworfen die in zwei verschiedenen
Feldversuchen getestet. Für die Umsetzung der Anreizsysteme müssen
zudem passende Protokolle zur Signalisierung erarbeitet werden, die
die Messung, Abrechnung und partielle Kontrolle des von den
Overlay-Netzwerken generierten Datenverkehrs ermöglichen.
Um die praktische Umsetzbarkeit in heutigen Netzwerken
sicherzustellen, sind auch ISPs und Telekommunikationsanbieter in
das Forschungsprojekt eingebunden. So haben die Forschungsabteilung
der Telefonica in Spanien, das europäische Forschungslabor von
DOCOMO in Deutschland und der ISP PrimeTel auf Zypern Anforderungen
aus Sicht der Industrie an die zu entwickelnde Lösung formuliert.
SmoothIT, das vom 7. Rahmenprogramm der EU finanziert wird,
soll es den ISPs ermöglichen, ihre Netze besser auf den
Peer-to-Peer-Datenfluss auszurichten und dadurch die
Infrastrukturinvestitionen und Unterhaltskosten zu senken.
«SmoothIT wird es den ISPs erlauben, den Grossteil des
Peer-to-Peer-Datenverkehrs genauer als bisher zu managen und auch
finanziell geeignet abzurechnen», sagt Burkhard Stiller. «Dadurch
können sie sowohl ihre Kapazitäten effizienter und kostengünstiger
planen als auch ihre Einnahmen bei minimiertem Datenverkehr
maximieren.» Da der Datenverkehr zudem besser lokalisiert wird und
über die richtigen ISP-Datenleitungen transportiert wird,
profitieren gleichzeitig auch die Nutzer von zuverlässigeren und
qualitativ besseren Dienstleistungen.
Neben der Universität Zürich sind an SmoothIT (Simple Economic
Management Approaches of Overlay Traffic in Heterogeneous Internet
Topologies) folgende Institutionen beteiligt:
- Technische Universität Darmstadt
- DOCOMO Communications Laboratories Europe GmbH
- Athens University of Economics and Business
- Julius-Maximilians Universität Würzburg
- AGH University of Science and Technology
- PrimeTel Limited
- Intracom S.A Telecom Solutions
- Téléfonica Investigación y Desarrollo
Das Programm wird unter anderem mit 3 Millionen Euro vom 7.
Rahmenprogramm der EU finanziert und läuft bis Ende 2010.
Weitere Informationen: http://www.smoothit.org





