Medienmitteilung vom 29.01.2008
MedienmitteilungUhrenzellen in der Haut
Jeder Mensch besitzt einen individuellen Chronotyp oder eine innere Uhr. Ob jemand ein Frühaufsteher oder Morgenmuffel ist, ist in den Genen der Hautzellen kodiert. Forscher der Universität Zürich konnten nun zeigen, dass eine Analyse der Hautzellen die Eigenschaften dieser inneren Uhr bestimmen kann. Damit könnte beispielsweise für Patienten mit extremem Chronotyp ohne langen Aufenthalt im Schlaflabor eine individuelle Behandlung entwickelt werden. Die Studie ist in der Online-Ausgabe der Wissenschaftszeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS) erschienen.
Ob ein Mensch am Morgen extrem früh oder sehr spät aufsteht, ist
Forschern zufolge in den Genen und Molekülen der Hautzellen
kodiert. Der Hypothalamus, der sich im Gehirn befindet, ist
gewissermassen die Zentraluhr des Körpers. In dieser Funktion
synchronisiert er die verschiedenen Zellen, die alle eine eigene
biologische Uhr haben. Einige Forscher hatten vermutet, dass die
Vorliebe der Menschen für eine bestimmte Phase (früh oder spät)
durch die Länge des zirkadianen Rhyth-mus (lat. circa diem:
ungefähr ein Tag) in ihren Körperzellen bestimmt sein könnte.
Zirkadianer Rhythmus nennt man den Zyklus verschiedener Funktionen
von etwa einer Tageslänge. Die meisten biologischen und psychischen
Vorgänge im Körper verlaufen nach einem solchen natürlichen
Rhythmus. So steigt etwa die Körpertemperatur im Laufe des Tages an
und sinkt in der Nacht ab. Aber auch Herzschlag, Blutdruck,
Verdauung und Hormone haben ihre eigenen, unterschiedlichen
Rhythmen und sind bei jedem Menschen verschieden.
Für ihre Studien haben Prof. Steven Brown, Institut für
Pharmakologie und Toxikologie, und seine Kollegen und Kolleginnen
mittels Biopsie Hautzellen von 28 freiwilligen Spendern entnommen.
Einige waren so genannte Eulen, also Spättypen oder Abendmenschen,
andere so genannte Lerchen, also Frühtypen oder Morgenmenschen. Mit
Hilfe eines Virus haben die Forscher dann ein biolumineszentes Gen
in diese Zellen eingeführt. Die auf diese Weise manipulierten
Fibroblasten (Hauptzellen des Bindegewebes) leuchteten je nach
zirkadianer Phase mehr oder weniger stark. Durch eine
Helligkeitsmessung haben die Forscher und Forscherinnen danach die
Länge der zirkadianen Periode bestimmt. Dabei wurden bei extremen
Frühaufstehern die kürzesten Perioden gemessen, während die
Fibroblasten von Menschen, die sehr spät aufstehen, die längsten
Perioden aufwiesen. Allerdings wurden für viele Fibroblasten
mittlere Periodenlängen ermittelt.
Ein mathematisches Modell lässt nun vermuten, dass die
zirkadiane Phase nicht nur durch die Länge der Periode, sondern
auch durch andere Faktoren beeinflusst wird. So wurde bei vier
Testpersonen mit einer identischen Periode eine Korrelation
zwischen der Amplitude des Expressionsniveaus des Uhren-Gens und
der jeweiligen Phase festgestellt. Laut Prof. Brown könnte die
Studie zur Entwicklung eines klinischen Screenings führen, mit dem
geeignete Behandlungen für Menschen mit extremen zirkadianen
Rhythmen gefunden werden können.
